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Bitte mehr Ausnahmezustand in Hannover!

Mehr wagen: NP-Kolumnistin Vanessa Erstmann wünscht sich Hannover im Ausnahmezustand.

Mehr wagen: NP-Kolumnistin Vanessa Erstmann wünscht sich Hannover im Ausnahmezustand.

Kürzlich begab ich mich auf eine Zeitreise in das Hannover der 50er-Jahre, als sich die Stadt gleich in mehrfacher Hinsicht in einem Ausnahmezustand befand. Zwischen Trümmerlandschaft, modernem Wiederaufbau und internationalem Messeflair brach ein Premieren-Hype aus. Mit 52 Filmpalästen konnte Hannover die größte Kinodichte Deutschlands vorweisen und dank zahlreicher Filmproduktionen aus Niedersachsen über hundert Mal den roten Teppich ausrollen. Das Historische Museum vermittelt derzeit mit etlichen Fotos und Filmplakaten einen Eindruck vom Premierenfieber und Glamour der 50er-Jahre.

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Filmprominenz in Hannover

Ich schlenderte vorbei am Who’s who der damaligen Filmprominenz (darunter Heinz Erhardt, Romy Schneider, Hans Albers und Marlene Dietrich), sah vor meinem geistigen Auge rauschende Empfänge, kreischende Autogrammjäger(innen) und den Medienrummel. Am Ende meines Rundgangs stand ich vor einer Selfie-Station, die dazu einlud, sich unterhalb eines „Premierenfieber“-Schriftzuges kostümiert und glamourös für ein Foto in Szene zu setzen.

Großes Kino: Vanessa Erstmann im Historischen Museum.

Großes Kino: Vanessa Erstmann im Historischen Museum.

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Noch premierentauglich?

Doch ein rascher Blick auf die Verkleidungsstation und die Fotos meiner Vorgängerinnen dämpfte die Erwartungen: keine elegante Federboa, dafür Sonnenbrillen im klamaukigen Fifties-Look. Ich schaute noch einmal zurück zu den großen Filmdiven in Schwarz-Weiß. Abfällig schien mich Zarah Leander durch ihre schwarzen Brillengläser zu mustern, so, als ob sie die Premierentauglichkeit des heutigen Hannovers in Zweifel ziehen wollte.

Der Ausnahmezustand als Film-Metropole hielt in der Tat nur ein Jahrzehnt lang an. Das Fernsehen eroberte die heimischen Wohnzimmer und löste ein Massensterben unter den Kinos aus – Puschenkino statt Filmpalast. Dabei dienen Unterhaltungsfilme damals wie heute als Ablenkungsmanöver von einem tristen Alltag.

Ungelebte Potenziale

Nur zieht es die Menschen eben nicht mehr in Filmpaläste, sondern auf das heimische Sofa. Und so blieb nach meiner Zeitreise ein schales Gefühl zurück: Hannover, diese Stadt der ungelebten Potenziale, dürfte ruhig mal wieder mehr Ausnahmezustand wagen.

Von Vanessa Erstmann

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