Kommentar

Großfeuer im Grunewald: Was aus dem Einsatz zu lernen ist

Löschroboter der Feuerwehr aus Vechta stehen in der Nähe der Brandstelle. Am Donnerstag war im Grunewald ein Feuer auf dem Sprengplatz der Berliner Polizei ausgebrochen. Auf dem Sprengplatz lagert Munition, die Fachleute dort normalerweise unschädlich machen.

Berlin. Die katastrophalen Waldbrände dieses Sommers haben die Hauptstadt erreicht. Seit dem frühen Donnerstagmorgen brennt der Grunewald im Südwesten Berlins, nachdem sich Feuerwerkskörper und Munition auf einem Sprengplatz entzündeten Die Feuerwehr sprach wegen der Explosionen vom gefährlichsten Einsatz seit dem Krieg. Übertrieben ist das nicht. Dieser Brand hätte Menschenleben fordern können. Die Feuerwehrleute und alle anderen, die bei den Löscharbeiten halfen – Polizei, Bundeswehr, Technisches Hilfswerk – sind unbesungene Helden.

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Was aber ist aus diesem Einsatz zu lernen? Zunächst Berlin-spezifisch: Der Sprengplatz mitten im Wald muss unverzüglich weg. Er war ein Relikt des Kalten Krieges – in der Mauerstadt gab es keine geeigneteren Flächen, um Blindgänger und Munition zu lagern und unschädlich zu machen. Nach dem Mauerfall war es eine Berlin-typische Mischung aus Schlendrian und Schludrigkeit, dass der Platz weiter betrieben wurde. Es ging ja auch lange Zeit alles gut.

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Investitionen sind lebenswichtig

Über den Sonderfall hinaus zeigt sich an diesem spektakulären Einsatz: Die Zusammenarbeit im Katastrophenfall funktioniert, über Ländergrenzen hinweg und auch mit der Bundeswehr. Schnell waren schwere Technik und sogar ein Hightechroboter vor Ort. Und dennoch zeigt der Brand im Grunewald, wie verletzlich und wie eng gestrickt das System ist: In der 3,7-Millionen-Einwohner-Stadt Berlin lag die Bereitschaft für andere Einsätze während des Großbrandes zum großen Teil in den Händen freiwilliger Feuerwehrleute.

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Der durch Explosionen auf einem Sprengplatz ausgelöste Waldbrand sei derzeit händelbar, erklärten die Einsatzkräfte.

Der Brand im Grunewald ist bei Weitem nicht der erste in diesem Jahr, der zeigt, wie schmal der Grat zu einer noch größeren Katastrophe ist. Die Waldbrände werden nicht weniger werden. Munition im Boden spielt auch anderswo eine zerstörerische Rolle und erschwert Löscharbeiten. Wer jetzt noch nicht verstanden hat, dass jede Investition in Löschtechnik und Personal lebenswichtig ist, muss diesen Sommer unter einem Stein verbracht haben.

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