NP-Reportage

Wie der Spieleverein Hannover auf dem Brett den Mars besiedelt

Blick in die Karten: Beim Spieleverein Hannover steht jeder Tag unter einem anderen Schwerpunkt.

Blick in die Karten: Beim Spieleverein Hannover steht jeder Tag unter einem anderen Schwerpunkt.

Hannover. Ein „gewisses Gefühl von Familie“ erlebt Manuela Estelmann (43), wenn sie die Treffen des Spielevereins Hannover an der Hagenstraße 31 besucht. Da ist es vermutlich nur konsequent, dass ihre Spielefamilie sie per Spitznamen anspricht: Teddy. Wo der herrühre, sei nicht so wichtig, eine lange Geschichte, wiegelt die 43-Jährige ab. Und schwärmt lieber: „Wir haben hier eine schöne Gemeinschaft, ich möchte es nicht missen.“ Insbesondere in den Monaten der pandemiebedingten Lockdowns sei ihr bewusst geworden, wie besonders die Treffen tatsächlich sind.

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Unter 2G-plus-Bedingungen treffen sich die Mitstreiter, jeder Spieletag hat seinen Themen-Schwerpunkt. Martin Wirt (45) ist während der Pandemie zum Verein gestoßen. Seine bisherige Spielrunde hatte sich wegen Corona aufgelöst, bei Google hatte der Laborant den Spieleverein entdeckt und sich bei Markus Oldewurtel (44) gemeldet, dem Vorsitzenden. 29 Spielerinnen und Spieler im Alter von 20 bis 60 Jahren zählt der Verein aktuell. Gäste sind willkommen, sofern sie eben geimpft oder genesen sind.

Jedes Mal neu: Die Spieler besiedeln den Mars

So wie Teddy, Martin, Markus (im Verein sind alle „per Du“) und Kai Bierbrauer (44). „Terraforming Mars“ liegt vor dem Quartett auf dem geräumigen Tisch. Bei dem strategischen Brettspiel des schwedischen Spieleautors Jacob Fryxelius geht es darum, den Mars zu besiedeln. „Mal entsteht bei uns dabei ein sehr grüner Planet, mal einer mit viel Wasser, mal einer mit mehreren Außenstationen im All“, erzählt Markus.

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Gesellige Runden: Die Spielerinnen und Spieler treffen sich im Vereinsheim in der Hagenstraße.

Gesellige Runden: Die Spielerinnen und Spieler treffen sich im Vereinsheim in der Hagenstraße.

„Es ist am Ende nie der gleiche Planet, dadurch hat ,Terraforming Mars’ einen hohen Wiederspielwert.“ Teddy nickt und fügt an: „Der Rahmen ist für das Spiel vorgegeben, aber das Drumherum gestaltet jeder mit. Das macht den Reiz des Spiels aus.“

Der Spieleverein Hannover

Den Spieleverein Hannover gibt es seit 1984, damals war er noch angesiedelt in der Calenberger Neustadt. Seit 2011 ist er eingetragen als Verein, seit drei Jahren treffen sich die Mitglieder an der Hagenstraße 31 in der Innenstadt. Die Spielerinnen und Spieler treffen sich aktuell unter 2G-plus-Bedingungen. Wer mitmachen will, meldet sich beim Vorsitzenden Markus Oldewurtel per Mail unter Spieleverein.Hannover@web.de. Gespielt wird nach Themenschwerpunkten: dienstags das Videospiel „Super Smash Brothers“ (auf Röhrenfernsehern, da laufe die Grafik besser) mittwochs das Rollenspiel „Das schwarzer Auge“, donnerstags Brettspiele. Jeden Freitag ist das Sammelkartenspiel „Magic: The Gathering“ angesagt. Samstags sind die Rollenspiele „Champions“ oder „Shadowrun“ sowie das kooperative Brettspiel „Zombicide“ (bei dem die Teilnehmenden nicht gegen-, sondern miteinanderspielen) im Angebot. Sonntags steht das Rollenspiel „Pathfinder“ auf dem Programm. Mitglieder zahlen zehn Euro Beitrag im Monat. Alle Infos unter www.spieleverein-hannover.dewww.spieleverein-hannover.de

Die Geselligkeit sei für Martin ein Grund mitzuspielen: „Man hat mit echten Menschen zu tun. Die Lockdowns haben gezeigt, dass Interaktion via Computer einfach nicht das gleiche ist. Und dann“, fährt er fort, „muss man bei den Brettspielen strategisch denken, das ist für mich einfach eine schöne Beschäftigung.“

Das Design der Spiele reizt Architekt Kai zudem: „Mir gefällt es, wenn die Figuren und das restliche Zubehör ausgefallen hergestellt sind.“ Vor allem das Strategiespiel „Scythe“ des US-Spieleautors Jamey Stegmaier hat es ihm angetan: „Es ist in der Tradition des Steampunks aufgemacht, wunderschön.“

Große Auswahl: Vereinsvorsitzender Markus Oldewurtel holt ein Spiel aus dem Regal.

Große Auswahl: Vereinsvorsitzender Markus Oldewurtel holt ein Spiel aus dem Regal.

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Und wenn einer das Design eines Spiels zu schätzen weiß, dann ist es Kai Bierbrauer, denn seit acht Jahren entwickelt er immer mal wieder eigene Spiele: „Ich habe sie sogar schon beim Treffen der Spiele-Autoren-Zunft in Göttingen vorgestellt.“ Dort schauen sich Verlagsvertreter die neuen Spieleideen an und entscheiden, welches Spiel sie gegebenenfalls produzieren. „Bislang“, berichtet Kai, „waren meine Ideen leider immer zu teuer in der Ausstattung.“ Was ihn aber nicht von der Entwicklung neuer Konzepte abhält: „Immerhin habe ich tolle Testspieler“, sagt er und blickt lächelnd in die Runde.

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Die große Spieleauswahl im Verein ist für Teddy von großem Wert. „Wir haben ungeheuer viele Kenner- und Expertenspiele zur Verfügung, privat könnte ich mir das so gar nicht leisten.“ An eine Sternstunde erinnert sie sich gerne: Im Jahre 2005, als das Würfelspiel „Heck Meck am Bratwurmeck“ des Illertissener Spieleautors Reiner Knizia auf den Markt gekommen war, habe sie an der Deutschen Meisterschaft zum Spiel in München teilgenommen. Und gewonnen: „Schön war das!“

Die Treffen sind bereichernd für alle Teilnehmenden

Schön und vor allem bereichernd empfindet Markus die Treffen der Gruppe: „Für mich ist das die beste Art runterzukommen. Wenn ich mit den anderen am Tisch sitze und mich auf ein Spiel konzentriere, ist die Arbeit weit weg“, beschreibt er. „Hier kann ich Kraft für meinen Alltag sammeln.“

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Kleine Kunstwerke: Die Figuren im Spiel „Scythe“ sind liebevoll gestaltet.

Kleine Kunstwerke: Die Figuren im Spiel „Scythe“ sind liebevoll gestaltet.

Beim Jobcenter ist er zuständig für Arbeitgeberseminare. Über den Brettspielen oder beim Rollenspiel aber taucht er in andere Welten ein: „Dabei entstehen auch Erinnerungen“, verrät er. „Ein bisschen, wie wenn man in Urlaub gefahren ist. Wir können uns nach Jahren noch austauschen über Spielzüge, so nach dem Motto: ,Erinnerst du dich an die Kampagne? Oder wie wir das gebaut haben?’ Es ist schön, solch gemeinsame Erinnerungen aufzubauen.“ Mit der Spielefamilie.

Von Verena Koll

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