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Verschwörungsmythos „Great Reset“

Verschwörungserzählungen: Nach Corona nun die Affenpocken?

Das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München hat auch erstmals in Deutschland bei einem Patienten das Affenpockenvirus zweifelsfrei nachgewiesen.

Das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München hat auch erstmals in Deutschland bei einem Patienten das Affenpockenvirus zweifelsfrei nachgewiesen.

Ob bei Demonstrationen gegen die Corona-Regeln, in den sozialen Netzwerken oder auf zwielichtigen Youtube-Kanälen: Immer wieder raunen Verschwörungsideologinnen und ‑ideologen von einem „Great Reset“. Laut dem antisemitischen Verschwörungsmythos plant eine globale Elite eine neue Weltordnung und übernimmt die Kontrolle mit Hilfe der gesteuerten Corona-Pandemie.

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Nach dem Ende der meisten Corona-Maßnahmen und mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine verschwanden derartige mit der Pandemie verbundene Verschwörungserzählungen zumindest aus dem öffentlichen Fokus. Doch mit den aktuellen Nachrichten zum Affenpockenvirus trendet am Samstag auf Twitter plötzlich wieder #GreatReset. Was steckt dahinter?

Was ist der „Great Reset“?

Verschwörungsideologien beziehen sich oft auf reale Ereignisse, Personen oder Fakten und bauen diese mit konspirativen Erzählungen aus. Auch „The Great Reset“, auf Deutsch „Der große Neustart“, ist eine real existierende Initiative des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos mit dem Ziel, die globale Wirtschaft nach der Corona-Pandemie nachhaltiger und gerechter zu gestalten.

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WEF-Gründer Klaus Schwab hat die Initiative gemeinsam mit dem britischen Thronfolger Charles ins Leben gerufen und im Juni 2020 vorgestellt. Die Ideen erhielten Unterstützung von zahlreichen Politikerinnen und Politikern wie dem kanadischen Premier Justin Trudeau, dem britischen Premierminister und US‑Präsident Joe Biden.

Verschwörungserzählungen über Affenpocken

In der Verschwörungserzählung wird die Initiative hingegen zu einer „Agenda“, bei der es um die „Versklavung der Menschheit“ geht. Als Teil der sogenannten „Elite“ nennen ihre Anhängerinnen und Anhänger jüdische Milliardäre – und bedienen damit ein altes und gefährliches antisemitisches Klischee.

Für Corona-Leugnerinnen und ‑Leugner bietet die rechte Verschwörungserzählung vom „Great Reset“ unterschiedliche Anschlussmöglichkeiten. Deshalb ist sie in der Szene weit verbreitet. „Das liegt auch daran, dass es eine Art Überverschwörungserzählung ist, in der man ganz viele andere Verschwörungserzählungen unterbringen kann“, sagte Josef Holnburger, Politikwissenschaftler und Geschäftsführer des Center für Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas), dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Erster Fall von Affenpocken in Deutschland: Lauterbach sieht „keine hohe Dunkelziffer“

Gesundheitsminister Karl Lauterbach hält die erste Feststellung einer Affenpockenerkrankung in Deutschland für einen isolierten Fall.

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Damit lässt sich wohl auch erklären, dass die Verschwörungserzählung vom „Great Reset“ in der Szene nun mit den Affenpocken in Verbindung gebracht wird. In den sozialen Medien werden dabei Bezüge zur Corona-Pandemie hergestellt. Ein User schreibt etwa: „Die nächste Agenda der globalen Elite, um den #GreatReset mit aller Gewalt durchzusetzen. Bereits in 2021 geplant, so wie die erfundene Corona-Pandemie Ende 2019 plangespielt und dann 2020 umgesetzt wurde.“

Ein anderer User bezeichnet das Affenpockenvirus ebenfalls als weit im Voraus geplant. „[Sie] versuchen verzweifelt, die Leute zu ängstigen und zum „impfen“ zu bekommen!“, twittert er.

Auch die von Olaf Scholz angekündigte „Zeitenwende“ wird instrumentalisiert und als Synonym für den „Great Reset“ bezeichnet. Außerdem kursieren erneut rechte Memes mit zwei prominenten Hassfiguren der Szene – Gesundheitsminister Karl Lauterbach sowie Microsoft-Gründer Bill Gates.

Was bisher über die Affenpocken bekannt ist

Dabei gehen Fachleute nicht davon aus, dass es sich bei den Affenpocken um die nächste Pandemie nach dem Coronavirus handeln könnte. Denn eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist zwar möglich, laut dem Robert Koch-Institut (RKI) breitet sich das Virus in menschlichen Populationen aber nur begrenzt aus. So wurden bisher nur Infektionsketten von bis zu sechs Personen beschrieben. Dennoch kam es in den vergangenen Wochen zu einer ungewöhnlichen Häufung, die nun Seuchenschützer und Ärztinnen weltweit genau untersuchen.

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Bei der Viruserkrankung handelt es sich um eine Zoonose, also eine Erkrankung, die zwischen Menschen und Tieren übertragen werden kann. Der erste Fall von Affenpocken in Deutschland wurde am Freitag festgestellt.

Ein Infektionsrisiko besteht beim engen Kontakt mit Körperflüssigkeiten einer infizierten Person oder den charakteristischen Krusten, die sich bei Affenpocken auf der Haut bilden. In Großbritannien waren in den vergangenen Wochen vier von fünf gemeldeten Fällen Männer, die Sex mit Männern hatten. Die Behörden gehen daher momentan von einer sexuellen Übertragung des Virus aus.

Im Gegensatz zu den seit 1980 als ausgerottet eingestuften menschlichen Pocken nehmen die Affenpocken laut RKI in der Regel einen milderen Verlauf, die meisten Menschen erholen sich demnach innerhalb von Wochen.

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