Von Tauben, Falken und Eulen

Der Hauptsitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.

Der Hauptsitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.

Hannover. Die Tauben sind müde. Christine Lagarde würde das nicht gern lesen, tut sie aber wahrscheinlich auch nicht. Die EZB-Präsidentin mag nicht als geldpolitische Taube gelten, denn in diesem Ruf ist man als Notenbankerin ziemlich gefangen. So werden Verfechter einer lockeren Geldpolitik genannt, die Zinsen niedrig halten und alle anderen Instrumente auspacken, um die Wirtschaft am Laufen zu halten – auch wenn das zwischendurch zu schmerzhafter Inflation führt. Sagen wir so: Wenn Christine Lagarde keine Taube ist, dann benimmt sie sich jedenfalls wie eine.

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Fast zu spät kommt das Signal

Aber das erschöpft sich, denn manchmal müssen Notenbanken tatsächlich Zinsen erhöhen. Das sollte der Rest der Welt ihnen auch zutrauen, sonst gibt es böse Überraschungen, falls es wirklich passiert. Also hat Lagarde am Donnerstag den Falken rausgelassen – einen winzig kleinen, ganz vorsichtig und fast zu spät. Falken bilden das andere Lager der Notenbanker: Geld knapp halten, um Inflation zu verhindern – auch wenn Zinsen steigen und zwischendurch die Konjunktur leidet.

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Bei 5 Prozent Inflation von einer überraschenden Entwicklung und wachsenden Risiken zu sprechen, ist wohl das Minimum, wenn man noch ernst genommen werden will. Der EZB-Rat hat nichts beschlossen, die Präsidentin ließ nach der Sitzung aber erkennen, dass es bald vorbei sein könnte mit der Krisenpolitik. Wohl nicht zuletzt für ihr deutsches Publikum hat sie die Inflationsentwicklung mit sorgenvoller Miene geschildert und klargemacht, dass den Worten im März wohl Taten folgen werden.

Bremse für die Aktien

Die Finanzmärkte reagierten wie gewünscht: Die Botschaft ist angekommen, löste aber keine Panik aus. Die Aktienkurse werden eingebremst, deutlich, aber bisher nicht dramatisch. Und an die Anleihenmärkte kehrt der Zins schon jetzt zurück. Zum ersten Mal seit rund drei Jahren liegt die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen wieder klar über null. Die Börsen scheinen Lagarde den kleinen Falken abzunehmen.

Sie selbst hat übrigens eine völlig andere Vorliebe. Sie möge Eulen, berichtete die EZB-Präsidentin bei ihrem Amtsantritt 2019. Die wirkten so weise. Ja, schon, das schadet nie. Aber hat sie bedacht, dass Eulen kommunikativ wenig begabt sind? Mimik, Gestik, Stimme – da geht nicht viel. Wie hätte die Eule Christine den Markt auf geldpolitische Entscheidungen vorbereiten sollen? Vielleicht sollte man die Tiere doch raus lassen aus der Geldpolitik.

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