Ereignisse wegen erhöhter Radioaktivität

Was geschah vor Jahren im Atommülllager Asse? Eine Kamerafahrt soll nun Erklärungen liefern

An einer Kette hängt in der Schachtanlage Asse ein Warnschild mit der Aufschrift "Radioaktiv".

Remlingen/Peine. Mit einer Kamerabefahrung soll eine Kammer des Atommülllagers Asse im Landkreis Wolfenbüttel untersucht werden. Ziel sei es, zwei meldepflichtige Ereignisse wegen erhöhter Radioaktivität in den Jahren 2016 und 2017 zu klären, sagte eine Sprecherin der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) am Mittwoch. Die entsprechende Genehmigung zur Befahrung der Einlagerungskammer liege seit wenigen Tagen vor, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung der BGE und des niedersächsischen Umweltministeriums.

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In dem maroden ehemaligen Bergwerk bei Remlingen liegen in 13 Kammern rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen. Die Bundesgesellschaft ist für den gesetzlichen Auftrag zuständig, die Asse unverzüglich stillzulegen. Allein bis zum Beginn der geplanten Rückholung im Jahr 2033 rechnet die BGE mit Gesamtkosten von 3,35 Milliarden Euro und gibt die Unsicherheit dabei mit „plus/minus 1 Milliarde Euro“ an (Stand Januar 2022).

Bei der aktuellen Untersuchung geht es der Bundesgesellschaft zufolge konkret um die Einlagerungskammer 8a/511, in der in 511 Metern Tiefe mittelradioaktive Abfälle lagern. Die Kamerabefahrung soll Informationen über den Zustand von Firste, Fasskegel und Sohle sowie zur Zusammensetzung der Atmosphäre und zur Ortsdosisleistung bringen. Außerdem sollen möglicherweise erforderliche Maßnahmen zur Schadensvorsorge abgeleitet werden.

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„Die Genehmigung kommt zur richtigen Zeit, denn die Ergebnisse der Kamerabefahrung werden uns bei unserer Rückholungsplanung für diese Einlagerungskammer unterstützen“, sagte der Technische Geschäftsführer der Bundesgesellschaft, Thomas Lautsch. Wann die Untersuchungen erfolgen sollen, blieb aber zunächst unklar.

Auf die Frage, warum die Genehmigungen erst Jahre nach den Ereignissen vorliegen, teilte das Ministerium mit: „Für die Kamerabefahrung musste zunächst die Abluftfilteranlage der betroffenen Kammer gegen eine neue, sehr viel leistungsfähigere Luftfilterung ausgetauscht werden.“ Dieses aufwendige, sorgfältig geplante, aber eben auch zeitintensive Vorgehen sei notwendig gewesen, um die Ausbreitung von radioaktiven Aerosolen im Grubengebäude auszuschließen - und so unter anderem auch die Bediener des Kamerasystems bei der Befahrung zu schützen.

Die Arbeiten rund um die Asse werden seit Jahren kritisch begleitet. Derzeit steht dabei ein in unmittelbarer Nähe geplantes Zwischenlager unter anderem als Abfallbehandlungsanlage im Fokus. Zuletzt hatte die „Braunschweiger Zeitung“ berichtet, dass sich die Bergung „voraussichtlich bis in die 2060er Jahre“ hinziehen könnte und bezog sich dabei auf den jährlichen Bericht des Bundesumweltministeriums.

RND/dpa

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