Drohende Gasknappheit

Abwärme von Rechenzentren: Ungenutztes Potenzial, um Wohnungen zu heizen?

Rechenzentrum von T-Systems. Der Digitalverband Bitkom will das „Potenzial“ der Rechenzentren stärker für Heizen und Warmwasser nutzen.

Rechenzentrum von T-Systems. Der Digitalverband Bitkom will das „Potenzial“ der Rechenzentren stärker für Heizen und Warmwasser nutzen.

Mit Rechenzentren private Wohnungen heizen? Geht es nach dem Digitalverband Bitkom, sollte diese Option stärker in den Fokus rücken. „Angesichts der aktuellen Sorge vor einer drohenden Gasknappheit sollte die Abwärme von Rechenzentren in Deutschland viel stärker als bislang für Heizung und Warmwasser genutzt werden“, fordert der in Berlin ansässige Verband.

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Rechenzentren haben einen hohen Energiebedarf. Laut einer Bitkom-Studie lag der Energiebedarf deutscher Rechenzentren und kleinerer IT‑Installationen im Jahr 2020 bei 16 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr – oder 0,6 Prozent des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland.

Bitkom sieht Potenzial bei Abwärme

Die Hitze der Computer erzeugt Wärme, die sogenannte Abwärme. Bitkom sieht genau darin großes Potenzial: „Die Abwärme der Rechenzentren kann für die Fernwärmeversorgung von kommunalen Einrichtungen wie Schwimmbädern, für Privatwohnungen und auch Gewerbegebäude eingesetzt werden“, so Bitkom-Präsident Achim Berg. Laut des Verbands könne die direkte Anbindung von Rechenzentren an öffentliche und private Fernwärmenetze nicht nur einen Beitrag zur Grundversorgung leisten, sondern auch die Energiebilanz der Rechenzentren verbessern. Denn aktuell entweiche die Wärme meist ungenutzt.

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Nach Bitkom-Berechnungen könnten auf diese Art jährlich rund 350.000 Wohnungen versorgt werden. Das entspreche etwa dem Wohnungsbestand von Bremen. Allerdings liege das Potenzial „weitgehend brach“, da entsprechende Wärmenetze fehlen oder nicht nutzbar seien. Denn: Die Abwärme der Rechenzentren reicht in aller Regel nicht aus, um sie direkt nutzen zu können.

Rechenzentren bekommen Stromkulisse von Betreibern

Ein Problem, das auch Béla Waldhauser sieht. Er ist Geschäftsführer der Telehouse Deutschland, die in Frankfurt am Main eines der größten deutschen Rechenzentren betreibt. Telehouse – eine Tochter des japanischen KDDI-Konzerns – bietet sogenannte „Colocations“ an. Wie Waldhauser erklärt, funktionieren die meisten Rechenzentren nach diesem Prinzip, das auch „Serverhousing“ genannt wird: Betreiber wie Telehouse stellen Kunden und Kundinnen ein Gebäude inklusive Stromkulisse und Kühlung zur Verfügung, die Kunden und Kundinnen aber sorgen selbst für alles rund um die IT.

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Und somit auch für die Server. „Aktuell haben wir die Situation, dass in den meisten Rechenzentren luftgekühlte Server eingebaut werden“, sagt er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Deren Abwärme habe etwa 30 bis 35 Grad, durch Fernwärmenetze würde allerdings oftmals Wasser oder Dampf mit einer Temperatur von 100 Grad oder mehr fließen.

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Abwärmeprojekt in Frankfurt versorgt Wohnungen

Die Abwärme aus Rechenzentren in die Fernwärmenetze einzuspeisen, hält Waldhauser deshalb unter den aktuellen Bedingungen nicht für sinnvoll. „Es lohnt sich weder ökonomisch noch ökologisch“, sagt er. Denn die Abwärme müsste mithilfe von Großwärmepumpen erst auf die höheren Temperaturen hochgefahren werden.

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In günstigen Konstellationen kann das aber funktionieren. Waldhauser selbst hat ein großes Abwärmeprojekt mit ins Leben gerufen: Das Wohnquartier Westville in Frankfurt am Main. In direkter Nähe zu einem Rechenzentrum kommt die Abwärme dort rund 3000 Menschen zugute. Durch Großwärmepumpen erreicht das Wasser 60 bis 70 Grad und speist die Fußbodenheizung und die Warmwasserversorgung. „In diesem Fall ist das aber auch auf der anderen Straßenseite“, sagt er.

Wärmepumpen: Bitkom fordert Politik zum Handeln auf

Er hofft, dass sein Projekt Nachahmer und Nachahmerinnen findet – und dass ein Umdenken stattfindet. „Meine Vision für die kommenden fünf bis zehn Jahre wäre, dass die Kunden in den Rechenzentren mehr wassergekühlte Server einsetzen“, sagt Waldhauser. So käme man auf eine Abwärme von 50 bis 70 Grad. Würden Bund, Länder und Kommunen dann noch in Fernwärmenetze der vierten Generation investieren, so Waldhauser, könnte dadurch 60 bis 70 Grad heißes Wasser fließen. „Dann haben wir ein fast perfektes Match“, sagt er. Und dann könne die Nutzung von Abwärme für Fernwärmenetze auch sinnvoll sein – ökonomisch wie ökologisch.

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Dann haben wir ein fast perfektes Match

Béla Waldhauser, Geschäftsführer Telehouse Deutschland

Auch Bitkom wünscht sich mehr Bewegung in der Politik. Und setzt dabei auf Wärmepumpen, um die Temperatur hochzufahren. „Um diesen Markt anzuschieben, fordert Bitkom, den netzdienlichen Einsatz von Wärmepumpen in Kombination mit anderen Wärmeerzeugern von den Netzentgelten zu befreien“, heißt es.

Aus dem Wirtschaftsministerium heißt es dazu auf RND-Anfrage lediglich, dass „im Rahmen der Gespräche zur Energieeffizienz auch die Umsetzung von Effizienzanforderungen für Rechenzentren im Gespräch“ sei. Mehr Details könne man noch nicht sagen.

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