Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Judo-Ass

Dafür steht er jeden Morgen auf: Igor Wandtke erfüllt sich persönlichen Olympia-Traum

Sein großer Moment: Hannovers Judo-Ass Igor Wandtke nach seinem Sieg in Tokio gegen Olympiasieger Ono.

Sein großer Moment: Hannovers Judo-Ass Igor Wandtke nach seinem Sieg in Tokio gegen Olympiasieger Ono.

Hannover. Olympia? Ein Traum! Es hätte auch zum Albtraum für Igor Wandtke werden können. Aber der Reihe nach: Im Februar die Schockdiagnose für Hannovers Judo-Ass: Ellenbogen gebrochen, Innenband und Kapsel waren auch kaputt. Operation. Danach, erzählt Wandtke, hieß es: „Ich darf nach neun Monaten wieder Kontaktsport machen.“ Aber schon ein knappes halbes Jahr später holte er Team-Bronze in Tokio.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Natürlich war es ein „sehr, sehr enger Zeitplan“, so Wandtke, „die Bedingungen für Olympia eigentlich eine Katastrophe“. Er quälte sich wie noch nie. „Ich hatte effektiv zwei Monate Training unter Volllast für Olympia, das ist natürlich zu wenig.“ Bei den Spielen war seine wichtigste Technik, der Schulterwurf, dann „noch nicht funktionsfähig: Aber ich bin sehr flexibel.“

Lesen Sie auch

Der Einzelwettbewerb verlief für ihn aber erst mal enttäuschend – das Aus ihm ersten Kampf. „Fünf Jahre harte Arbeit werden an einem Tag gemessen, an einem Ergebnis. Der Tag spiegelte nicht das wider, was ich über fünf Jahre geleistet habe.“ Wandtke lag am Boden, stand aber wieder auf. Im Viertelfinale bezwang er in seinem Kampf Japans Olympiasieger Ono, der seit sieben Jahren ungeschlagen war: „Das war mein persönliches Highlight. Da habe ich gesehen, dass ich es kann.“ Und dann die große Geste. Im Kampf um Bronze gegen die Niederlande verzichtete er zugunsten seines Freundes Sebastian Seidl – und der machte die Medaille für das Mixed-Team klar. Wandtke und Seidl kennen sich seit ihrer frühesten Jugend: „Ich habe in den letzten zehn Jahren gefühlt mehr Zeit mit ihm verbracht als mit meiner Freundin.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Igor Wandtke wirbt um Ihre Stimme!

2021 war das bisher erfolgreichste von Wandtke. Der 31-Jährige vom Judo-Team Hannover gewann neben Bronze in Tokio im Januar in Doha auch beim Masters die Bronzemedaille „Das war ein erstes Ausrufezeichen, dass ich auch für Olympia ein Medaillenkandidat bin.“ Und der Kandidat lieferte am Ende: „Dafür stehe ich jeden Morgen auf. WM, EM und Olympia – jetzt habe ich überall Medaillen im Team.“ Sein großes Ziel: Er will 2024 bei den Olympischen Spielen in Paris eine Einzelmedaille holen. „Es wird natürlich nicht leichter, meine Knochen werden nicht besser.“

Hier geht’s direkt zur Abstimmung!

In drei Jahre hofft er auch auf ein echtes Olympia-Erlebnis. In diesem Jahr bestimmte Corona den Ablauf der Spiele. „Olympia in Tokio hätte sehr besonders sein können – gerade für Judo.“ Wandtke war’s aber egal: „Hauptsache, dieser Wettkampf hat stattgefunden. Ein Ausfall wäre das Schlimmste für uns Sportler gewesen, was hätte passieren können.“

Mit vier Jahren beim Judo „hineingepurzelt“

Wandtke ist „auf der Judomatte aufgewachsen“. Seine Eltern betreiben seit 1988 in Lübeck einen Judoverein. „Ich habe lange zugeschaut. Und mit vier Jahren wollte ich dann auch mal mitmachen. So bin ich da hineingepurzelt.“ Er nutze die Fähigkeiten seiner Eltern. Wandtke erzählt: „Ich habe viel Techniktraining gemacht. Wenn ich eine Doppelstunde frei hatte, bin ich mit dem Fahrrad zehn Minuten nach Hause gefahren, habe mit meinem Papa eine Stunde trainiert, geduscht – und bin wieder zur Schule gefahren.“ Auch seine Geschwister sind Judoka. „Meine drei Jahre jüngere Schwester hat auch ihren Meistergrad gemacht. Und mein kleiner Bruder versucht, in meine Fußstapfen zu treten.“ Der 18-jährige Viktor lebt jetzt auch in Hannover, studiert Informatik und trainiert am Olympiastützpunkt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Igor Wandtke engagiert sich auch abseits der Matte. Er ist Athletenvertreter und Präsidiumsmitglied im deutschen Judobund. Nach der Karriere strebt er einen Posten als Sportfunktionär an. Vielleicht ist seine Expertise ja beim Landesportbund (LSB) gefragt.

Für seinen Sport macht er gerne Werbung. „Selbst wenn man nicht Judoka werden möchte: Es bereitet den Geist und den Körper vor, auch in anderen Sportarten erfolgreich zu sein, weil man einfach ein ganz anderes Körpergefühl lernt.“ Judo helfe zum Beispiel bei jeder Ballsportart. „Mein kleiner Bruder hat früher Fußball gespielt, er ging den anderen zwar nur bis zur Brust, die konnten ihn aber trotzdem nicht einfach umrempeln.“

Wandtke ist 1,75 Meter groß und wiegt 77 Kilo. Auch ihn haut so schnell nichts um.

Von Jonas Freier

Mehr aus Sport regional

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.