Klimawandel: Drohen uns Tornados bald auch häufiger in Europa?

Der Tornado am 29. September 2021 in Kiel wirbelte mehrere Menschen durch die Luft und spülte sie ins Wasser (Videostandbild).

Tornados haben in den USA für Tote und Zerstörung gesorgt. In Deutschland und Europa kommen solche Stürme seltener vor und sind in der Regel weniger gefährlich. Doch könnte sich das durch den Klimawandel in Zukunft ändern? Tatsächlich werden auch hierzulande laut Deutschem Wetterdienst (DWD) zwischen 20 und 60 Tornados pro Jahr gemeldet.

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Ein Tornado ist ein meist kleinerer Wirbelsturm, er besteht aus einer rotierenden Luftsäule mit Bodenkontakt und kann unterschiedlich stark ausfallen. Oft dauert das Phänomen nur wenige Minuten. Dass Tornados eine Schneise der Verwüstung durch das Land ziehen, wie nun in Amerika, ist in Deutschland in dem Ausmaß noch nicht vorgekommen.

Andreas Friedrich ist Tornadobeauftragter beim Deutschen Wetterdienst. „Tornados sind in Europa noch ein sehr seltenes Ereignis“, sagt er. Das liege an den unterschiedlichen meteorologischen Bedingungen. Im mittleren Westen der USA seien die „Luftmassegegensätze“ extremer. So treffe dort kalte Luft aus Alaska auf warme und feuchte Luft, die vom Golf von Mexiko her einströmt sowie heiße Luft, die aus Wüstengebieten kommt.

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Eine Region im Südwesten der USA wird deshalb auch als „Tornado Alley“ bezeichnet, als Tornadogasse. In Europa sei die Lage eine andere: „Hier erwärmt sich Luft, die von den Polargebieten kommt, zuvor über dem Meer und warme Luft, die vom Mittelmeer kommt, schafft es nicht so leicht über die Alpen“, sagt Friedrich.

Tornados brauchen eine Windscherung

Das Aufeinandertreffen kalter und warmer Luftströmungen ist eine der wichtigsten Ursachen für das Entstehen von Stürmen. Zusätzlich begünstigt wird ein Tornado durch Gewitter mit Regenschauern, bei denen sich Wolken in geringem Abstand zur Erde bilden. Unter diesen müssen feuchte Luftmassen aufsteigen. Damit sich ein Tornado ausbilden kann, muss noch eine weitere Voraussetzungen erfüllt sein: Es muss zu einer Windscherung kommen, einer plötzlichen Änderung der Windrichtung und/oder der Windgeschwindigkeit von zwei aneinandergrenzenden Luftschichten.

Dass die nun beobachteten Tornados auf den Klimawandel zurückzuführen seien, sei noch nicht belegt, sagt Friedrich. So lasse sich nicht eindeutig sagen, dass die Stürme öfter als in der Vergangenheit vorkommen: „Es gibt noch keine Beweise dafür, dass Tornados in den USA zugenommen haben.“ Rein physikalisch sei aber erwartbar, dass in Zukunft mehr heftige Tornados auftreten, wenn sich die Erde weiter erwärmt. Das könne dann auch für Europa gelten.

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Klimawandel kann Entstehung von Tornados begünstigen

Mit jedem Grad Erwärmung kann sich 7 Prozent mehr gasförmiges Wasser in der Atmosphäre halten, sagt Friedrich. Das bedeutet, dass Wasser auf der Erde verdampft. Hierbei entstehe Kondensationswärme: Diese kann hochreichende Gewitterwolken und Windscherungen begünstigen. Die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Tornados steigert sich dadurch. Andererseits würden infolge des Klimawandels mehr Dürreperioden erwartet, die keine günstigen Bedingungen für einen Tornado schaffen, so der Experte. Möglich wäre daher auch, dass die Stürme in Zukunft nicht unbedingt öfter auftreten, aber heftiger ausfallen könnten.

Durchschnittliche Vorwarnzeit in den USA bei neun Minuten

Gefährlich, das hat das Beispiel in den USA gezeigt, ist vor allem das plötzliche Auftreten der Tornados. Die durchschnittliche Vorwarnzeit liegt dem „National Weather Service“ zufolge in den USA bei gerade einmal neun Minuten. Wird eine Warnung von 20 bis 30 Minuten vor Eintreffen des Sturms ausgerufen, gilt das schon als Erfolg. Es gebe auch in Deutschland kein gut funktionierendes Vorwarnsystem, sagt Friedrich. „Wir können die Bedingungen wie Feuchtigkeit und Wind abschätzen. Dann können wir sagen, dass das Potential für einen Tornado besteht, vielleicht auch ein hohes Potential. Ob, wann und wo genau ein Tornado auftreten wird, lässt sich aber kaum vorhersagen.“

Dass Tornados hierzulande einmal die gleichen Schäden anrichten werden wie in der „Tornado Alley“ in den USA ist auch nicht gesagt. So verweist der Deutsche Wetterdienst auf die „insgesamt doch deutlich stabilere Bauweise“ von Gebäuden in Europa. Momentan sei die Gefahr durch Tornados in Deutschland in jedem Fall noch gering, sagt auch Friedrich. Er sieht ein anderes Wetterphänomen als die größere Gefahr: Starkregenfälle wie solche, die im vergangenen Sommer in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ein Hochwasser ausgelöst hatten. Anders als bei den Stürmen lasse sich jetzt schon erkennen, dass die Intensität bei Starkregenfällen zunimmt, sagt Friedrich: „Starkregenfälle sind sehr viel häufiger und richten mehr Schaden an als Tornados.“

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