Gerätturnen

Er hält höchstes Niveau: Glenn Trebing erlebt das erfolgreichste Jahr seiner Karriere

Kraftakt: Glenn Trebing macht bei der EM in München eine gute Figur – und nicht nur dort.

Kraftakt: Glenn Trebing macht bei der EM in München eine gute Figur – und nicht nur dort.

Hannover. So schön Glenn Trebing auch jubeln kann, in Interviews schraubt er die Emotionen stets herunter. Der 22-Jährige ist kein Lautsprecher. Dabei ist es für ihn ein Jahr gewesen, in dem er viele Ausrufezeichen gesetzt hat. Es war das erfolgreichste seiner Turnkarriere. Zwei Medaillen holt er bei den Finals in Berlin, der deutschen Meisterschaft. Er fährt zur EM und verletzt sich, turnt aber weiter und kämpft sich anschließend sogar noch zur WM. „Ich bin ganz zufrieden. Allerdings konnte ich bei den ganz großen Wettkämpfen leider nicht meine beste Leistung zeigen“, sagt der Spitzenathlet des TK Hannover. Das ist ein typischer Satz für den bescheidenen Südstädter.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

So sehr der frühere Kasseler auf dem Teppich bleibt, an den sechs Geräten hebt er förmlich ab. Dabei ist er ein Spätstarter, begann erst mit dem Turnen, als er fast elf Jahre alt war. Dann allerdings verfiel er wie sein Zwillingsbruder Lewis diesem Sport. Der allerdings ist inzwischen in die Artistik gewechselt, begeistert aktuell mit dem Feuerwerk der Turnkunst in den großen Hallen der Republik. „Ich bin sehr stolz auf Glenn, er hat es definitiv verdient, dort zu stehen“, sagt Lewis. Er werde oft gefragt, ob er es bedauere, mit dem Turnen auf allerhöchstem Niveau aufgehört zu haben. „Das tue ich nicht. Glenn war immer der Bessere und Talentierte von uns beiden.“

Der Aufschwung von Glenn Trebing setzt sich fort

Dieses Talent stellt Glenn Trebing schon im Januar mit Platz vier am Barren bei seinem ersten Weltcup in Cottbus unter Beweis. Dann kommt Stuttgart mit Silber am Barren und im Team-Mixed sowie Bronze mit der Mannschaft. Der große Pizzafan schneidet sogar im Mehrkampf am besten ab – eine Medaille gibt es dafür zwar nicht. „Aber intern viel Lob“, so Trebing.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Glenn Trebing

Gerätturnen, Mehrkampf-DM-Bronze sowie EM- und WM-Teilnehmer vom TK Hannover

Und sein Aufschwung setzt sich fort, bei den Finals in Berlin holt er Mehrkampfbronze und Barrensilber. Wieder wird er in den höchsten Tönen gelobt, unter anderem von TKH-Kollege Andreas Toba, der mit vielen Verletzungen ein kniffliges Jahr hat.

Haarrisse nach der Landung, aber die Bänder halten

Bei der EM-Qualifikation trumpft Trebing erneut auf und festigt seine Position im DTB-Kader mit Platz zwei und drei. Bei den Titelkämpfen München verletzt er sich indes am Boden, gleich auf der ersten Bahn: Bei der Landung nach Strecksalto mit Doppelschraube „hat es mir das rechte Knie weggehauen“. Dabei trifft Knochen auf Knochen, es gibt Haarrisse – aber die Bänder halten.

Und Trebing hält ebenfalls durch, bringt nicht nur die Übung zu Ende, sondern schwingt sich später sogar noch aufs Pauschenpferd. Und erinnert so stark an Toba, den „Hero de Janeiro“, der 2016 mit Kreuzbandriss dem Team noch geholfen hatte. Mit Platz sieben platzt indes der Traum vom Teamgold. Und für Trebing ist die WM in Liverpool plötzlich weit weg.

Lesen Sie auch

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Doch aller Schmerzen und Widrigkeiten zum Trotz schafft der Sportsoldat es erneut. „Kampfgeist“, sagt er dazu nur. In England patzt er ausgerechnet am Barren, seinem Spezialgerät. Weil zudem die Kollegen nicht ihren besten Tag haben, wird es nichts mit dem Team­finale, ein Zehntel fehlt dazu. Das ändert nichts am exzellenten Jahr für Trebing, der sich in der Bundesliga mit dem TV Wetzgau noch Bronze sichert.

Inzwischen ist er wieder im Trainingsalltag, aktuell läuft ein Lehrgang in Kienbaum. Zeit für andere Sachen bleibt kaum. „Turnen ist der Hauptbestandteil meines Lebens“, bekräftigt Trebing, der gerne Handball schaut. Freundin Mia Lakenmacher spielt in der Bundesliga für den Buxtehuder SV, mit den Recken Martin Hanne und Koray Ayar ist er zur Schule gegangen. „Aber wenn Training ist, muss alles andere warten“, sagt Trebing. Und das könnte lange so bleiben, Glenn Trebing hat viel vor. Die Olympischen Spiele in Paris, dann in Los Angeles, „und am liebsten noch 2032 in Brisbane, wenn der Körper mitmacht“.

Mehr aus Sport regional

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen