Springe: Bewährung für rechte Attacken
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MITTENDRIN: Patrick K. (mit Bart) am 22. November 2014 auf einer Neonazi-Demo in Chemnitz.
Springe. Das Ex-Mitglied von „Besseres Hannover“ wurde zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt - unter anderem wegen Übergriffen auf Sven Kindler, den Grünen-Bundestagsabgeordneten, und drei Kommunisten, darunter eine blinde Frau.
Die gemeinschaftlich begangene Körperverletzung am 27. Februar 2014 wog am schwersten. Mit Sturmmasken getarnt hatten drei Neonazis die Kommunisten in Linden überfallen, geschlagen und getreten. Ein als Zeuge geladener Polizist berichtete, die Blinde habe Patrick K. „an der Stimme wiedererkannt“ - und zwar als einen der ebenfalls mit Sturmmaske („Balaclava“) getarnten Neonazi-Koch in einer vierteiligen Youtube-Show. Patrick K. servierte dort rechte Botschaften und vegane Rezepte.
Der 21-Jährige („von Beruf ehrlich gesagt nix“) hatte in Pattensen mit einer Präzisionsschleuder und Glasmurmeln die Fenster eines Döner-Imbisses und von Büros von SPD und CDU zerschossen und eine Gedenktafel und einen Stolperstein für deportierte Juden beschmiert. An die Durchsuchung seines Autos nach Farbschmierereien konnte sich ein anderer Polizist gut erinnern: „Man findet nicht oft ein Bärenkostüm.“ Mit dem und den „Abschiebär“-Videos hatte die inzwischen verbotene Gruppierung „Besseres Hannover“ Ausländern Angst eingeflößt.
Die bekam auch Kindler, von K. attackiert und beschimpft als „Vaterlandsverräter“ und Schlimmeres, weil er sich gegen den Auftritt der umstrittenen Band „Frei.Wild“ ausgesprochen hatte.
„Es tut ihm leid. Er kann sich nicht erklären, was mit ihm los war“, nahm K.s Rechtsanwalt Andreas Junge aus Berlin dazu Stellung. Und später: „Mein Mandant macht reinen Tisch und erspart den Opfern, Erlebtes noch mal zu durchleben.“
Das wäre vielleicht am heftigsten gewesen für den in Hungerstreik getretenen Asylbewerber, den der Ex-Dachdecker-Lehrling (musste im dritten Jahr die Ausbildung abbrechen) mit Kameraden am Schillerdenkmal überfallen wollte. Die Truppe trug Quarzsandhandschuhe (für mehr Schlagkraft), Zahnschutz und Masken. Nur weil ein Polizeiwagen zufällig vorbeigefahren sei, so ein Zeuge, sei es nicht zur Tat gekommen.
Das Gericht sah trotz allem eine „günstige Sozialprognose“ gegeben. Der junge Mann mit dem Vollbart habe sich seit mehr als einem Jahr nichts zu Schulden kommen lassen. Aber 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit muss K. noch leisten.
Vera König
NP
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