Mischung aus Familiendrama und Mystery

Gefangen im Zeitstrudel: die ZDF-neo-Serie „Another Monday“

Die Zeitschleife bringt zwischen Freya (Susanne Bormann) und Malte (Ulrich Brandhoff) alte Konflikte wieder ans Tageslicht.

Die Zeitschleife bringt zwischen Freya (Susanne Bormann) und Malte (Ulrich Brandhoff) alte Konflikte wieder ans Tageslicht.

Morgen ist heute gestern. Aber was, wenn morgen wieder heute wäre? Zeitschleifen sind seit dem modernen Klassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (1993) ein beliebtes Filmthema. Das Drehbuchduo Maximilian Baumgartner und Oliwia Strazewski hat das Genrekonzept jetzt um eine wesentliche Variante erweitert: In der Regel weiß nur eine Person von der Zeitschleife; der Rest der Menschheit hat keine Ahnung, dass sich die Welt im Kreis dreht. Das glaubt zunächst auch Freya Hüller (Susanne Bormann); bis sie rausfindet, dass sie mit ihrem Wissen nicht allein ist.

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Und noch etwas unterscheidet die ZDF-Miniserie „Another Monday“ von den oft heiteren Produktionen dieser Art: Baumgartner und Strazewski nehmen die Herausforderung ernst. Die erste Folge beginnt mit einem Suizid, dann folgt der Schnitt auf Freya und ihren Mann, dem Psychologen Malte (Ulrich Brandhoff), beim Sex. Es ist 2.13 Uhr.

Zeitschleife als Ergebnis einer Kettenreaktion?

Fortan wird die Serie regelmäßig zu diesem Moment zurückkehren; dabei will Freya ihren Mann an diesem Morgen verlassen. Bei der Autofahrt wird sie fast von einem Lkw gerammt. Später wird der Moment noch mal wichtig, denn Freya entdeckt, dass der Polizist Moritz Becker (Ben Münchow) ebenfalls von der Zeitschleife weiß. Eine Parallele zwischen beiden ist die erlebte Todesangst, wie Freya mithilfe eines grausamen Experiments am Familienhund Daphne entdeckt. Aber ihr Schicksal könnte auch eine Strafe sein, denn beide tragen schwer an einer Schuld. Der vom Dienst freigestellte Becker hat deshalb schon mehrfach versucht, sich das Leben zu nehmen, doch der Zeitstrudel spuckt ihn immer wieder ins Dasein zurück; kein Wunder, dass er glaubt, in einer Art Hölle zu sein.

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Malte wiederum hält Freyas Zustand für eine Reaktion auf ein traumatisches Erlebnis, das sie vor einiger Zeit hatte; seither hat sie den Draht zu ihrer Tochter (Emilie Neumeister) verloren. Der hochschwangeren Krankenschwester Sophie (Alina Stiegler), die täglich aufs Neue das Leben eines Patienten (Vedat Erincin) rettet, bevor er eine Lungenembolie erleidet, ist ausgerechnet an diesem Montag etwas Ähnliches widerfahren. Sie fällt den beiden anderen auf, als sie nach Menschen suchen, deren Tagesablauf vom gestrigen abweicht, wie zum Beispiel der Radiomoderator, der eines Montagmorgens von seiner Musikliste abweicht: Er ist zu spät gekommen, weil ihm sein Fahrrad geklaut worden ist. Deshalb entwickelt Becker eine Dominotheorie: Sollte die Zeitschleife das Ergebnis einer Kettenreaktion sein, ließe sich der Kreislauf vielleicht stoppen, wenn man ihn zu seinem Ausgangspunkt zurückverfolgt.

Jahrelange Arbeit am Drehbuch

Schon allein diese Vorstellung deutet an, wie sich die Komplexität der Geschichte entwickelt; zwischenzeitlich wirkt Becker wie jemand, der nach einem Lawinenabgang den Stein sucht, der die Lawine ins Rollen gebracht hat. In der ansonsten weitgehend überflüssigen Folge fünf sinniert das Trio über die „Matrix“-Frage (rote oder blaue Pille, Freiheit oder Illusion): Sollen sie ihre Mitmenschen „erwecken“? Oder ist Unwissenheit nicht auch ein Segen? 2017 haben Baumgartner und Strazewski mit dem Drehbuch begonnen, und es lässt sich lebhaft vorstellen, wie sie immer wieder neue Einfälle gefunden und verworfen haben.

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Das Ergebnis der jahrelangen Arbeit ist eine oftmals um die Ecke gedachte und entsprechend reizvolle Mischung aus Familiendrama und Mysteryserie; die Umsetzung durch Esther Bialas und Nathan Nill ist bis ins kleinste Detail stimmig. Vor allem aber ist „Another Monday“ gerade dank des naturalistischen Erzählstils weit mehr als bloßer Zeitvertreib. Faszinierend ist nicht zuletzt der unterschiedliche Umgang der Betroffenen mit dem Phänomen: Die einen empfinden die Zeitschleife wie einen Sisyphus-Fluch, andere versuchen, gemäß der Devise „Genuss ohne Reue“ das Beste draus zu machen. Das ist auch die deprimierende Botschaft des etwas plötzlichen dystopischen Schlusses: Wenn es kein Morgen gibt, bleibt jede Tat folgenlos; stirb jetzt, zahl später.

„Another Monday“, mit Susanne Bormann, ab 30. September in der ZDF-Mediathek streambar; am 11. und 12. Oktober (20.15 Uhr) auf ZDF neo

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