Keine Nachfrage nach „Made in Germany"?

Deutsche Exportwirtschaft startet schwach in die zweite Jahreshälfte

Ein Mitarbeiter steht zwischen einer Containerbrücke und einem kleinen Containerschiff an der Kaimauer auf dem Gelände des Containerterminal Altenwerder (CTA). (Symbolbild)

Ein Mitarbeiter steht zwischen einer Containerbrücke und einem kleinen Containerschiff an der Kaimauer auf dem Gelände des Containerterminal Altenwerder (CTA). (Symbolbild)

Wiesbaden. Die zweite Jahreshälfte hat für Deutschlands Exporteure mit einem Dämpfer begonnen. Von Juni auf Juli des laufenden Jahres sanken die Ausfuhren um 2,1 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Die Nachfrage nach Waren „Made in Germany“ aus wichtigen Absatzmärkten wie den USA und China ging zurück, der Handel mit Russland kam fast zum Erliegen.

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Hohe Energiepreise, Probleme in den Lieferketten und ein insgesamt schwaches weltwirtschaftliches Umfeld belasten den Ausblick. Eine Mehrheit der Branchen erwartet in den nächsten Monaten einen Rückgang der Exporte, wie die jüngste Umfrage des Münchner Ifo-Instituts unter etwa 2300 Industrieunternehmen ergab.

Suezkanal kurzzeitig durch auf Grund gelaufenes Schiff blockiert

Im März 2021 hatte die 400 Meter lange „Ever Given“ rund eine Woche lang den Weg auf der wichtigen Wirtschaftsroute versperrt.

„Der Handel ist nicht länger ein Wachstumsmotor, sondern hat sich zu einem Hemmschuh für das deutsche Wachstum entwickelt“, analysierte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland. Auch VP-Bank-Chefökonom Thomas Gitzel ist überzeugt, das negative Vorzeichen bei den Exportzahlen sei keine Eintagsfliege, sondern werde in den kommenden Monaten häufiger auftauchen: „Die Exportzahlen sind also gewissermaßen ein Vorbote einer sich merklich abschwächenden Weltwirtschaft.“

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Exportplus von 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr

Immerhin: Im Vergleich zum von der Pandemie geprägten Vorjahr fällt die Juli-Bilanz versöhnlicher aus. Zum Juli 2021 ergab sich nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ein Exportplus von 14,3 Prozent.

Insgesamt wurden nach Angaben der Wiesbadener Statistiker im Juli Waren „Made in Germany“ im Wert von 131,3 Milliarden Euro ins Ausland geliefert. Von Januar bis einschließlich Juli 2022 summierten sich die deutschen Ausfuhren auf 886,9 Milliarden Euro. Das ist trotz der wirtschaftlichen Verwerfungen in Folge des Krieges in der Ukraine ein Plus von 13,4 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

USA sind wichtigster Exportmarkt für Deutschland – doch gerade dort sinkt die Nachfrage

Im Juli nahm die Nachfrage nach Waren aus deutscher Produktion besonders stark in den USA ab, dem wichtigsten Absatzmarkt der deutschen Exportwirtschaft. Die Ausfuhren dorthin verringerten sich im Vergleich zum Vormonat um 13,7 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro.

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Der Handel mit Russland kam infolge der Sanktionen, die nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine verhängt wurden, fast zum Erliegen. Die deutschen Ausfuhren in die Russische Föderation sanken von Juni auf Juli um weitere 15,1 Prozent auf nominal 1,0 Milliarden Euro. Die deutschen Importe aus Russland verringerten sich um mehr als 17 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro - unter anderem weil weniger Erdgas aus Russland nach Deutschland strömte.

Insgesamt importierte Deutschland im Juli Waren im Wert von 125,9 Milliarden Euro. Das waren 1,5 Prozent weniger als im Juni 2022, aber 29,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Deutschland ist abhängig von Energieimporten aus dem Ausland. Die Preise für Öl und Gas sind seit Beginn des Ukraine-Krieges deutlich gestiegen.

RND/dpa

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