Eine Tote, 32 Verletzte

„Er hat schwerwiegende Probleme“: Was wir über den Fahrer wissen

In Berlin-Charlottenburg ist ein Mann in eine Personengruppe gefahren. Der Pkw kam zum Stillstand in einer Filiale von Douglas in der Marburger Straße Ecke Tauentzienstraße.

In Berlin-Charlottenburg ist ein Mann in eine Personengruppe gefahren. Der Pkw kam zum Stillstand in einer Filiale von Douglas in der Marburger Straße Ecke Tauentzienstraße.

Berlin. Am Mittwochvormittag ist ein Mann mit einem Auto in Berlin in zwei Menschengruppen gefahren, es handelt sich hauptsächlich um Schülerinnen und Schüler. Eine Frau, eine Lehrerin aus Hessen, wurde getötet, ein weiterer Lehrer schwebt noch in Lebensgefahr. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden 32 Menschn verletzt, davon 17 schwer. Die Hintergründe sind im Detail noch unklar, die Staatsanwaltschaft geht von einer „psychischen Beeinträchtigung“ des Fahrers aus, die Anlass für die Tat gewesen sei. Einen Tag nach der Tat gibt es erste Ermittlungsergebnisse.

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Was ist passiert?

Offiziellen Angaben der Polizei und der Staatsanwaltschaft zufolge spielte sich am Mittwoch folgendes Geschehen ab: Ein Mann fuhr einen Renault-Kleinwagen gegen 10.26 Uhr an der Straßenecke Ku’damm und Rankestraße auf den Bürgersteig des Ku’damms und in Gruppe von Menschen. Dann lenkte er den Wagen auf die Kreuzung und knapp 200 Meter weiter auf der Tauentzienstraße Richtung Osten, wo er in eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern fuhr. Kurz vor der Ecke Marburger Straße lenkte er den Wagen erneut von der Straße auf den Bürgersteig, touchierte ein anderes Auto, überquerte die Marburger Straße und landete im Schaufenster des Parfümeriegeschäfts Douglas.

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Der Unfallort befindet sich unweit der Gedächtniskirche am Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg. Dort war im Dezember 2016 ein islamistischer Attentäter in einen Weihnachtsmarkt gefahren. Damals starben zwölf Menschen, mehr als 70 wurden verletzt.

Was wissen wir über die Opfer?

Bei der getöteten Frau handelt es sich um eine Lehrerin aus Hessen. Sie sei mit einer zehnten Klasse einer Schule aus dem nordhessischen Bad Arolsen in Berlin gewesen, teilte die hessische Landesregierung mit.

Nach derzeitigem Kenntnisstand sind neben der getöteten Lehrerin sieben Menschen schwer verletzt worden, die stationär behandelt werden mussten. Sieben weitere Menschen wurden mit leichteren Verletzungen ambulant behandelt. Bei den Verletzten handele es sich vor allem um Menschen der Klassenfahrt, mit der die Lehrerin aus Hessen in Berlin unterwegs gewesen war, sagte eine Polizeisprecherin der Deutschen Presse-Agentur am Mittwochabend. Aufgrund der dynamischen Lage können die Zahlen noch schwanken.

Die unverletzten Jugendlichen seien in ihrem Hotel von Berliner Schulpsychologen betreut worden. Noch am Mittwoch seien Eltern der Jugendlichen zusammen mit Schulpsychologen aus Hessen mit einem Bus angereist.

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Bei den verletzten Personen handelt es sich offenbar nur um solche, die sich auf der Straße befanden. Eine Douglas-Sprecherin sagte, dass es im Geschäft, wo das Fahrzeug zum Stehen kam, keine Verletzten gab.

Was wissen wir über den Fahrer des Autos?

Der Fahrer des Autos wurde umgehend nach der Tat vorläufig festgenommen. Er sei zunächst von Passantinnen und Passanten festgehalten worden, nachdem er seinen Wagen in das Schaufenster der Douglas-Filiale lenkte, sagte Polizeisprecher Thilo Cablitz vor Ort. Eine Mordkommission des Landeskriminalamts hat die Ermittlungen übernommen.

Schock und Trauer nach mutmaßlicher Amokfahrt von Berlin

Die mutmaßliche Amokfahrt von Berlin hat den hessischen Ort Bad Arolsen schockiert. Am Tag nach dem Vorfall ist die Bestürzung noch immer groß.

Am Donnerstag nannte Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) Details zum Fahrer: Der 29-jährige Mann armenischer Herkunft sei 2015 in Deutschland eingebürgert worden. Bei der Polizei sei er mehrfach aufgefallen, es habe Ermittlungen gegeben wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und Beleidigung. Am Vorabend teilte Spranger auf Twitter mit, dass der Vorfall in der Tauentzienstraße sich „als Amoktat eines psychisch beeinträchtigten Menschen“ darstelle.

Was ist der Stand der Ermittlungen?

Am Mittwochabend wurde die Wohnung des Tatverdächtigen durchsucht, dabei wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft Medikamente gefunden. Die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sagte zum Verdächtigen, mit Hilfe eines Dolmetschers werde versucht, mehr „aus den teilweise wirren Äußerungen, die er tätigt, herauszufinden“. Die Berliner Staatsanwaltschaft erklärte am Donnerstag, man gehe von einer paranoiden Schizophrenie aus, die Anlass der Tat gewesen sei. Deshalb solle die vorübergehende Unterbringung in eine Psychiatrie beantragt werden. Der Beschuldigte habe seine Ärzte von der Schweigepflicht entbunden.

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Die Schwester des Verdächtigen sagte einem „Bild“-Reporter: „Er hat schwerwiegende Probleme.“ Nachbarn äußerten sich der Zeitung zufolge erstaunt, „dass er zu so einer Tag fähig ist“.

Der Fahrer war nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur mit einem Auto unterwegs, das seiner älteren Schwester gehört. Darin haben sich offenbar Plakate zum Berg-Karabach-Konflikt befunden, die in Medienberichten zunächst als Bekennerschreiben interpretiert wurden. Die Staatsanwaltschaft dementiert das, nach derzeitigen Erkenntnissen läge keinerlei Zusammenhang zur Tat vor.

Die Polizei war nach eigenen Angaben mit rund 130 Kräften im Einsatz, mit einem Hubschrauber verschafften sich die Beamtinnen und Beamten einen Überblick aus der Luft. Das Areal war großflächig abgesperrt. Es waren mehrere Krankenwagen und Polizeiautos vor Ort.

Die Polizei rief die Menschen dazu auf, keine Bilder vom tödlichen Vorfall an der Einkaufsstraße im Internet zu posten, sondern über ein Portal der Berliner Polizei als Beweismittel hochzuladen.

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RND/nis/seb/sebs, mit dpa

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