Handball-Bundesliga

Die erste Führung 18 Sekunden vor Schluss reicht: Recken-Wahnsinn gegen Erlangen

Jonathan Edvardsson kommt zum Abschluss.

Jonathan Edvardsson kommt zum Abschluss.

Hannover. Recken-Cheftrainer Christian Prokop wischt sich nach Abpfiff den Schweiß von der Stirn, er umarmt ein weiteres Mal seinen „Co“ Heidmar Felixson. „Wahnsinn“, sagt Prokop mehrfach und applaudiert im Wechsel seinem Team und den Zuschauern, die in den finalen Minuten stehen. Es ist in der Tat eine irre Partie gewesen gegen den HC Erlangen vor 2988 Zuschauern. Sekunden vor Schluss entscheidet die TSV Hannover-Burgdorf die Partie für sich, siegt mit 28:27 und klettert auf Tabellenplatz zwölf.

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Die Recken spielen ohne die verletzten Bastian Roscheck (Schulter) und Torwart Urban Lesjak (Wade), bei den Gästen ist Ex-Recke Martin Ziemer nicht dabei. Nach nicht einmal einer Minute liegen die Recken mit 0:2 hinten. Prokop lässt zunächst mit einer 3:2:1-Variante verteidigen. Mit etwas Glück schaffen es die Erlanger aber meist an den Kreis und sind erfolgreich. Bis zur 11. Minute bleibt der HC mit zwei Toren vorn, es heißt 7:5. Dann gibt es den ersten Aufreger: Filip Kuzmanovski wird mit Ball auf die Erlanger Bank geschubst, den Gegenstoß hat er vorher selbst stark eingeleitet. Und bekommt eine Zwei-Minuten-Strafe, auf die die gesamte ZAG-Arena pfeift. Zwar gibt es Sekunden später auch eine Zeitstrafe gegen die Gäste, diese treffen aber doppelt und stellen auf 9:5 (14. Minute).

Den Recken fehlen zunächst die Ideen

Die TSV hat offensiv nicht viele Ideen, im Gegensatz zum Gegner kommen die Pässe an den Kreis nicht an. Den ersten Siebenmeter der Partie vergibt Johan Hansen, kurz darauf macht es Veit Mävers zwar besser, aber Erlangen spielt die Abwehr immer wieder auseinander und erhöht auf 11:6 (21.). Das geht oft zu leicht, ein Pass auf die Außen reicht.

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Dann trifft Nejc Cehte zum 9:13 und zieht eine Strafe, die der TSV fast mit einem Kempa-Trick veredelt. Aber den Pass des eingesprungenen Jannes Krone erreicht Kapitän Fabian Böhm nicht, dass wiederum passt zur ersten Hälfte der Recken. Aber nun wird es wild: Das erste gelungene Anspiel an den Kreis kann Evgeni Pevnov nicht nutzen, er wirft übers Tor. Dann vergibt Krone im Gegenstoß, ehe immerhin Cehte das 10:13 und damit den Pausenstand markiert. Die letzte Chance hat Böhm, er nimmt den finalen Wurf und scheitert am Innenpfosten. Da stemmt der Kapitän die Hände in die Hüften und stöhnt: „Oh, Mann!“

Martinovic hält sein Team im Rennen

Nach dem Wechsel bleiben die Recken dank zweier schöner Aktionen von Ivan Martinovic dran, aber die Pässe an den Kreis vermag die TSV nicht zu unterbinden. Die schnellen Antworten Erlangens zermürben die Recken, die geben aber nicht klein bei. Mit seinem zweiten Treffer markiert Geburtstagskind Hannes Feise, er wird 26 Jahre alt, das 16:18 (42.). Und beim 18:19 durch Jonathan Edvardsson in der 42. Minute steht die Halle, es ist der erste Anschluss seit dem 5:6.

Beim Stand von 19:20 greifen die Recken auf den Ausgleich an, da ertönt das Signal zur Auszeit – Prokop hat aber keine genommen, sondern die Gästecoaches Raúl Alonso wurde zu spät angezeigt. Das gibt zwei Minuten gegen Erlangen, Kuzmanovski hat freie Bahn und gleicht aus (47.). Spätestens jetzt ist es ein Pfingstkrimi, in dem Schlussmann Domenico Ebner mehrfach stark zur Stelle ist. So können Ilija Brozovic, Edvardsson, Martinovic und Mävers per Siebenmeter stets ausgleichen. Vier Minuten bleiben, diesmal egalisiert Kuzmanovski – aber Feise muss dann zwei Minuten raus.

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In der 59. Minute liegen die Recken mit 26:27 hinten, Prokop nimmt die letzte Auszeit. Nach einem Foul muss nun Erlangens Johannes Sellin raus, Martinovic gleicht mit einem spektakulären Heber aus. Und es wird noch spektakulärer: Kuzmanovski wirft sich auf einen schwachen Pass und erobert den Ball. Das Tor ist leer und der Nordmazedonier trifft zur allerersten Recken-Führung, 18 Sekunden vor Schluss. Der letzte Freiwurf der Erlanger landet über dem Tor, dann tanzen die Spieler bei Ebner im Kreis. Endlich haben sie wieder eine Partie in der Crunchtime gewonnen.

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„Ich gratuliere den Recken zu einem tollen Kampf. Wir waren nicht abgeklärt genug, als wir deutlich dominiert haben“, sagte Erlangens Trainer Alonso. Sein Kollege freute sich sehr „über einen glücklich Erfolg. Solche Siege schmecken gut.“

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