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Kultur Sprengel Museum: „100 Jahre Merz“
Nachrichten Kultur Sprengel Museum: „100 Jahre Merz“
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17:00 27.05.2019
An Anna Blume: Die Kuratorinnen Isabel Schulz (links) und Katrin Kolk haben die Merz-Schau zusammengestellt. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

„Merz will die Befreiung von jeder Fessel, um künstlerisch formen zu können.“ Als Kurt Schwitters 1919 in Hannover die Silbe „Merz“ aus einer „Kommerz und Privatbank“-Reklame ausschnitt, begründete er ein Lebenswerk, was bis heute nachhallt: In Forschung, bildender Kunst und auch im Alltag. Mittendrin: Das Wort „Merz“ – Slogan, Witz, Unsinn, Neuanfang und Symbol einer ganz eigenen dadaistischen Ein-Mann-Bewegung der Moderne, darauf aus, die Kunst und ihre Welt nach dem ersten Weltkrieg völlig neu zu ordnen.

Ein Jahrhundert danach feiert das Sprengel Museum vom 29. Mai bis zum 6. Oktober „100 Jahre Merz“: Eine crossmediale, hochkarätige Ausstellung ist im Kosmos Schwitters angelegt, mit fast 200 Stücken, die größtenteils aus dem eigenen Archiv stammen. „Was wir in Hannover für eine Sammlung haben, ist schon ganz besonders“, sagt Kuratorin Isabel Schulz. „Solch eine Ausstellung hätte mit Leihgaben Millionen gekostet.“

200 Stücke größtenteils aus dem eigenen Archiv

Mit Katrin Kolk zusammen hat Schulz die Ausstellung erarbeitet, als thematische Ausgangspunkte wurden Schwitters‘ Merz-Zeitschriften verwendet, die in den 1920er Jahren unregelmäßig erschienen und in der globalen Avantgarde hohe Wellen schlugen. Dadaismus hieß Provokation des Bürgertums und die ständige Überraschung aller Erwartungen – etwa für die Hannoveraner, die eines morgens in 1920 „An Anna Blume“ auf alle Litfaßsäulen der Stadt gekleistert sahen. Der Skandal um das Gedicht ging durch die Zeitungen, der Name Schwitters war präsent.

Impressionen aus „100 Jahre Merz“ – die Ausstellung läuft ab Mittwoch, 29. Mai.

Als er später auf einer Lesetour durch die Niederlande das Publikum wie ein Hund anbellte, fielen Besucher reihenweise in Ohnmacht, bei Lesungen seiner Lautgedichte wurde die Bühne regelmäßig von verärgerten Zuhörern gestürmt. Seine Strahlkraft rekonstruiert die Ausstellung mit Gemälden, Filmaufnahmen und Zeitschriften, die fast allesamt einen Platz in der Dauerausstellung verdient hätten: Oft zutiefst komisch, stets mit eigener Ästhetik, auch nach hundert Jahren verblüffend.

Schwitters wollte ein völlig neue Kunst entwerfen

Anders als die Dadaisten in Zürich, New York und Berlin war Schwitters nicht nur destruktivistisch tätig, was die Ausstellung mit Querverweisen auf Pablo Picasso, Paul Klee und George Braque zeigt: Wie die Konstruktivisten wollte er eine völlig neue Kunst entwerfen, anstatt die veraltete nur zu zerstören. Die Ausstellung widmet sich nicht nur dem „Säulenheiligen des Museums“, wie Direktor Reinhard Spieler Schwitters nennt, sondern auch der generellen Frage, welche Themen die europäischen Künstler nach dem ersten Weltkrieg bewegt haben.

Parallelen zu heute lassen sich leicht ziehen: Schwitters arbeitete multimedial mit Ton, Bild, Schrift und Skulptur. Seine Collagen zeigen die Kraft des Upcyclings, die aus dem Müll der Konsumgesellschaft neue Kunstwerke zaubert. „Merz ist ein Standpunkt, den jeder benutzen kann“, sagte Schwitters über sein Lebenswerk. Gleichzeitig bezeichnete er die Merzkunst als „absolut individuellen Hut, der nur auf einen einzigen Kopf passte“ – seinen eigenen. „100 Jahre Merz“ gibt die Chance, noch einmal genau in diesen Kopf hineinzuschauen: Schließlich war er einer der bedeutendsten in Hannovers Geschichte.

Am 5. und 6. Juli findet ein internationales Symposium mit Schwitters-Forschern aus der ganzen Welt statt, am 10. September folgt ein Anna-Blume-Abend mit Peter Struck.

Von Lilean Buhl

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