Studie untersucht Zusammenhang

Ob Lieder gute Laune machen, hängt von der Kultur ab

Australische Forschende zeigen, dass es von der Kultur abhängt, ob Lieder gute Laune machen.

Australische Forschende zeigen, dass es von der Kultur abhängt, ob Lieder gute Laune machen.

„Walking on Sunshine“ macht gute Laune, „Ain‘t No Sunshine“ stimmt die meisten eher nachdenklich. Dahinter steckt – so dachte man bisher –, ob ein Musikstück in Dur oder Moll komponiert wurde. Australische Forschende haben nun jedoch herausgefunden, dass diese Wahrnehmung nicht so universell ist, wie bisher gedacht. Vielmehr ist sie von der westlichen Kultur beeinflusst.

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Musik besitze diese „unglaubliche Fähigkeit“, Menschen sowohl körperlich als auch emotional zu bewegen, erklärt Andrew Milne, ein Musikwissenschaftler der Western Sydney University im Interview mit dem „Guardian“. Eine der Möglichkeiten, wie Komponistinnen und Komponisten oder Interpretinnen und Interpreten kommunizieren, seien Durakkorde und ‑tonleitern sowie Mollakkorde und ‑tonleitern, so der Forscher. Erstere würden sehr stark mit einer fröhlichen Stimmung assoziiert werden, Letztere mit einem melancholischeren Gefühl. „Wir wissen, dass westliche Menschen sehr auf dieses besondere musikalische Merkmal eingestellt sind“, sagte Milne.

Musik: wichtiger Bestandteil des Alltags

Vonseiten der Universität hieß es, Musik sei ein wichtiger Bestandteil der meisten Kulturen und spiele eine große Rolle im Alltagsleben. „Sie unterstreicht Meilensteine wie Geburtstage und Hochzeiten, während Musik bei traurigen Ereignissen wie Beerdigungen die Kraft hat, uns zu bewegen, Erinnerungen wachzurufen oder uns zum Weinen zu bringen“, sagt Milne. „Jeder Film oder jede Fernsehsendung, die wir uns ansehen, wird auch mit einem Soundtrack untermalt, der emotionale Szenen untermalt.“ Typischerweise werden Durakkorde in fröhlichen Szenen verwendet, während Mollakkorde normalerweise ein Gefühl von Unbehagen und Traurigkeit vermitteln.

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Im Rahmen einer Studie wollten Andrew Milne und seine Kolleginnen und Kollegen nun jedoch herausfinden, wie Menschen aus anderen Kulturkreisen auf Musik reagieren. Für ihre Analyse, die sie in der Fachzeitschrift „Plos One“ veröffentlicht haben, befragten sie Menschen aus fünf abgelegenen Gemeinden in Papua-Neuguinea, die sich bisher kaum oder gar nicht mit westlicher Musik und ihren typischen emotionalen Assoziationen beschäftigt hatten.

Musikempfinden ist kulturell unterschiedlich

Im Experiment spielten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihnen Dur- und Mollakkorde sowie verschiedene Melodien vor. „Ein Durakkord und ein Mollakkord sind sich eigentlich sehr ähnlich“, sagte Milne. „Sie haben beide drei Noten, aber im Mollakkord ist eine dieser Noten einen Halbton tiefer.“ Die Menschen aus dem nicht westlichen Kulturkreis reagierten dann jedoch völlig anders als westliche Teilnehmerinnen und Teilnehmer. So wählten sie „ebenso häufig den Mollakkord oder die Molltonleiter wie den Durakkord“, wenn es um Musik ging, die sie glücklich stimmte. Ein ähnliches Ergebnis hatte im vergangenen Jahr auch eine Studie mit verschiedenen Stämmen aus Pakistan geliefert. Auch diese Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten zuvor nur minimalen Kontakt mit westlicher Musik gehabt.

Warum bei westlichen Menschen dagegen eher Musik in Dur gute Laune verbreitet, liegt laut der Forschenden vermutlich an zwei kulturellen Mechanismen: Der erste ist die Vertrautheit – ein Phänomen, das in der Psychologie als Mere-Exposure-Effekt bekannt ist. Hier ist die Theorie, dass wir dazu neigen, Dinge zu bevorzugen, denen wir häufiger ausgesetzt sind. Im Falle der westlichen Musik sind dies Durakkorde, die in Kompositionen eben häufiger vorkommen als Mollakkorde. Der zweite Mechanismus ist die assoziative Konditionierung: So werden in der westlichen Kultur positive Ereignisse häufig mit Musik in Dur unterlegt, während düstere Ereignissen mit Molltonarten in Verbindung stehen. Dies verstärkt laut der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die emotionale Verbindung im Laufe der Zeit.

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Musik verbessert das Wohlbefinden

Bereits im März diesen Jahres hatten andere australische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empirisch nachweisen können, dass Singen, Spielen oder Musik hören das Wohlbefinden und die Lebensqualität verbessern. Ähnlich aufbauend wirken ansonsten wohl nur Sport und eine Gewichtsabnahme. Die Autoren dieser Studie, die im Fachmagazin „Journal of the American Medical Association Network Open“ publiziert wurde, untersuchten dafür 26 Studien aus verschiedenen Ländern, darunter Australien, Großbritannien und die USA. Sieben der Studien befassten sich mit Musiktherapie, zehn untersuchten die Wirkung des Musikhörens, acht analysierten das Singen und eine beschäftigte sich mit der Wirkung von Gospelmusik. Die Effekte waren dabei ähnlich, egal ob die Teilnehmenden sangen, selbst Musik machten oder Musik hörten.

Die Forschenden der Universität von New South Wales vermuteten letztendlich, dass die Wirkung von Musik sogar noch tiefgreifender sein kann als bisher vermutet. Musik könne unter Umständen sogar das Risiko für nicht übertragbare Krankheiten wie Herzkrankheiten und Krebs verringern, hieß es. Die Forschung dazu befinde sich allerdings noch in einem sehr frühen Stadium.

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