Gehrden

Leere Straßen und viel Lauferei – Was junge Chinesen an Gehrden kurios finden

Zum Austauschprogramm gehört auch eine Trainingseinheit mit den chinesischen Gästen auf dem Platz der Sportschule des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) in Barsinghausen.

Zum Austauschprogramm gehört auch eine Trainingseinheit mit den chinesischen Gästen auf dem Platz der Sportschule des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) in Barsinghausen.

Gehrden. Der Begriff „Kulturschock“ ist angesichts der neuen Erfahrungen ohne Zweifel maßlos übertrieben. Trotzdem sind für die Gastgeber aus Gehrden bei ihren chinesischen Gästen überraschende Sitten und Gewohnheiten zu beobachten. „Die sind total handysüchtig und gehen immer sehr langsam“, sagt die 13-jährige Victoria. Die Jugendliche der Gehrdener Oberschule nimmt in diesem Jahr am Schüleraustausch mit einem Gymnasium aus der chinesischen Stadt Changde teil – ebenso wie weitere 13 Jugendliche der Gehrdener Oberschule und deren Familien. „Das ist inzwischen schon der zweite Austausch mit den Chinesen aus der Partnerstadt von Hannover“, sagt Oberschullehrerin Helene Essenheimer. Die Pädagogin organisiert mit ihrer Kollegin Jenny Mahlandt die Reihe der Besuche und Gegenbesuche.

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Begonnen habe der intensive Kontakt vor zwei Jahren über persönliche Kontakte mit einer hannoverschen Initiative für interkulturelle Toleranz. „Wir wollten diese Initiative unterstützen und haben uns deshalb um einen Schüleraustausch mit der Partnerstadt Changde bemüht“, erzählt Essenheimer. Bei der zweiten Auflage seit 2017 zählen nun 14 chinesische Austauschschüler und zwei Lehrer aus Changde zu den Gästen in Gehrdener Familien.

Programm ist für die Chinesen sehr entspannend

„Es geht darum, den Chinesen den Alltag in der Oberschule, aber auch in Deutschland näher zu bringen“, sagt die Lehrerin. Wenige Meter weiter steht gerade eine gemeinsame Trainingseinheit auf einem Platz der Sportschule des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) in Barsinghausen auf dem Programm. „Das ist für die Chinesen alles Entspannung pur“, berichtet die Lehrerin. In China werden sie täglich von 7 bis 22 Uhr unterrichtet. „Und während bei uns auch die Kreativität der Schüler gefragt ist, wird dort buchstäblich Wissen mit einem Trichter in die Köpfe hineingeschüttet“, hat Essenheimer von ihren chinesischen Kollegen erfahren.

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Vor allem gibt es aber bei dem Austausch offenbar viel zu lachen: „Die chinesischen Schüler sprechen viel schlechter Englisch als wir“, sagt die 13-jährige Victoria in einer Trainingspause. Deshalb komme sehr oft der Google-Übersetzer der Smartphones zum Einsatz – lustige Missverständnisse inbegriffen. Dass die chinesischen Gäste wirklich sehr langsam gehen, hat laut Lehrerin Mahlandt einen Grund: „Dort ist es wegen der Alltagsschwerpunkte nicht üblich, viel zu Fuß zu gehen“, weiß Mahlandt. Gleichwohl: Beim Kicken mit den Gastgebern kommen die Ostasiaten schnell in Schwung.

Gäste lächeln über leere Städte

Die Gastgeber wiederum sind von ihnen wegen ihrer leeren Städte belächelt worden. „Als die Chinesen gesehen habe, wie wenig Menschen auf der Straße in Gehrden herumlaufen, haben sie sofort ihre Handys gezückt, um das zu fotografieren“, erzählt Mahlandt – und verweist auf die chinesische Kleinstadt Changde mit etwa vier Millionen Einwohnern. Auf dem Austauschprogramm stehen auch eine Berlinfahrt, Schulunterricht und ein Ausflug zur Marienburg in Pattensen. Teilgenommen hat die Austauschgruppe auch an einem interkulturellem Drachenbootrennen auf dem Maschsee in Hannover.

Wenn die Gehrdener Delegation im Mai 2020 zum Gegenbesuch nach China reist, sind die Schüler und Lehrer auf eine weitere landestypische Besonderheit beim Verhalten inzwischen gut vorbereitet: „Wenn ihnen das Essen richtig gut schmeckt, schmatzen und rülpsen die Chinesen ungeniert und laut“, hat auch Pädagogin Mahlandt festgestellt und schmunzelt.

Von Ingo Rodriguez

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