Einigung auf einheitliches Ladekabel

EU-Beschluss: Für Handys, Tablets und Co. gibt es künftig nur noch ein Ladekabel

Ein Kabel mit USB-C-Anschluss.

Brüssel/Berlin. Das nervtötende Kabelwirrwarr in Schubladen und Taschen hat bald ein Ende: In der EU soll von Mitte 2024 an ein einheitlicher Ladekabel-Standard für zahlreiche mobile Endgeräte wie Handys und Tablets gelten. Die Unterhändler des Europaparlaments, der EU-Kommission und der EU-Staaten einigten sich am Dienstag darauf, dass künftig allein die USB-C-Ladebuchse verwendet wird. Damit geht ein mehr als zehn Jahre währender Streit zu Ende.

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Das Europaparlament konnte durchsetzen, dass der neue Standard für mehr Geräte als gedacht verwendet wird. Die Liste umfasst Handys, Tablets, Laptops, Digitalkameras, Kopfhörer, Headsets, tragbare Videospielkonsolen, tragbare Lautsprecher, E-Reader, Ohrhörer, Tastaturen, Computermäuse und Navigationsgeräte.

EU einigt sich auf Standard-Ladekabel für Handys ab Mitte 2024

Kabelsalat ade: In der EU gibt es künftig eine Standard-Ladebuchse für zahlreiche Geräte.

Die EU-Staaten erwirkten im Gegenzug, dass die neuen Regeln erst in zwei Jahren gelten. Für Laptops soll das einheitliche Ladekabel sogar erst in 40 Monaten kommen. Die Vorsitzende des Binnenmarktausschusses im Europaparlament, Anna Cavazzini (Grüne), zeigte sich darüber enttäuscht. Es sei schade, „dass die Verbraucherinnen und Verbraucher erst in zwei Jahren ihre Geräte mit nur einem Kabel laden können“, sagte sie.

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Aus Sicht der deutschen Verbraucherschützer ist die Einigung eine gute Entscheidung. „Der Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßt die geplante Vereinheitlichung der Ladekabel“, sagte die Referentin für Ressourcenschutz im Verbraucherzentrale Bundesverband, Elke Salzmann, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Ein Allzweckkabel spare nicht nur Ressourcen und verringere Elektroschrott, es erleichtere Verbraucherinnen und Verbrauchern auch das Leben.

Die Stadt, in der das Auto siegte

Bielefeld wollte alles besser machen, ein Vorbild für mehr Lebensqualität sein. Also verbannte die Stadt das Auto aus dem Ortskern, stellte stattdessen Sitzgelegenheiten und Blumen auf. Rund ein Jahr später gilt der Verkehrsversuch als gescheitert. Was ist passiert?

Wenn Hersteller zudem verpflichtet würden, ihre Geräte ohne Ladekabel anzubieten, sollten die Kostenersparnisse weitergegeben werden, forderte Salzmann weiter. Nach den neuen Regeln soll es möglich sein, Geräte und Kabel separat zu kaufen. Das dürfte die Menge an gekauften, aber nicht genutzten Kabeln erheblich verringern. Die EU geht davon, dass Konsumentinnen und Konsumenten pro Jahr bis zu 250 Millionen Euro weniger für diese Produkte ausgeben werden.

Bundesumwelt- und Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke (Grüne) rechnet mit einer erheblichen Reduzierung des Elektroschrotts. Das Bundesumwelt- und Verbraucherschutzministerium habe sich „erfolgreich dafür eingesetzt, dass neben Smartphones viele weitere Produktgruppen wie Tablets, Kameras, Kopfhörer und anderes in diese Regelung einbezogen sind“, sagte Lemke dem RND. „Hierdurch kann der Elektroschrott erheblich reduziert werden.“

Lemke: „Endlich ist Schluss mit dem Kabelsalat“

Lemke sagte weiter: „Endlich ist Schluss mit dem Kabelsalat in der heimischen Schublade. Ich begrüße sehr, dass ab Mitte 2024 nur noch Standard-Ladekabel mit dem bekannten USB-C-Anschluss für Handys und andere Geräte verkauft werden dürfen.“ Verbraucherinnen und Verbraucher könnten dann auch wählen, „ob sie ein neues Gerät mit oder ohne Ladekabel kaufen möchten“.

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Die Verringerung von Abfall ist ein Ziel, das Lemke auch mit ihrem Projekt „Recht auf Reparatur“ verfolgt. Sie will dafür sorgen, dass Groß- und Kleingeräte künftig repariert und somit länger genutzt werden können. „Nachhaltigkeit by design“ nennt sich das im Koalitionsvertrag der Ampelparteien. Dahingehend macht sich die Grüne auch für eine Akkutauschpflicht stark.

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Die Bemühungen, einheitliche Ladegeräte und Ladekabel in der EU durchzusetzen, gehen auf das Jahr 2009 zurück. Der damalige EU-Industriekommissar Günter Verheugen (SPD) kündigte ein universelles Ladegerät für Handys an.

Führende Hersteller von Mobiltelefonen sagten damals zwar zu, eine gemeinsame Lösung entwickeln zu wollen. Doch die Hoffnung, dass schon im Sommer 2010 neue Geräte mit einheitlichem Anschluss auf den Markt kommen würden, verflog schnell.

2014 verlangte das EU-Parlament, einheitliche Ladegeräte für Mobiltelefone und Tablets zu entwickeln. Doch auch diese Forderung lief ins Leere, weil die EU-Kommission darauf setzte, dass sich die Hersteller untereinander einigen.

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Mittlerweile gibt es einen einheitlichen Standard für die Netzteile. Auch die Zahl der verschiedenen Anschlussbuchsen ist von mehreren Dutzend auf nur noch drei gesunken. Für Android-Smartphones werden inzwischen hauptsächlich USB-C-Anschlüsse verwendet. Micro-USB-Buchsen, früher Standard bei Android-Mobiltelefonen, kommen aus langsam der Mode. Apple setzte bis zuletzt noch auf einen eigenen Anschluss, die sogenannte Lightning-Buchse.

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