Waldbrände in Sachsen und Brandenburg

Wie wirken sich die Feuer auf die CO₂-Bilanz aus?

Großer Waldbrand im Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg.

Großer Waldbrand im Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg.

Bäume sind einer der wichtigsten CO₂-Speicher der Erde. Wenn sie verbrennen, entweicht das Gas in großen Mengen und kann dadurch dem Klima schaden. „Die aktuellen Waldbrände in Deutschland und Europa sind überdurchschnittlich groß und haben somit natürlich auch einen Einfluss auf die CO₂-Bilanz“, sagt Markus Drüke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). In diesem Jahr seien in Deutschland schon mehr als 3000 Hektar Wald abgebrannt. Das sei ein Vielfaches der Waldfläche, die normalerweise jedes Jahr Bränden zum Opfer fällt. Nur 2018 sei die verbrannte Fläche insgesamt noch größer gewesen.

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Im Vergleich mit trockeneren Ländern sei die vernichtete Waldfläche in Deutschland aber immer noch „vergleichsweise gering“, sagt Drüke. So seien in Spanien in diesem Jahr bereits 200.000 Hektar Wald abgebrannt. Diese Zahl sei wiederum gering im Vergleich dazu, welche Flächen in Südamerika und Afrika pro Jahr vernichtet werden. Oder welche Waldflächen bei den schlimmen und monatelangen Feuern in Australien und Sibirien in den vergangenen Jahren zerstört worden seien. Dort seien viele Millionen Hektar verbrannt.

Brände sind „ökologische Katastrophe“

Weltweit sorgten Feuer für etwa acht Milliarden Tonnen CO₂-Emissionen pro Jahr. Es könne zwar momentan noch nicht genau gesagt werden, wie groß der CO₂-Ausstoß der aktuellen Feuer sei, so Drüke. Deutschlands gesamte Emissionen beliefen sich aber auf etwa 750 Millionen CO₂-Äquivalente pro Jahr, wovon in der Regel deutlich weniger als eine Million Tonnen davon auf Waldbrände zurückzuführen sei. „Der Anteil am deutschen Gesamtausstoß ist also sehr gering und der deutsche Wald bindet in der Summe immer noch deutlich mehr CO₂ pro Jahr als bei den Bränden verloren geht“, sagt Drüke.

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Aber: Anders als zum Beispiel in typischen Waldbrandregionen in Afrika und Südamerika sei die Vegetation in Deutschland nicht an Brände angepasst. Die Vegetation in solchen Ländern sei brandresistent oder könne sich nach einem Feuer relativ schnell erholen. In Deutschland sorgten die großen Brände hingegen für eine ökologische Katastrophe und können zu langwierigen Schäden im Wald führen.

„Wichtiger Wald, Artenvielfalt und Nährstoffe gehen verloren. Und es ist schwer und langwierig und zum Beispiel nur mit starker Bewässerung möglich, in den trockenen Regionen von Brandenburg wieder neuen Wald aufwachsen zu lassen“, sagt Drüke. Die Situation dürfte sich in Zukunft noch verschlimmern, so der Experte: „Es ist davon auszugehen, dass die Waldbrandaktivität in Deutschland durch den Klimawandel in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird.“

Hitzewelle: Die Lage der weltweiten Waldbrände

Brandenburg, Kalifornien, Spanien, Griechenland und viele weitere Gegenden leiden unter Hitze und Waldbränden.

Forstwirtschaft trägt Mitschuld

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnt davor, dass Waldbrände künftig noch mehr Schaden anrichten werden. Die jährlich verbrannte Fläche in Deutschland habe sich in den Jahren 2018 und 2019 im Vergleich zum Zeitraum 2010–2017 wegen der anhaltenden Hitze und Trockenheit bereits versechsfacht. Auch wenn Deutschland einen noch vergleichsweise geringen Anteil daran habe: Weltweit seien Waldbrände ein riesiges Problem für das Klima, sagt Greenpeace-Waldexperte Christoph Thies. Auch er verweist auf die acht Milliarden Tonnen CO₂, die jährlich durch Brände freigesetzt werden. Brände sorgen laut Greenpeace für mehr Emissionen als der globale Verkehr, die Menge an freiwerdendem CO₂ entspreche etwa der Hälfte der globalen Emissionen aus der Kohleverbrennung.

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Dabei dürfe man nicht vergessen, dass bis zu 90 Prozent der Brände keine reinen Naturkatastrophen, sondern die Folge menschlichen Verhaltens seien. Das gelte auch für die Brände in Deutschland: „Nicht nur die Klimakrise und damit zusammenhängende Dürren fachen Wald- und Flächenbrände in Deutschland an, auch die Forstwirtschaft trifft eine Mitschuld“, sagt Thies. Was derzeit in Deutschland brenne, seien hauptsächlich angepflanzte Kiefern- und Fichtenplantagen, schnellwachsende Nadelbäume in Monokultur. Diese würden kaum Wasser binden und daher „brennen wie Zunder.“

Natürlich gewachsene Laub- und Mischwälder hingegen würden nicht so leicht brennen. Um künftigen Bränden vorzubeugen, gelte es, echte, naturbelassene Wälder zu schützen, Frühwarnsysteme zu installieren und die Feuerwehren aufzurüsten. Thies glaubt, dass sich weltweit die Hälfte der Waldbrände verhindern ließe – was eine Reduktion der gesamten Emissionen um immerhin 10 Prozent bedeuten würde. Das würde zwar einige Anstrengungen bedeuten, sagt der Experte. „Aber wenn man das wirklich will, könnte man es schaffen.“

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