Unzählige Menschen wurden bloßgestellt und gedemütigt

„Der meistgehasste Mann im Internet“ – Neue Netflix-Doku gibt Einblicke in sogenannten „Racheporno“-Skandal

2010 ging eine Website online, die viele Menschen bloßstellen und demütigen sollte. Auf der Seite „Is Anyone Up“ konnte jedermann sexuelle und explizite Bilder seiner meist Ex‑Freundinnen veröffentlichen. Dem Betreiber brachte sie viel Geld – aber auch den Ruf ein, der meistgehasste Mann im Internet zu sein. Eine neue Netflix-Doku zeichnet den Skandal nun nach (Symbolbild).

2010 ging eine Website online, die viele Menschen bloßstellen und demütigen sollte. Auf der Seite „Is Anyone Up“ konnte jedermann sexuelle und explizite Bilder seiner meist Ex‑Freundinnen veröffentlichen. Dem Betreiber brachte sie viel Geld – aber auch den Ruf ein, der meistgehasste Mann im Internet zu sein. Eine neue Netflix-Doku zeichnet den Skandal nun nach (Symbolbild).

Der Titel der Netzseite „Is Anyone Up“ (deutsch: Ist jemand wach) klingt recht unschuldig. Dennoch brachte sie dem Betreiber, Hunter Moore, den Ruf ein, der meistgehasste Mann im Internet zu sein. Auf der 2010 online gestellten Website konnte nämlich jedermann (und es waren fast ausschließlich Männer) sexuelle und explizite Bilder ihrer meist Ex‑Freundinnen veröffentlichen.

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Männer teilten dort Aufnahmen, die ihre Freundinnen in glücklicheren Tagen ihnen zugeschickt hatten. Andere Frauen wurden heimlich am Strand, in Umkleidekabinen oder auf Partys fotografiert. Auch sie landeten auf der Seite, ohne Einwilligung der Opfer. Und Moore beauftragte sogar einen Hacker, um in Computern einzubrechen und private Fotos zu stehlen. Dazu wurden die persönlichen Daten der Frauen genannt, oft sogar ihre Adresse. Zudem wurden die Bilder von anderen Nutzern genüsslich kommentiert. Und all das geschah aus einem einzigen Grund: aus Rache. Und zum Vergnügen seiner fanatischen Community, die Moore regelrecht vergötterte.

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Die Seite erfreute sich dann auch schnell großer Beliebtheit. Moore behauptete, sie verzeichne monatlich 30 Millionen Aufrufe, und dass er dafür im Monat bis zu 13.000 Dollar an Werbeeinahmen hatte. Und sie wurde in kürzester Zeit zum Zentrum für Frauen-Bashing und ‑Mobbing im Internet. Die Opfer dieses schmuddeligen Internetprangers bettelten zwar darum, dass ihre Fotos gelöscht wurden. Einige drohten gar mit Selbstmord. Doch Hunter Moore machte einfach weiter, ließ sich davon nicht beeindrucken. Und auch rechtlich war ihm damals kaum beizukommen, weil er nur die Plattform für diese abscheuliche Tat gestellt hat und nicht für die Inhalte verantwortlich war.

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Macher der Serie sprachen mit vielen Betroffenen

Dennoch wurde das Treiben Moores später gestoppt, besonders durch das Engagement einer Mutter eines Opfers. Auch Bilder von Charlotte Laws Tochter waren nämlich unfreiwillig auf die Seite gelangt. Die Bitte, sie zu löschen, ignorierte Moore, ja, er machte sich sogar darüber lustig. Aber Law ließ sich davon nicht einschüchtern und kämpfte mit unglaublichem Engagement weiter für die Rechte ihrer Tochter. Von ihr und ihrem Vorgehen erzählt ausführlich die dreiteilige Dokuserie „Der meistgehasste Mann im Internet“, die jetzt bei Netflix zu sehen ist. Also nicht wie so oft stehen der Täter und seine Motive im Mittelpunkt, sondern die Perspektive der Opfer und ihr Leid.

Mit vielen der Betroffenen haben die Macher der dreistündigen Serie um Produzent Alex Marengo gesprochen. Viele von ihnen mussten sehr lange darum kämpfen, dass ihre Bilder wieder aus dem Netz verschwanden. Dennoch macht die Doku Mut, zeigt sie doch, dass selbst wenn der Gegner übermächtig ist und eine große Internetcommunity hinter sich hat, er mit viel Beharrlichkeit und Engagement zu besiegen ist.

Knapp 16 Monate war die Website, die so viel Leid verursacht hatte, online. Dann wurde sie vor allem dank der Beweise, die Law gesammelt hat, geschlossen und die Adresse an eine Antimobbinggruppe verkauft. Heute findet man dort Infos und Links zu Initiativen, die über Mobbing arbeiten. Und Hunter Moore? Der heute 36‑Jährige bekannte sich im Februar 2015 vor Gericht schuldig wegen verschärften Identitätsdiebstahls und unbefugten Zugriffs zu einem Computer. Als Strafe erhielt er zwei Jahre und sechs Monate, musste 2000 Dollar zahlen und erhielt zusätzlich ein Social-Media-Verbot. Ein überraschend mildes Urteil, für das, was der selbst ernannte König des Rachepornos angerichtet hatte.

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