Ökotourismus statt Massen: Wie Island nachhaltiger werden will

Ein Tourist macht ein Foto von einem Wasserfall in Island. Das Land baut die touristische Infrastruktur aus, um den Overtourism in den Griff zu bekommen (Symbolbild).

Ein Tourist macht ein Foto von einem Wasserfall in Island. Das Land baut die touristische Infrastruktur aus, um den Overtourism in den Griff zu bekommen (Symbolbild).

Reyakjvik. Während viele Destinationen das Budget für touristische Infrastruktur in Corona-Zeiten kürzen, setzt Island voll auf den Ausbau. Der Plan: Die Touristen sollen länger bleiben, langsamer reisen und mehr Gebiete besuchen, die nicht das Ziel aller Touristen sind. So will das Land das Problem des Overtourism in den Griff bekommen. Einheimische hoffen, dass der Tourismus dadurch nachhaltiger wird und Natur und Umwelt auf Dauer weniger Schaden nehmen.

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2,1 Milliarden isländische Kronen, fast 14 Millionen Euro, ließ sich die Regierung die Maßnahmen kosten, berichtet das Magazin „Condé Nast Traveler“. Dafür sollen Alternative Routen zu viel befahrenen Straßen wie dem Golden Circle oder der Ringstraße entstehen, aber auch der Ausbau von bisher vorhandener Infrastruktur etwa an Instagram-Hotspots schreitet dadurch voran.

Anzahl der Touristen auf Island binnen acht Jahren verfünffacht

Island reagiert damit auf Probleme, die durch den Massentourismus entstanden sind. In den Jahren 2010 bis 2019 war der Hype rund um Island riesig, binnen acht Jahren hat sich die Zahl der Besucher auf der Insel verfünffacht. „Das Wachstum, das wir bis 2019 gesehen haben, war viel zu schnell und wir waren kurz davor, ernsthafte Probleme durch nichtnachhaltige Entwicklung zu bekommen“, sagt Tryggvi Felixson, Chef des Umweltverbandes Landvernd, gegenüber „Condé Nast Traveler“. Da Island, vor allem gemessen an der Einwohnerzahl, ein großes Land sei, gebe es aber Möglichkeiten.

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Durch die Erschließung von neuen Gebieten, die Touristen locken sollen, soll sich ein neues, noch weitgehend unbekanntes Island zeigen. Orte, von denen es noch keine Million Bilder auf Instagram gibt, die niedergetrampelt oder auf denen die Parkplätze chronisch verstopft sind. Islands Antwort auf mehr Tourismus ist also: Mehr Angebote schaffen.

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Island ordnet Tourismus neu: Hotspots entlasten, Alternativen erschließen

Denn der so schnell ansteigende Tourismus auf Island betrifft vor allem gewisse Hotspots, die sich die Touristen alle anschauen wollen: die Blaue Lagune, der Golden Circle mit dem Wasserfall Gullfoss, dem Geysir- und Geothermalgebiet Haukadalur sowie dem Nationalpark Pingvellir, die Halbinsel Snæfellsnes mit ihren Fjorden sowie generell die Ringstraße, die einmal um Island herumführt – zu Gletschern, Vulkanen und Wasserfällen. Dabei ist Island mehr als 100.000 Quadratkilometer groß – es gibt also mehr als genug Platz für die rund 365.000 Einwohner sowie beispielsweise die zwei Millionen Touristen, die 2019 ins Land kamen.

Für einige viel befahrenen Strecken hat sich die Regierung daher Alternativen überlegt. Anstatt ganz Island auf der Ringstraße zu umrunden, können Urlauber nun auf einer neuen 950 Kilometer langen Strecke, Vestfjarðaleiðin (Westfjords Way) genannt, die Westfjorde erkunden. Die Halbinsel am Nordwestende Islands ist rund 9400 Quadratkilometer groß und bietet spektakuläre Sehenswürdigkeiten und Ausblicke auf die Natur.

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Westfjords Way statt Ringstraße, Diamond Circle statt Golden Circle

Der Gullni hringurinn (auch als Golden Circle bekannt) ist eine beliebte Reiseroute mit Start und Ziel in Reykjavik. Eine Alternative dazu soll der rund 250 Kilometer lange Diamond Circle sein. Einige Highlights im Norden Islands werden hier kombiniert: die Wasserfälle Goðafoss und Dettifoss (immerhin der größte Wasserfall Islands), der See Mývatn, der Ásbrygi-Nationalpark, die Walbeobachtungsstadt Húsavík sowie das Geothermalgebiet Hverir mit sprudelnden Schlammbecken und dampfenden Fumarolen.

Obwohl es in Island auch jede Menge heiße Quellen gibt, in denen man baden kann, ist die Blaue Lagune zwischen Reykjavik und dem Flughafen Keflavík, der Anlaufpunkt für Touristen aus aller Welt. Eine Alternative soll die Sky Lagoon in Kópavogur, etwas südlich der Hauptstadt Reykjavik werden, die im Frühjahr eröffnen soll – und mit schlappen 25,5 Millionen Euro eine der größten touristischen Investitionen in der Geschichte Islands ist.

Instagram-Hotspots sollen bessere Infrastruktur bekommen

Dass die Touristen trotz gebotener Alternativen an den Hotspots aber nicht verschwinden, ist auch der isländischen Regierung bewusst. Deshalb werden auch durch Instagram bekannt gewordene Orte mit touristischer Infrastruktur wie Wanderwegen, Toiletten und Parkplätzen ausgestattet, beispielsweise der Canyon Stuðlagil. Skarphéðinn Berg Steinarsson, Generaldirektor des isländischen Fremdenverkehrsamtes, sagte gegenüber „Condé Nast Traveler“: „Die Besucher wollen herumgehen, wo sie wollen, und so wollen wir es auch halten. Aber wir sind manchmal unvorbereitet, was die Auswahl der Orte angeht.“

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Auch generell versucht sich Island daran, Besucher für ihren ökologischen Fußabdruck zu sensibilisieren. So hat Island im Sommer 2019 die Kampagne „Kranavatn“ gestartet: Das Leistungswasser wurde zum Premiumprodukt erklärt. Die Kampagne hatte vor allem zwei Ziele: Die Reduktion von Plastikmüll durch den verminderten Kauf von Einwegwasserflaschen im Supermarkt sowie ein Bewusstsein für sauberes und überall zugängliches Trinkwasser zu schaffen.

Auf Facebook sammelten zudem Urlauber und Einheimische Bilder von „dummen Dingen, die Touristen in Island tun“. Der mangelnde Respekt für die Natur – ob nun ausgerissenes Moos oder das Herumtrampeln auf Eisschollen – hat die Einheimischen nämlich verärgert. Und so sollen Urlauber dazu animiert werden, sich mehr mit den typischen Tourifallen zu beschäftigen.

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Klasse statt Masse: Island will Luxus-Urlauber anziehen

Während sich die bisher genannten Infrastrukturprojekte an Island-Urlauber generell richten, soll auch der Luxussektor stärker gefördert werden. Der Massentourismus wurde erst durch enorm günstige Flugtickets zwischen den USA, Island und Mitteleuropa möglich, für weniger als 100 Euro konnten Deutsche einst mit der inzwischen eingestellten Fluglinie WOW-Air nach Reykjavik fliegen. Also durchaus geeignet für einen Wochenendtrip.

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Stattdessen setzt das Land nun darauf, Touristen länger auf der Insel zu halten. Nicht nur Urlauber sollen damit angesprochen werden; Menschen, die ortsunabhängig arbeiten, können ein Visum beantragen, das einen Aufenthalt bis zu sechs Monaten erlaubt. Das Visum stand allerdings schnell in der Kritik – man muss nämlich ein Monatseinkommen von rund 6500 Euro oder ein Jahreseinkommen von 727.000 Euro vorweisen.

Wanderungen mit persönlichem Guide in unerschlossenen Gebieten

Auch andere neue Angebote richten sich eher an zahlungskräftige Kundschaft. Etwa das erst kürzlich geöffnete „Bubble Hotel“, das in 18 einzigartig gestalteten Kugeln Unterkünfte mit Blick auf die tanzenden Nordlichter am Himmel bietet. Oder das „Six Senses Össurá Valley“, das am Rande von Europas größtem Gletscher, im Vatnajökull Nationalpark, 2022 eröffnen soll – mit 70 privaten Hütten, die aus wiederverwertbaren Materialien hergestellt wurden.

Dort am Gletscher wartet bereits jetzt ein Angebot: Bei „Slow Adventures“ führen einheimische Guides durch Gebiete, die bisher noch nicht touristisch erschlossen sind. Durch langsame Wanderungen sollen Kultur, Geschichte und Natur vereint werden, berichtet reisenexclusiv.com. Das Auto mal stehen zu lassen ist auch das Ziel der Kampagne „Green Eco Steps“. Damit sollen die öffentlichen Verkehrsmittel ausgebaut und gefördert werden. Touristen, die die Reykjavik City Card gekauft haben, nutzen diese kostenlos.

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