Fraser Island wird wieder K‘gari

Australien gibt größter Sandinsel der Welt ihren indigenen Namen zurück

Fraser Island, die mit einer Länge von über 120 Kilometergrößte Sandinsel der Welt, liegt vor Queensland an der australischen Ostküste.

Fraser Island, die mit einer Länge von über 120 Kilometer größte Sandinsel der Welt, liegt vor Queensland an der australischen Ostküste.

Sanddünen, Dingos und eine Landschaft, die sich vom Heideland an der Küste hin zu Mangrovenwäldern und subtropischem Regenwald wandelt: Fraser Island gehört zu den wichtigsten Wahrzeichen Australiens. 300 Kilometer nördlich von Brisbane im Bundesstaat Queensland gelegen, ist das Eiland mit 185.000 Hektar Sandfläche und 124 Kilometern an Sandstrand die größte Sandinsel der Welt und Unesco-Weltnaturerbe.

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Diese wichtige australische Sehenswürdigkeit soll nun ihren Namen wechseln – von Fraser Island auf K‘gari, ausgesprochen als „Gurri“. Das Wort, das sich von einer traditionellen Schöpfungsgeschichte ableitet, stammt aus der lokalen indigenen Sprache und bedeutet „Paradies“. Ganz neu ist der Name eigentlich nicht – in Wirklichkeit hieß die Insel schon immer K‘gari. Doch die britischen Kolonialherren benannten die Insel in Fraser Island um.

Fast wie ein Ausstellungsstück liegt es am Strand von Fraser Island: das Schiffswrack der Maheno.

Fast wie ein Ausstellungsstück liegt es am Strand von Fraser Island: das Schiffswrack der Maheno.

Vergangenes Unrecht wiedergutmachen

Letzterer Name stammt von einer berühmten Schiffbrüchigen, die sich im 19. Jahrhundert einst auf die Insel rettete: Die Schottin Eliza Fraser und ihr Mann, der Schiffskapitän Fraser, strandeten beide auf der Insel, nachdem ihr Schiff 1836 unterging. Kapitän Fraser starb oder wurde getötet und seine Frau von den lokalen Aborigines gefangen genommen und angeblich ihrer Kleidung beraubt. Ihre vermutlich falschen Erzählungen nach ihrer Rettung führten letztendlich zu einem Massaker an der lokalen Bevölkerung der Insel.

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Nun soll dieses Unrecht zumindest ein wenig wiedergutgemacht werden und die Insel wieder offiziell ihren ursprünglichen Namen tragen. Die Konsultationsfrist für die Namensänderung endet am Donnerstag, die Umbenennung selbst sollte bis Ende des Jahres offiziell vollzogen sein. „Ich denke, es ist ein wichtiger Moment in der Geschichte“, sagte die Umweltministerin von Queensland, Meaghan Scanlon, dem australischen Sender ABC.

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„Ein respektvollerer Name“

Laut der Ministerin würden auf diese Weise auch „einige Fehler der Vergangenheit anerkannt“ werden. Indem der Name Fraser Island fallen gelassen werde und die Insel nur noch K‘gari heiße, trage sie „einen respektvolleren Namen“. Chantel Van Wamelen, Geschäftsführerin der lokalen Butchulla Aboriginal Corporation, sagte, bei der Umbenennung in den ursprünglichen Namen gehe es auch um die Wahrheitsfindung.

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„Wir wollen nicht, dass die Insel nach Eliza Fraser benannt wird, die keine Freundin der Butchulla war“, meinte sie. „Die falschen Geschichten, die sie über uns verbreitete, führten zur Disposition unseres Volkes.“ Auch wenn der Name „nicht sofort haften“ bleibe, so habe sie die Hoffnung, dass er für künftige Generationen zur Norm werde.

Zeichen der Versöhnung

Auch das bekannteste Wahrzeichen Australiens, der Uluru/Ayers Rock, trägt inzwischen wieder seinen ursprünglichen Namen. Der Felsen im Zentrum Australiens hieß schon lange, bevor Europäer auf den fünften Kontinent kamen, Uluru – ein Wort aus der Sprache des lokalen Volkes Pitjantjatjara, für das es keine Übersetzung gibt. Als der britische Entdecker William Gosse als erster Nichtaborigine den Uluru 1873 sah, gab er ihm jedoch den Namen Ayers Rock – benannt nach Sir Henry Ayers, dem einstigen Premierminister des Bundesstaates South Australia.

Bis 1993 wurde der Name Ayers Rock deutlich häufiger verwendet, doch seitdem der Felsen offiziell in Ayers Rock/Uluru und später in Uluru/Ayers Rock umbenannt wurde, setzt sich Uluru immer mehr durch.

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Erst vor wenigen Tagen wurde auch ein Nationalpark im Bundesstaat New South Wales umbenannt. Der frühere Ben-Boyd-Nationalpark heißt nun auf Wunsch der lokalen Aboriginal Bevölkerung Beowa-Nationalpark. In diesem Fall ging es auch darum, den Namen eines berüchtigten Sklavenhändlers zu entfernen.

Die Namensänderungen, die auch ein Zeichen der Versöhnung mit der indigenen Bevölkerung setzen, kommen in einer Zeit, die eine historische Kehrtwende für die Beziehung zwischen den indigenen Bewohnern Australiens und dem Rest der Bevölkerung markieren könnte. So will der neue australische Premierminister Anthony Albanese, der seit den Parlamentswahlen im Mai mit seiner Labor Party die Regierung bildet, den australischen Urvölkern per Referendum eine „indigene Stimme“ im Parlament geben. Letztere soll den „First Nations“ ein Mitspracherecht bei Themen geben, die sie betreffen.

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