Nachfolgerin von Boris Johnson

Start bei der Queen: Liz Truss ist neue Premierministerin Großbritanniens

Die 96-jährige Königin Elizabeth ernennt Liz Truss zur Premierministerin.

Die 96-jährige Königin Elizabeth ernennt Liz Truss zur Premierministerin.

London. Ein Foto belegt den Moment, der Großbritanniens politische Zukunft bestimmt. Darauf zu sehen sind Liz Truss und Königin Elizabeth II. Mit einem Handschlag der freundlich lächelnden Monarchin wurde die 47-Jährige gestern offiziell zur Premierministerin ernannt. Sie ist der 15. Premierminister, den die 96-Jährige auf diese Weise ins Amt hob. Doch anders als sonst geschah dies nicht im Buckingham-Palast, sondern auf Schloss Balmoral, einem königlichen Anwesen 800 Kilometer von London entfernt. Das Protokoll wurde geändert, da die Monarchin aufgrund „episodischer Mobilitätsprobleme“, wie es vonseiten des Palastes hieß, nicht von Schottland nach London reisen kann.

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Deshalb mussten sowohl Johnson als auch Truss gestern nach Aberdeen in Schottland fliegen, um daraufhin wieder in die Hauptstadt zu jetten. Eine Maßnahme, die erneut Sorgen zum Gesundheitszustand der Queen schürte und überdies den Zeitplan durcheinanderbrachte.

US-Präsident Biden telefoniert mit Truss

Einer der zahlreichen Gratulanten war US-Präsident Joe Biden. „Ich freue mich darauf, die besondere Beziehung unserer Länder zu vertiefen und bei globalen Herausforderungen eng zusammenzuarbeiten“, schrieb Biden am Dienstag auf Twitter. Dazu gehöre auch die fortgesetzte Unterstützung der Ukraine.

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Biden und Truss sprachen am Dienstag am Telefon auch persönlich miteinander, wie beide Regierungen im Anschluss mitteilten. Die beiden hätten unter anderem über das besondere Verhältnis zwischen den USA und Großbritannien gesprochen, auf das sie weiter aufbauen wollten, hieß es. Auch die Zusammenarbeit in der Nato und im gemeinsamen Sicherheitsbündnis mit Australien sei zur Sprache gekommen, erklärte die britische Regierung.

Hilfspaket für Unternehmen und Haushalte

Truss’ lang erwartet Rede war deshalb gestern nicht für den Mittag, sondern erst für den Nachmittag geplant. Im Verlauf des Wahlkampfes versprach die 47-Jährige den Parteimitgliedern, die über ihren Sieg entschieden und deutlich wohlhabender sind als der Rest der Bevölkerung, Steuern zu senken. Mit Zusagen für Hilfen für durchschnittlich verdienende oder hilfsbedürftige Britinnen und Briten, wie Rentnerinnen und Rentner oder Erwerbslose, hielt sie sich jedoch extrem zurück. In der Bevölkerung sorgte dies für Panik. Viele fragen sich, wie sie angesichts von jährlichen Stromrechnungen von umgerechnet über 4000 Euro über den Winter kommen sollen. Mittlerweile ist die Rede von einem milliardenschweren Hilfspaket für Unternehmen und Haushalte und davon, dass sie gemeinsam mit ihrer neuen Regierung Gas- und Stromrechnungen einfrieren will. Wie das Ganze finanziert werden soll, ist noch nicht klar.

Während Truss ihre Ansprache später hielt, musste Boris Johnson für seine Abschiedsrede deutlich früher aufstehen als geplant. Um 7.30 Uhr betonte er im Schein der Morgensonne erneut, was die Regierung unter seiner Führung für das Land geleistet, dass er den Brexit durchgezogen und ein beispielloses Impfprogramm auf den Weg gebracht habe. Bezüglich seiner politischen Zukunft verglich er sich mit einer Rakete, die ihre Funktion erfüllt hat. „Jetzt werde ich sanft wieder in die Atmosphäre eintreten und in einer abgelegenen und obskuren Ecke des Pazifiks landen.“ Ist es wirklich das Letzte, was man von ihm als Politiker gehört hat? Viele bezweifeln dies, auch weil er nach wie vor viele Unterstützer hat. Edward Udny-Lister, einst Abgeordneter in der konservativen Partei, glaubt jedenfalls, dass Johnson bereit sei, das Kommando zu übernehmen, wenn „ihm der Ball vor die Füße rollt“.

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Liz Truss wird neue Premierministerin von Großbritannien

Die Nachfolgerin des zurückgetretenen britischen Premierministers Boris Johnson heißt Liz Truss.

„Ich mache mir große Sorgen über unsere Zukunft“

Zweifelsohne trauern viele Abgeordnete Johnson nach, trotz allem. Denn während der Rückhalt für Truss‘ Vorgänger bei seiner Wahl 2019 in der Bevölkerung hoch war, blicken die Menschen in Großbritannien skeptisch auf seine Nachfolgerin. Laut Umfragen des Meinungsforschungsinstitutes YouGov denken nur zwei Prozent der Britinnen und Briten, dass die neue Premierministerin gute Antworten darauf hat, wie man mit den explodierenden Energiepreisen umgehen soll. Carol Walker, eine Mitarbeiterin des nationalen Gesundheitssystems NHS aus Sedgefield im Norden Englands, jedenfalls zweifelt an ihren Führungsqualitäten: „Ich glaube nicht, dass sie gut für die Arbeiterklasse sein wird. Ich mache mir große Sorgen über unsere Zukunft.“

In den kommenden Tagen wird Truss ein Team aufstellen, das die gesetzten Ziele der Regierung umsetzen soll. Bemerkenswert daran ist, dass es vermutlich das erste Kabinett der Geschichte sein wird, in dem keines der wichtigen Ämter von einem Weißen übernommen wird. Finanzminister und Kanzler soll der ihr enger Vertrauter und Nochwirtschaftsminister Kwasi Kwarteng werden. Außenministers wird vermutlich der 53-jährige Bildungsminister James Cleverly.

Mit Material der dpa.

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