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Gaskrise

Deutschland ruft die Gas-Aalarmstufe aus: Was tun andere Länder?

Ein Schild hängt zwischen Transformatoren am Kohlekraftwerk Stöcken. Deutschland will, wie viele andere Länder, jetzt vermehrt auf Kohle zur Stromversorgung setzen.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat am Donnerstag die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. „Das ist kein Spiel“, sagte der Minister in Berlin. Angesichts der gedrosselten Liefermenge aus Russland müsse man schon jetzt im Sommer den Gasverbrauch reduzieren. Es seien Maßnahmen nötig, „die weh tun“, so Habeck, der unter anderem auf die Reaktivierung von Kohlekraftwerken verwies. Dadurch soll kein Gas mehr zur Stromerzeugung verschwendet werden.

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Deutschland ist mit seinen Problemen bei der Gasversorgung nicht allein. Russland hat in der Vergangenheit auch die Gasmenge an Italien, Österreich, Tschechien und die Slowakei gedrosselt. Polen, Bulgarien, Frankreich, Dänemark und die Niederlande erhalten gar kein Gas mehr.

Drohende Gaskrise: Was tun andere Länder?

Wegen drohenden Engpässen haben Dänemark und die Niederlande bereits am Dienstag ihre Gas-Notfallpläne aktiviert. Probleme bei der Energiesicherheit gebe es zwar noch nicht, so der niederländische Energieminister Rob Jetten. Doch die Lage könne sich schnell verschlechtern. Einer der Konsequenzen: Die Kohlekraftwerke sollen bis 2024 auf voller Kraft laufen, statt wie bisher auf 35 Prozent Leistung. Dänemark hat keine weitreichenden Konsequenzen beschlossen, beobachtet den Gasmarkt aber nun genauer. Zuvor hatte die dänische Ministerpräsidentin Frederiksen angekündigt, dass alle Hausbesitzer mit Gas- oder Ölheizungen darüber informiert werden sollen, ob sie auf Fernwärme umsteigen können.

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Polen und Bulgarien haben gelassen auf den Gas-Lieferstopp reagiert. „Dieser Stopp von Gaslieferungen aus Russland hat uns nicht überrascht, wir haben uns schon seit Jahren gut auf dieses Szenario vorbereitet und schon seit 2015 schrittweise unsere Abhängigkeit von russischem Erdgas um etwa 20 Prozent zurückgefahren“, hatte der polnische Vizeaußenminister Szymon Szynkowski vel Sek dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) Ende April bereits gesagt. Polen erhält unter anderem aus Litauen und der Slowakei und ab Herbst über eine neue Gaspipeline durch die Ostsee weiter Gas. Bulgarien erhält LNG-Gas aus den USA. Das amerikanische Gas soll über LNG-Terminals in Griechenland und der Türkei nach Bulgarien gelangen. Außerdem gibt es Gespräche mit Aserbaidschan über eine Erhöhung der Gaslieferungen.

Frankreich bezieht eigentlich 17 Prozent seiner Gaslieferungen aus Russland, die Speicher sind zu 56 Prozent gefüllt. Das ist etwas mehr als sonst zu dieser Zeit (50 Prozent). Da Frankreich allerdings zuletzt ohnehin weniger Gas verbraucht hat, war die Pipeline nur zu 10 Prozent ausgelastet. Das Land erhält auch Gas aus Spanien und kann die Liefermenge dadurch erhöhen. Der französische Gastransportnetzbetreiber Grtgaz darf zudem Großverbraucher anweisen, ihren Verbrauch kurzfristig zu reduzieren oder vollständig zu unterbrechen.

In Italien setzte die Regierung auf eine neue Partnerschaft mit Katar. Von dort soll Flüssiggas in größeren Mengen die russischen Gaslieferungen ersetzen. Die bisher 77 Millionen Tonnen sollen auf 110 Millionen Tonnen pro Jahr erhöht werden. Bisher hatte Italien etwa 40 Prozent des Gasbedarfs aus Russland bezogen. Außerdem kündigte die Regierung an, in Zukunft womöglich die Kohleverstromung auszuweiten.

Energiemaßnahmen: So will Habeck eine schwere Gaskrise verhindern

Mit umfangreichen Maßnahmen will Habeck nun den Gasverbrauch in Deutschland senken und auf die Drosselung russischer Lieferungen reagieren.

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Tschechien kann laut dem Energieversorger CEZ die ausbleibenden Lieferungen aus anderen Quellen ersetzen. Spanien und Portugal sind weitgehend unabhängig von russischem Gas und exportieren sogar Gas an andere EU-Länder.

Am Dienstag kündigte Österreich ebenfalls Maßnahmen zum Gassparen an, nachdem die erste von drei Stufen eines Notfallplans aktiviert wurde. Die Gasspeicher sind zu 41 Prozent gefüllt und sollen bis Oktober auf 80 Prozent aufgefüllt werden. Zuletzt kam nur noch etwa die Hälfte der vereinbaren Gasmengen aus Russland nach Österreich. Die Regierung hat daher eine Energiesparkampagne für den Herbst angekündigt. „Energie sparen ist immer gescheit, zum Klima schützen, um Geld zu sparen und den Gasverbrauch zu reduzieren“, sagte Österreichs Energieministerin Gewessler.

Auch in Griechenland gibt es einen Notfallplan, wonach mehr Flüssiggas importiert und Gaskraftwerke auf Diesel umgestellt werden. Die Regierung hat zudem angekündigt, die Kohleförderung auszubauen.

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