Von Hitzetagen bis Bodentrockenheit

Acht Grafiken zur Hitze, die Sie kennen sollten

Der Boden in Deutschland wird gefährlich trocken.

Der Boden in Deutschland wird gefährlich trocken.

Es wird wieder heiß in Deutschland – sehr heiß. Temperaturen bis zu 36 Grad erwartet der Deutsche Wetterdienst erneut in den nächsten Tagen. Erst vor wenigen Tagen hatte die Hitzewelle die Thermometer in vielen Teilen Deutschlands an oder über die 40 Grad-Marke hinaus nach oben getrieben. Temperaturen, die hoch sind – aber keine Seltenheit mehr.

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Besonders warm zeigt sich im Rückblick 2018. Gleich um 2,3 Grad Celsius wich die Lufttemperatur gerechnet auf Gesamtdeutschland in diesem Jahr vom langjährigen Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990 ab, 2019 und 2020 lagen mit Werten von 2,1 und 2,2 Grad nur knapp dahinter.

Der bisher heißteste Tag: Der 25. Juli 2019. Gleich an zwei Stationen – in Duisburg und in Tönisvorst bei Krefeld – hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) dort eine Rekordtemperatur von 41,2 Grad Celsius gemessen. Für dieses Jahr liegt der Rekordwert bisher bei 40,1 Grad, gemessen an einer Messstation in Hamburg-Neuwiedenthal.

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Immer öfter kommt es in Deutschland in den vergangenen Jahren zu sogenannten Hitzetagen. Davon ist die Rede, wenn das Thermometer die 30-Grad-Marke knackt. Bei mehr als 25 Grad ordnen Meteorologen und Meteorologinnen einen Tag als Sommertag ein. Davon gab es allein im Rekordsommer vor vier Jahren 75, gleich an 20 Tagen lag die Temperatur bei über 30 Grad.

Zahl der Hitzetage nimmt deutlich zu

Sommer mit heißen Tagen? Dass es das nicht „früher so auch schon“ gab, zeigt ein Blick auf die durchschnittliche Anzahl von Hitzetagen. Zwischen 1951 und 1960 gab es pro Jahr etwa 3,5 Tage, an denen die Temperaturen weit nach oben kletterten. Zwischen 1971 und 1980 war es gut ein Tag mehr. Im vergangenen Jahrzehnt zwischen 2011 und 2020 ist der Wert noch einmal deutlich angestiegen: Auf gut elf Tage pro Jahr.

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Diese Marke ist in diesem Jahr bereits überschritten: Bereits Mitte Juli zählte der DWD zwölf Hitzetage für 2022 – die große Hitzewelle der vergangenen Woche hatte Deutschland da noch gar nicht erreicht. Grund dafür war vor allem eine Hitzewelle im Juni, wie Britta Siebert-Sperl vom Wetterdienst Wetterkontor kürzlich gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erklärte. „Ungewöhnlich war aber auch, dass es an zwei Tagen im Mai schon über 30 Grad heiß war“, so die Expertin. Normalerweise verteilen sich die extrem heißen Tage auf die Sommermonate Juni, Juli und August.

Andreas Becker, Leiter Klimaüberwachung beim DWD, geht davon aus, dass die „zunehmende Treibhausgaskonzentration dazu führt, dass auch die Zahl heißer Tage von Jahrzehnt zu Jahrzehnt massiv zunimmt.“ Bei ungebremstem Treibhausgasausstoß müsse zwischen 2031 und 2060 mit einer weiteren Zunahme von fünf bis zehn heißen Tagen im Jahr in Norddeutschland und zehn bis zwanzig heißen Tagen in Süddeutschland gerechnet werden.

Viele Hitzetote in heißen Jahren

Das bleibt nicht ohne Folgen. Schon jetzt hinterlässt die Hitze deutliche Spuren bei den Menschen. Bei hohen Temperaturen ist der Aufenthalt im Freien nicht nur eine Qual, er kann auch gefährlich werden. In den Hitzejahren 2018, 2019 und 2020 etwa haben die hohen Temperaturen im Sommer zu mehr als 19.000 hitzebedingten Sterbefällen in Deutschland geführt. Zum ersten Mal seit Beginn des Untersuchungszeitraums im Jahr 1992 sei eine Übersterblichkeit aufgrund von Hitze in drei aufeinanderfolgenden Jahren aufgetreten, schrieben Forschende von Robert Koch-Institut (RKI), Umweltbundesamt (Uba) und DWD in einer Anfang Juli im „Deutschen Ärzteblatt“ veröffentlichten Studie.

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Hohe Temperaturen können unter anderem das Herz-Kreislauf-System stark belasten und bestehende Beschwerden, wie etwa Atemwegserkrankungen, verstärken. Da Hitze nur selten als direkte Todesursache erkannt wird, nutzten die Studienautoren und Studienautorinnen für ihre Analyse statistische Verfahren.

Zu den besonders gefährdeten Gruppen gehören Kleinkinder und chronisch Kranke, aber auch ältere Menschen. Patientenschützende dringen deshalb auf Schutzmaßnahmen für Pflegebedürftige und Kranke. Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung Patientenschutz, etwa forderte zum Schutz von Pflegebedürftigen und Kranken, ein Hitzeschild für Hunderttausende Krankenhauspatienten und 810.000 Pflegeheimbewohnende zu schaffen.

Extremwetter, Hitze und Gewitter: „Am besten der Sonne gar nicht erst aussetzen“

Welche Tipps gegen übermäßige Hitze helfen und was der Klimawandel eigentlich damit zu tun hat, haben wir im Video zusammengefasst.

Kaum noch ausreichend feuchte Böden

Auch die Natur leidet unter langanhaltender Hitze und Trockenheit. Wie sich Mai und Juni auf die Boden­feuchtigkeit ausgewirkt haben, zeigen Daten des DWD. Die Meteorologen und Meteorologinnen haben ein Modell entwickelt, das den für Pflanzen verfügbaren Wasser­gehalt des Bodens in allen Regionen ermittelt.

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Für jeden Quadrat­kilometer Deutschlands, abgesehen von wenigen Ausnahmen wie den Mooren, berechnen die Klima­forschenden die sogenannte nutzbare Feld­kapazität. Ein Wert unter 50 Prozent bedeutet für die Pflanzen leichten Trocken­stress, unter 10 Prozent wird die Belastung extrem. Unsere animierte Karte zeigt im Zeitraffer, wie Deutschland in einer Boden­tiefe von 30 bis 40 Zentimetern allein im Mai und Juni kontinuierlich ausgetrocknet ist.

Laut DWD haben sich die Niederschlagsmengen in den vergangenen Jahren kaum verändert. Durch zunehmende Wärme steigt allerdings die Verdunstung. Vor allem in den tieferen Schichten kann es Wochen oder Monate dauern, bis sich der Boden von Dürre erholt hat. Mitte Juni waren laut Daten des Helmholtz-Zentrums für Umwelt­forschung (UFZ) nur noch gut 15 Prozent der Flächen über die gesamte Bodentiefe als feucht zu bewerten.

Es drohen wieder Waldbrände

Hitze und trockene Böden ziehen daneben auch die Wälder in Mitleidenschaft. Die Waldbrandgefahr ist derzeit vor allem im Osten Deutschlands wieder hoch, wie der DWD mit seinem täglich aktualisierten Waldbrandgefahren­index zeigt.

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Allein in Brandenburg kam es in den vergangenen Wochen zu mehreren besorgniserregenden Waldbränden. Im Landkreis Potsdam-Mittelmark hatten zwei Waldbrände in Treuenbrietzen und Beelitz nahe Potsdam für große Gefahr gesorgt.

Hunderte Feuerwehrleute, unterstützt von Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr, waren im Einsatz. Jeweils etwa 200 Hektar standen in Flammen. Nahe Treuenbrietzen hatte es auf der selben Fläche bereits vier Jahre zuvor im Hitzejahr 2018 einen großen Waldbrand gegeben. Insgesamt brachen in diesem Jahr allein mehr als 500 Brände in dem Bundesland aus.

Betroffen ist von der Hitzeentwicklung aber nicht nur Deutschland. In vielen Teilen Europas kämpften Länder im Juli mit hohen Temperaturen und Waldbränden, wie etwa in Frankreich, Portugal, Spanien oder auf der griechischen Insel Samos.

Immerhin: Das Schwitzen wird hierzulande nicht allzu lange dauern. Schon am Dienstag rechnet der DWD mit einem Ende der großen Hitze. Die Temperaturen erreichen der Vorhersage zufolge im Nordwesten 18 bis 25 Grad, in den übrigen Regionen 26 bis 29 Grad. Für den Rest der Woche erwartet der DWD sommerlich warmes Wetter ohne größere Hitzewellen. Was weiterhin fehle, sei flächendeckender Regen.

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mit nis/dpa

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