Interhelp-Hilfskonvoi

Ukraine-Krieg: Wie Donatus zu Schaumburg-Lippe mit Interhelp hilft

Mitten im „organisierten Chaos“: Donatus zu Schaumburg-Lippe schaut sich an einer Sammelstelle an der polnisch-ukrainischen Grenze in Medyka um.

Mitten im „organisierten Chaos“: Donatus zu Schaumburg-Lippe schaut sich an einer Sammelstelle an der polnisch-ukrainischen Grenze in Medyka um.

Hannover. Einfach nur rumsitzen und nichts tun? Das kam für Donatus zu Schaumburg-Lippe (28) nicht in Frage. Die Situation in der Ukraine beschäftigt ihn in diesen Tagen wie so viele andere Menschen auch. Der Bückeburger hat mit der Hilfsorganisation Interhelp Spenden gesammelt und ist zu einem dreitägigen Trip an die polnisch-ukrainische Grenze nach Medyka aufgebrochen, um die Hilfsgüter vor Ort abzugeben.

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Der Sprinter war relativ schnell bepackt: Lebensmittel wie Kekse, Kuchen, Würstchen, Müsliriegel und Suppen, Kleidung, Spielzeug und Medikamente hatte der 28-Jährige mit dem Interhelp-Team um den Vorsitzenden Ulrich Behmann organisieren können, die Spendenbereitschaft von Unternehmern wie Privatleuten war immens.

Familie zu Schaumburg-Lippe ist mit Interhelp verbunden

Am frühen Morgen des 4. März, noch weit vor Sonnenaufgang, ging für zu Schaumburg-Lippe im Konvoi die Reise los. Es war das erste Mal, dass er direkt vor Ort aktiv unterstützt. Bisher hatte er "nur" Gelder für die Hilfsorganisation gesammelt – wenn auch auf eigenwillige Art, mal ist er Marathon gelaufen, mal bei einer Rallye bis in die Mongolei gefahren. "Meine Familie ist seit Ewigkeiten mit Interhelp verbunden", erzählt er während der Fahrt auf der A2 in Richtung Osten am Telefon.

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Start am frühen Morgen: Der Sprinter ist mit Hilfsgütern beladen.

Start am frühen Morgen: Der Sprinter ist mit Hilfsgütern beladen.

Seine Mutter Prinzessin Lilly zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (49) war schon während des Bürgerkriegs in Bosnien dort in humanitärer Mission unterwegs, sein Vater Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe (63) ist seit 2006 Schirmherr der Deutschen Gesellschaft für internationale Hilfe, Interhelp. Der 63-Jährige hat unter anderem nach dem verheerenden Tsunami in Sri Lanka geholfen, Spenden an Waisenkinder in Bulgarien verteilt, war kurz nach dem Krieg im Jahr 2014 in der Ostukraine vor Ort.

Unterwegs auf der Autobahn: Donatus zu Schaumburg-Lippe (rechts) und Rechtsanwalt und Interhelp-Aktivist Roman von Alvensleben.

Unterwegs auf der Autobahn: Donatus zu Schaumburg-Lippe (rechts) und Rechtsanwalt und Interhelp-Aktivist Roman von Alvensleben.

„Je näher wir der polnischen Grenze gekommen sind, desto mehr Transporte mit Hilfsgütern haben wir gesehen“, beschreibt zu Schaumburg-Lippe. „Die Solidarität ist unglaublich.“ Das Auffälligste an dem Interhelp-Konvoi dürfte ein knallgelber Großraumrettungswagen mit sechs Behandlungsplätzen gewesen sein. „Sogar ein Reporterteam der BBC ist auf uns aufmerksam geworden und hat uns bis zur polnisch-ukrainischen Grenze begleitet.“

Ambulanzbus: Diesen Großraumrettungswagen hat die Hilfsorganisation Interhelp aus Frankfurt beschafft, sie nennen das fahrende Hospital „Berta the Beast“. Das Fahrzeug kann viele Verletzte aufnehmen – und ist mittlerweile auf der Fahrt nach Kiew.

Ambulanzbus: Diesen Großraumrettungswagen hat die Hilfsorganisation Interhelp aus Frankfurt beschafft, sie nennen das fahrende Hospital „Berta the Beast“. Das Fahrzeug kann viele Verletzte aufnehmen – und ist mittlerweile auf der Fahrt nach Kiew.

Die Eindrücke, die der 28-Jährige in Medyka bekommen hat, kann er beim nächsten Gespräch auf der Rückfahrt von diesem Trip nur schwer in Worte fassen: „Es sah aus wie organisiertes Chaos. Überall rennen Menschen hin und her, fragen nach Busverbindungen irgendwo hin, in der Luft hängt der Geruch von Verbranntem – die Leute haben Feuer gemacht, um sich zu wärmen, es war eisig kalt.“ An einer Sammelstelle spielte ein Mann an nonstop an einem Piano, stimmte Stücke wie „Imagine“ von John Lennon († 40) an. „Man war auf einen Schlag mittendrin, als ob man durch einen Fernseher direkt in der Realität gelandet wäre.“

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In Medyka: Menschen an der Sammelstelle im Grenzgebiet wollen nur eins – so schnell wie möglich weg.

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Zum Teil lagen haufenweise gespendete Klamotten herum, die Leute auf eigene Faust hintransportiert und abgeladen hatten. „Das ist Verschwendung. Besser wäre es, sich mit einer Hilfsorganisation zu verbinden, die Kontaktleute in der Ukraine hat“, findet der 28-Jährige. Die wissen immer genau, was benötigt wird.“ Ganz oben auf der Liste stehen etwa medizinische Artikel und Lebensmittel, Kleidung werde weniger benötigt.

Die Helfer aus Deutschland hatten nicht nur sprachlich ihre Mühen, sich mit den Menschen auszutauschen. „Es war teilweise auch schwer, sie davon zu überzeugen, sich medizinisch helfen lassen“, so zu Schaumburg-Lippe. Er selbst spricht ein bisschen russisch, „sobald die Leute das mitbekommen hatten, redeten sie auf einen ein. Selbst Übersetzer kamen nicht hinterher.“ Zum Teil bekam der 28-Jährige herzzerreißende Szenen mit – Frauen und Männer, die Angehörige suchten, eine Familie, die sich wiederfand.

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Helfende Hände: Donatus zu Schaumburg-Lippe (links) ist unter anderem mit Claus und Daniela Nossek-Bartosch (Paar in der Mitte) sowie Roman von Alvensleben unterwegs.

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Und er ist einer Frau begegnet, die ein Neugeborenes bei sich hatte, das Baby war drei Wochen alt. „Dieses Kind wird sein einstiges Zuhause nie kennenlernen, weil es nicht mehr so sein wird wie früher“, habe die stillende Mutter gesagt. Zu Schaumburg-Lippe: „Es war schlimm, zu sehen, dass Menschen realisieren, dass man ihnen ihr Zuhause genommen hat.“ Trotz allem sei er wahnsinnig freundlichen Menschen begegnet, „Menschen, die unfassbar stolz sind“.

Ein bisschen Hoffnung: Dieser Mann saß rund um die Uhr an seinem Piano und spielte Musik.

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Als „heroisch“ empfindet auch der Bückeburger, dass die Krise so viele Menschen zusammenschweiße: „Mich berührt es sehr, dass dieses kleine Land als ganzes Volk einem Giganten die Stirn bietet – und so die ganze Welt solidarisiert hat. Es zeigt, was es bedeutet, Mensch zu sein.“

So will zu Schaumburg-Lippe weiter helfen

Diese aufregende wie bewegende 2500-Kilometer-Reise wird nicht die letzte von Donatus zu Schaumburg-Lippe gewesen sein. Er steckt mit dem Interhelp-Team längst in Planungen und überlegt auch, die Wagenremise von Schloss Bückeburg in ein Spendenlager umzufunktionieren. „Diese Leute brauchen Hilfe, wir müssen sie unterstützen. Ich welcher Form auch immer.“

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Wer der Hamelner Hilfsorganisation Interhelp helfen möchte, kann spenden. Alle Infos auf www.interhelp.info

Von Mirjana Cvjetkovic

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