Bürgermeister entschuldigt sich nach Äußerungen über Pelicot-Fall

Seit Wochen sorgt der Vergewaltigungsprozess im französischen Avignon für internationales Aufsehen. Dominique Pelicot, der Ex-Mann von Gisèle Pelicot hat seine Ex-Frau laut Anklage über zehn Jahre lang hunderte Male betäubt, sie anschließend von dutzenden fremden Männern vergewaltigen lassen – und die Taten gefilmt.
Nun hat der Bürgermeister von Mazan, Louis Bonnet, mit Äußerungen für Wirbel gesorgt. Dem britischen Sender BBC sagte Bonnet: „Es hätte schlimmer sein können. Es waren keine Kinder beteiligt, … niemand wurde getötet“. Nachdem Bonnet in den sozialen Netzwerken für seine Aussage scharf kritisiert wurde, ruderte der 74-Jährige umgehend zurück. Bonnet ist Bürgermeister von Mazan, der Gemeinde, in der der Hauptangeklagte, Dominique Pelicot, lebt.

Wie Gisèle Pelicot sich weigert, den Männern die Schuld zu nehmen – und zur Ikone wird
Beim Prozess in Avignon gegen 51 Männer, die sie in bewusstlosem Zustand vergewaltigt haben sollen, tritt das Opfer nun bewusst aus dem Schatten in die Öffentlichkeit – und wird zu einer Ikone, die lautstarke Debatten in Frankreich anregt.
Bürgermeister rudert nach Kritik zurück
In einem Beitrag auf Facebook schreibt Bonnet: „Man wirft mir vor, die Schwere der abscheulichen kriminellen Handlungen, die den Angeklagten vorgeworfen werden, heruntergespielt zu haben. … Ich verstehe, dass diese Äußerungen schockieren, es tut mir aufrichtig leid“. Die „entsetzliche“ Geschichte schmerze die Gemeinde zutiefst, so Bonnet weiter. „Ich bin mir jedoch bewusst, dass dies nicht mit dem Leid vergleichbar ist, das Gisèle Pelicot und ihre Familie erleiden mussten“.
Im Prozess gegen den Ex-Mann und Dutzende weitere Angeklagte waren am Donnerstag unter Ausschluss von Zuschauerinnen und Zuschauern Fotos und Videos gezeigt worden, die der Hauptangeklagte von den Taten angefertigt hatte. Journalistinnen und Journalisten durften im Saal bleiben. Davor hatte Dominique Pelicot umfassend gestanden. Unter anderem sagte er: „Ich bin ein Vergewaltiger, wie alle, die in diesem Saal sind. Sie (damit meint er die anderen Angeklagten) können nicht das Gegenteil behaupten“.
Der Prozess hatte nicht nur wegen der ungeheuerlichen Taten für Aufsehen gesorgt, sondern auch, weil die 72 Jahre alte Gisèle Pelicot in die Offensive ging: Sie bestand darauf, dass der Prozess gegen ihren Ex-Mann und die weiteren Angeklagten nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Ihr Anwalt sagte Medien gegenüber, es gehe darum, dass „die Scham die Seite wechselt“. Diese Woche gingen in Frankreich als Reaktion auf die Taten in Dutzenden Städten mehr als 10.000 Menschen auf die Straße, um gegen sexuelle Gewalt zu demonstrieren.
RND/oda


