Familie in der Weltwirtschaftskrise

Krisenfest und gottesfürchtig: Vor 50 Jahren startete die Serie „Die Waltons“

Die drei Generationen der Familie Walton.

Die drei Generationen der Familie Walton.

Immer wenn das Licht ausging, fing das Ritual an: „Gute Nacht, Jason“, „Gute Nacht, John-Boy“, „Gute Nacht, Mary-Ellen“ und manchmal immer so weiter, bis auch der letzte Walton gebührend in den Schlaf verabschiedet war. Die rituelle und später in anderen Sendungen oft parodierte Gute-Nacht-Prozedur zum Ende einer jeden Folge hat die Fernsehserie „Die Waltons“ berühmt gemacht.

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Vor 50 Jahren, am 14. September 1972, erlebte die amerikanische Großfamilie mit dem ausgeprägten Hang zu Brüderlichkeit und Nächstenliebe im amerikanischen Fernsehen ihr erstes Abenteuer. Drei Jahre danach kam die Familiensaga auch ins deutsche Fernsehen und wurde zu einer der beliebtesten TV-Serien, die je in Deutschland liefen.

Ein wesentlicher Teil des insgesamt 221 Episoden umfassenden Dauerbrenners lief von 1975 bis 1981 im ZDF und wurde zu einem echten Straßenfeger mit Kultpotenzial, wie es sie heutzutage nicht mehr gibt. Die einfachen Geschichten drehten sich um das nicht immer einfache Leben einer amerikanischen Großfamilie, die sich zur Zeit der Wirtschaftskrise in den Dreißigerjahren in Walton‘s Mountain im US-Bundesstaat Virginia einigermaßen durchschlägt.

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Serie feierte die heile amerikanische Familie

Das Sägewerk der gottesfürchtigen und fleißigen Sippe wirft dabei gerade mal genug zum Leben ab, die tüchtigen Waltons müssen an allen Ecken und Enden sparen. Doch Familienoberhaupt John Walton (Ralph Waite), seine Frau Olivia (Michael Learned), ihre sieben Kinder sowie die beiden Großeltern Sam (Will Geer) und Esther (Ellen Corby) machen wirtschaftliche Not durch Zusammenhalt, Liebe und Gottesfurcht wett.

Die auf den Jugenderinnerungen des Autors und Produzenten Earl Hammer junior basierende Serie feierte die heile amerikanische Familie wie keine andere. Kein Wunder, dass der konservative amerikanische Ex-Präsident George Bush senior einmal anmerkte, die Nation solle sich lieber an den Waltons orientieren als an den Simpsons – jener anderen legendären amerikanischen Fernsehsippe, die so ziemlich das Gegenteil der braven Baptistenfamilie aus Virginia ist.

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Der eigentliche Held der Serie, die sich häufig um finanzielle Schwierigkeiten und familiäre Probleme drehte, die von den Waltons mit Mut und Verstand gemeistert wurden, war der älteste Sohn John-Boy. Der aufgeweckte und etwas streberhafte junge Mann war ein angehender Schriftsteller in Latzhosen, der die Erlebnisse der Familie nächtens in seinem Tagebuch notierte und diese als Ich-Erzähler aus dem Off am Anfang und Ende jeder Folge moralisch einordnete.

„Wenn ich sterbe, wird es heißen: John-Boy ist tot“

Gespielt wurde John-Boy von Richard Thomas, der nach ein paar Jahren aus der Serie ausstieg, weil er sich von der Rolle in seinen schauspielerischen Möglichkeiten eingeengt fühlte und der von Robert Wightman ersetzt wurde. Der Beliebtheit des Original-John-Boy tat das keinen Abbruch. „Wenn ich sterbe, wird es heißen: John-Boy ist tot“, sagte der heute 71-jährige Richard Thomas vor Kurzem in einem Interview über die Rolle seines Lebens, und fügte an: „Das ist für mich okay.“

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Was damals kaum jemand wusste: Die heile und von hehren Werten geprägte Welt der Waltons vor der Kamera wurde hinter den Kulissen von heftigen Alkoholproblemen konterkariert, die zwei der Hauptdarsteller zu Beginn der Serie hatten. Der Darsteller von Vater Walton, Ralph Waite (1928–2014), war schwerer Trinker und wurde durch sein Mitwirken in der Serie geläutert, wie er einmal erzählte. Nachdem er sich Gedanken über seine Rolle und sein Leben gemacht hatte, ging er zu den Anonymen Alkoholikern und kam vom Alkohol los. Auch Michael Learned – die Schauspielerin wurde von ihren Eltern 1939 so getauft, weil die sich einen Jungen gewünscht hatten – hatte anfangs mit dem Alkohol zu kämpfen und überwand ihre Sucht nach eigener Aussage ebenfalls dank der Serie.

Das passte nicht zuletzt auch besser zu ihrer Rolle, denn als liebevolle, bestimmte und gottesfürchtige Mutter Olivia sprach sie sich strikt gegen jede Form von Alkohol aus.

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