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Höhere Preise gelten als sicher

„Lage ist schon jetzt ernst“: Gasexperte zur Alarmstufe des Notfallplans Gas

Blick auf Rohrsysteme und Absperrvorrichtungen in der Gasempfangsstation der Ostseepipeline Nord Stream 1. Dort kommt deutlich weniger Gas an.

Die Bundesregierung bereitet offenbar die Ausrufung der Alarmstufe des nationalen Notfallplans Gas vor. Nach Angaben der „Welt“ solle dies innerhalb von fünf bis zehn Tagen erfolgen. Außerdem sollen Reservekraftwerke, die mit Kohle und Öl befeuert werden, sich auf den baldigen Betrieb einstellen, heißt es in einem Brief von Wirtschaftsstaatssekretär Patrick Graichen an die Kraftwerksbetreiber, der dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Notwendig sei dies insbesondere wegen der „Reduktion der Gaslieferungen durch die North Stream I Pipeline um 60 Prozent“.

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Bei der Alarmstufe Gas handelt es sich um die zweite Stufe des Notfallplans. Er kann ausgerufen werden, wenn sich die Versorgungslage deutlich verschlechtert oder bald zu verschlechtern droht. Für Unternehmen bedeutet das: Sie sind laut Ministerium zur „Nutzung von Flexibilitäten auf der Beschaffungs­seite“ oder der „Optimierung von Lastflüssen“ aufgerufen.

Gasexperte: Alarmstufe ein „wichtiges Signal“

Bereits im März hatte Wirtschaftsminister Robert Habeck die erste Stufe, die Frühwarnstufe, ausgerufen. „Da Deutschland ein wichtiger Gasmarkt in Europa ist, sendet die Alarmstufe ein wichtiges Signal für den ganzen europäischen Markt“, sagt Andreas Schröder, Leiter der Energieanalyse beim Energiemarktforscher ICIS, im Gespräch mit dem RND. „Die Alarmstufe ist keine Warnung, die Lage ist wegen des Rückgangs der Liefermenge von Gazprom schon jetzt ernst.“

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„Wir erhalten so wenig Gas wie noch nie zuvor“, erklärt der Experte. Selbst den treuen Gaskunden kehre Gazprom den Rücken. Seiner Einschätzung nach ist das Ausrufen der Alarmstufe daher so gut wie sicher. „Stufe drei könnte im Winter auf Deutschland zukommen, wenn Russland bald tatsächlich kein Gas mehr liefern sollte.“

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Höhere Gaspreise erwartet

Verbraucherschützer fürchten einen erheblichen Anstieg der Gaspreise, wenn die Bundesregierung die Alarmstufe ausruft. Davon geht auch Experte Schröder aus. Die zweite Stufe führe zwar noch nicht dazu, dass Verbraucher Engpässe zu spüren bekommen. „Allerdings wird das Gas bald teurer werden“, ist er sich sicher. Denn: „Die Alarmstufe ist ein wichtiges Engpasssignal an den Markt, das am Markt in eine Risikoprämie übersetzt wird.“ Dass Gas (TTF) bald wie im Februar über 200 Euro pro Megawattstunde kostet, glaubt er zwar nicht. „Aber wenn es noch eine weitere Drosselung der Liefermenge gibt, ist ein Preis von 200 Euro durchaus möglich.“

Zuletzt hatte der russische Staatskonzern Gazprom seine Liefermenge nach Deutschland durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 deutlich verringert. Er begründete dies mit dem Fehlen einer in Kanada gewarteten Turbine für Nord Stream 1. Die Siemens-Anlage dürfe angeblich wegen der Sanktionen des Westens nicht geliefert werden.

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Betroffen sind davon auch treue Stammkunden des Gazprom-Konzerns, was viele überrascht hat. „Uniper hat eine jahrzehntelange Geschäftsbeziehung mit Gazprom und sogar zur Zeit des Kalten Kriegs zuverlässig Lieferungen erhalten“, sagt Gasexperte Schröder dem RND. In der Branche glaubt kaum jemand, dass die Wartung der Siemens-Turbine für die gedrosselte Liefermenge verantwortlich ist. Vielmehr vermutet man politisches Kalkül. Schließlich könnte der Gasriese über die ukrainischen Gasleitungen als Ausgleich mehr liefern, will das aber offenbar nicht.

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