Comeback der Ex-SPD-Chefin

Andrea Nahles: Wenn die neue Chefin der Arbeitsagentur plötzlich leidenschaftlich wird

Andrea Nahles bei ihrem Debüt als Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit.

Andrea Nahles bei ihrem Debüt als Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit.

Berlin. Die Rückkehr auf die große Bühne verläuft ohne großes Tamtam. Würde man es nicht besser wissen, könnte man leicht übersehen, dass am Mittwoch in Nürnberg eine ehemalige Arbeitsministerin und SPD-Chefin vor die Mikrofone tritt. Jedenfalls zu Beginn.

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Ein kurzes „Guten Morgen“, und dann rattert Andrea Nahles auch schon die aktuellen Jobmarktzahlen herunter. Kein lockerer Spruch, kein Lachen, nicht einmal ein Lächeln gönnt sich die für ihre Fröhlichkeit bekannte Frau aus der Vulkaneifel. Sachlich, nüchtern und fast ein bisschen langweilig wirkt die neue Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit bei ihrer ersten Präsentation der Arbeitsmarktstatistik – und damit exakt so, wie man es von ihren Vorgängern in Nürnberg gewöhnt ist.

Der Arbeitsmarkt zeigt sich robust

Das Zahlenwerk, das Nahles am Ende ihres ersten Monats im Amt zu verkünden hat, ist so schlecht nicht. Der Arbeitsmarkt zeigt sich erstaunlich robust. Um 77.000 auf 2,547 Millionen ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im August gegenüber dem Vormonat gestiegen. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,2 Punkte auf 5,6 Prozent zu. Urlaubsbedingte Anstiege der Arbeitslosigkeit im August sind üblich, in diesem Jahr allerdings war der Effekt etwas stärker als gewöhnlich.

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Doch Nahles hat eine gute Erklärung dafür parat. Es sind nicht in erster Linie Jobverluste, die den Anstieg verursacht haben, es sind vor allem die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, die zunehmend in den Jobcentern registriert werden.

Höhere Arbeitslosigkeit im August: Nahles sieht „robusten Arbeitsmarkt“

Für die frühere Bundesarbeitsministerin war es die erste monatliche Arbeitsmarktbilanz, die sie nach ihrem Amtsantritt als BA-Chefin vorstellt.

„Gute Nachrichten, Leute, es liegt an den Ukrainern“, hätte die SPD-Chefin Nahles gesagt. Die Präsidentin der Bundesagentur sagt, „der außerordentliche Anstieg hängt im Wesentlichen mit der Fluchtmigration infolge des Ukraine-Krieges zusammen.“ Es wirkt in diesem Moment so, als sei von der Politikerin Andrea Nahles nichts mehr übrig. Als hätte sie den Wandel zur Behördenchefin längst vollzogen.

Nahles ist ein Kommunikationsprofi, vielleicht wollte sie diese Botschaft so setzen. Vielleicht wirkt die Zeit bei der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation nach, wo sie nach ihrem Rückzug aus der Spitzenpolitik und einer Abklingphase als Präsidentin anheuerte und damit selbst nach Meinung von Kritikern deutlich unter ihren Möglichkeiten blieb. Vielleicht hat sie sich die Überraschung auch nur für den zweiten Teil aufbewahrt.

In dem geht es um ein Thema, das ihr am Herzen liegt, die Berufsausbildung von jungen Männern und Frauen. Und plötzlich wirkt die 52-Jährige wie ausgewechselt.

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Ein Appell für mehr Berufsausbildung

Nahles nutzt ihren Debütauftritt, um eine Lanze für die berufliche Ausbildung zu brechen. Das System der dualen Berufsausbildung sei ein „Herzstück“ der deutschen Wirtschaft. Weltweit werde Deutschland darum beneidet. Es schmerze sie deshalb, dass die Ausbildungszahlen seit Jahren rückläufig sind.

Dabei seien die Karriere und Verdienstmöglichkeiten gerade im Handwerk exzellent, beteuert Nahles. „Es gibt tatsächlich gute Perspektiven, dass man heutzutage mit einem eingeschlagenen Weg als Handwerker sogar mehr verdient, als wenn man einen Bachelorstudiengang macht“, sagt sie.

Noch gebe es viele freie Plätze. Jugendliche wie Arbeitgeber sollten den Sommer und Herbst nutzen. „Den Jugendlichen empfehle ich, sich auch für Ausbildungsberufe zu öffnen, die nicht ihr absoluter Traumberuf sind, und darüber nachzudenken, ob eine Ausbildung auch in anderen, vielleicht benachbarten Regionen infrage kommt“, sagt Nahles. Und appelliert gleich mehrfach: Leute, lasst euch ausbilden.

Da blitzt sie auf einmal durch, die Politikerin und leidenschaftliche Arbeitsmarktexpertin, die etwas erreichen möchte. Für die Wirtschaft, die Gesellschaft, die Menschen. Und plötzlich ist die Pressekonferenz gar nicht mehr so dröge.

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Man kann sich nun vorstellen, dass mit Nahles nicht nur frischer Wind, sondern auch ein neuer Ton in Nürnberg einzieht. Schaden würde es sicher nicht. Sie kommen ja jetzt jeden Monat, sagt die neue Chefin noch. Auf ihre nächsten Auftritte darf man gespannt sein.

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