Bessere Aufklärung gefordert

Montgomery zum Impfstoff gegen Affenpocken: „Muss nur richtig verteilt werden“

Vorbereitete Spritzen mit dem Impfstoff von Bavarian Nordic (Imvanex/Jynneos) gegen Affenpocken liegen im Klinikum rechts der Isar auf einem Tisch.

Vorbereitete Spritzen mit dem Impfstoff von Bavarian Nordic (Imvanex/Jynneos) gegen Affenpocken liegen im Klinikum rechts der Isar auf einem Tisch.

Berlin. Die aktuellen Affenpockenmeldungen sind besorgniserregend: Die ersten zwei Toten in Europa wurden am Freitag und Samstag aus Spanien gemeldet, der US-Bundesstaat New York rief wegen des Ausbruchs den Notstand aus. Weltärztepräsident Montogmery und die Deutsche Krankenhausgesellschaft geben aber Entwarnung für Deutschland.

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„Keine Panik, Affenpocken sind nicht mit Corona zu vergleichen“, sagte Frank Ulrich Montgomery, Präsident des Weltärztebundes, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die Ansteckung erfolge nur durch enge körperliche Kontakte und viel seltener über das Sekret der Pusteln Erkrankter. Deswegen seien vor allem Männer, die mit Männern Geschlechtsverkehr haben, betroffen. „Aber wie bei HIV kann man sich schützen“, so Montgomery weiter.

Folglich brauche es auch keine Massenimpfungen der ganzen Bevölkerung. „Und Impfstoff für die, die es brauchen, ist genug vorhanden – er muss nur richtig verteilt werden“, sagte der Weltärztepräsident. Eine Impfung gegen Affenpocken empfiehlt die Ständige Impfkommission unter anderem für Risikogruppen und Menschen, die engen Kontakt zu Infizierten hatten.

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Impfstoff gegen Affenpocken: Lieferungen verzögern sich

Laut Bundesgesundheitsministerium hat der Bund insgesamt 240.000 Dosen des für Affenpocken passenden Impfstoffs Jynneos/Imvanex des Unternehmens Bavarian Nordic bestellt. Zusätzlich erhält Deutschland im Rahmen einer Vereinbarung mit der Europäischen Kommission weitere Dosen des Wirkstoffs, wovon 5300 bereits geliefert wurden. „Aktuelle Herausforderung ist, dass die weltweite Nachfrage nach dem Impfstoff das Angebot übersteigt und es somit zu einer temporär begrenzten Lieferunfähigkeit seitens des Herstellers kommt“, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums dem RND.

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Zusätzliche Lieferungen aus dem EU-Kontingent verzögern sich nach Angaben der Europäischen Kommission. 200.000 Impfdosen aus der nationalen Bestellung werden laut Bundesgesundheitsministerium im September erwartet. Weitere Bestellungen sind laut der Sprecherin nicht geplant.

Deutsche Aidshilfe fordert eine Million Impfdosen

Die Deutsche Aidshilfe (DAH) fordert hingegen rund eine Million Impfdosen. Das sind deutlich mehr als von der Bundesregierung bestellt. „Es darf nicht dazu kommen, dass impfmotivierten schwulen Männern die Impfung verweigert wird. Der Bund sollte so schnell wie möglich bestellen, denn kurzfristige Käufe werden in nächster Zeit kaum möglich sein“, sagte Axel Jeremias Schmidt, Epidemiologe und DAH-Referent für Medizin und Gesundheitspolitik, laut einer Mitteilung vom Freitag.

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Weltärztepräsident Montgomery warnt außerdem vor Diskriminierung Betroffener: „Für Stigmatisierung der Erkrankten gibt es überhaupt keinen Grund.“ Vielmehr seien gute und verständliche Aufklärungskampagnen wichtig. Diese sollten sich an gefährdete Personengruppen sowie die allgemeine Bevölkerung richten.

Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt vor Stigmatisierung Erkrankter

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) betont die Wichtigkeit von Aufklärung, Prävention und einem frühen Zugang zu Diagnose- und Therapiemöglichkeiten. „Infektionen müssen schnell erkannt werden, und wir müssen die Impfangebote für die Risikogruppen dringend ausweiten“, sagte Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, dem RND. Die Stigmatisierung von Erkrankten müsse vermieden werden, weil nur dann eine effektive Eindämmung möglich sei.

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Das Ziel muss laut Neumeyer sein, die weitere Ausbreitung zu stoppen, um insbesondere vulnerable Gruppen wie Menschen mit schwachem Immunsystem zu schützen. Im Fall einer weiteren Ausbreitung sei mit zusätzlichem Aufwand für die Krankenhäuser zu rechnen, weil für die infizierten Patientinnen und Patienten und das betreuende Personal Schutzmaßnahmen ergriffen werden müssen. Neumeyer zeigte sich aber zuversichtlich: „Wir sind auch fest davon überzeugt, dass es möglich ist, den aktuellen Ausbruch in Deutschland zu begrenzen.“ Außerdem verlaufe eine Erkrankung nach Erkenntnissen der DKG in der Regel mild.

Laut Angaben des RKI vom Montag sind bisher 2677 Fälle von Affenpocken aus den 16 Bundesländern gemeldet worden. Unter den nach Geschlecht erfassten Fällen sind dabei nur fünf Frauen.

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