Fachkräftemangel in Deutschland

Verband: Rund 250.000 Handwerker fehlen bundesweit - nicht nur Energiewende in Gefahr

Aufbau einer Solarenergieanlage auf einem Einfamilienhaus (Symbolbild).

Aufbau einer Solarenergieanlage auf einem Einfamilienhaus (Symbolbild).

München. Deutschlands Handwerksbetriebe suchen eine sechsstellige Zahl von Mitarbeitern. Bei den Arbeitsagenturen sind nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) derzeit 150.000 offene Stellen gemeldet. Da nicht alle Betriebe unbesetzte Stellen an die Agenturen melden, geht der Verband von schätzungsweise rund 250.000 fehlenden Handwerkerinnen und Handwerkern aus, wie eine ZDH-Sprecherin berichtete. „Tendenz steigend“. Grundlage sind Rückmeldungen aus den Handwerkskammern.

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„Wenn wir bei der Nachwuchs- und Fachkräfteversorgung nicht schnellstmöglich gegensteuern, droht nicht nur ein Scheitern der Energiewende, sondern auch ein massiver Wirtschaftseinbruch, ein Verlust an Wertschöpfung und Wohlstand“, sagte Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstags. Die Münchner Internationalen Handwerksmesse eröffnet am kommenden Mittwoch.

„Für Zukunftsaufgaben unverzichtbar“

Der Personalmangel hemmt nicht nur das Wirtschaftswachstum, sondern gefährde die politischen Ziele der Bundesregierung, warnen Handwerksfunktionäre seit Jahren. Ein Beispiel: In Deutschland gibt es etwa 43 Millionen Wohnungen, bis 2040 sollen diese komplett klimaneutral werden. Da ein großer Teil des Gebäudebestands bislang nicht energieeffizient ist, gehen Fachleute von einem jährlichen Umbaubedarf von an die zwei Millionen Wohnungen aus.

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„Häuser energieeffizient sanieren, Ladesäulen und Solardächer installieren, Windanlagen aufbauen und warten und vieles mehr“, heißt es beim ZDH. „Das machen Handwerkerinnen und Handwerker, sie sind für all diese Zukunftsaufgaben unverzichtbar.“

Dementsprechend zählen zu den Gewerken mit dem größten Fachkräftemangel auch mehrere Bauberufe: Laut ZDH sind dies Installateure und Heizungsbauer, Kälteanlagenbauer, Rollladen- und Sonnenschutztechniker, außerdem Elektrotechniker, Elektromaschinenbauer, Augenoptiker, Hörakustiker und Metallbauer.

Mehr Neuverträge für Azubis - trotzdem viele Stellen unbesetzt

Im vergangenen Jahr schlossen die deutschen Handwerker 132.129 neue Lehrverträge ab, 2000 mehr als im ersten Corona-Jahr 2020. Doch rund 18.800 Ausbildungsstellen blieben unbesetzt. „Aktuell befinden wir uns mit Blick auf die Zahl der Neuverträge in etwa auf Vorjahresniveau, mit Blick auf die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen liegen wir klar über dem Vorjahreswert“, heißt es beim ZDH.

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Nach Daten der Handwerkskammern waren im Mai noch 33.705 Ausbildungsplätze unbesetzt. Allerdings sei der Ausbildungsmarkt im Moment noch stark in Bewegung.

Die wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion in Bayern, Annette Karl, forderte eine Erhöhung der Tarifbindung im Handwerk sowie bessere Bezahlung für Auszubildende. „Seit Langem fordert die SPD ein Tariftreue- und Vergabegesetz für gerechte und höhere Löhne. Auch sollte die Meisterausbildung mit der akademischen Ausbildung finanziell gleichgestellt werden.“

RND/jw/dpa

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