Jannes Krone, Kai Ruhe, Damien Lewis, Ralf Blume

Spitzenleistung ohne Fleisch: Diese Hannover-Sportler ernähren sich vegan

Vegan und topfit: Ex-Recke Joshua Thiele (von links) und Recken-Spieler Jannes Krone, American Footballer Kai Ruhe und Ex-96-Physio Ralf Blume.

Vegan und topfit: Ex-Recke Joshua Thiele (von links) und Recken-Spieler Jannes Krone, American Footballer Kai Ruhe und Ex-96-Physio Ralf Blume.

Hannover. Fast 30 Jahre hat sich Ralf Blume (54) als Physiotherapeut um die Gesundheit von Spitzensportlern gekümmert. Bei einem gut funktionierendem Bewegungsapparat spielt auch Ernährung eine große Rolle. Selber ernährt sich Blume vegan. Und zwar aus tiefster Überzeugung, dass das für Sportler – und alle anderen Menschen – die gesündeste Lebensweise ist.

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Sie sind so leidenschaftlich bei dem Thema, dass man meinen könnte, Sie seien als Veganer geboren.

Es war das Gegenteil: Ich habe mich furchtbar lustig über Veganer gemacht, das ist mir heute echt unangenehm. Als mir ein hochgeschätzter Kollege im Februar 2012 schrieb, dass er jetzt vegan ist, lachte ich ihn aus. Sport und vegan – das passte für mich nicht zusammen.

Wie kam es zum Sinneswandel?

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Dieser Kollege schickte mir die zwei Links, die ihn zum Veganer gemacht haben: den Film "Earthlings" und ein Vortrag des Tierrechtsaktivisten Gary Yourofsky. Es war der Vorabend von einem 96-Auswärtsspiel in Freiburg. Und anstatt abends traditionell in der Hotelbar noch was mit den anderen zu trinken, ging ich in mein Zimmer und schaute mir die Videos an. Bevor ich mich schlafen legte, wusste ich: Ab morgen bin ich auch Veganer.

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Also sind Sie am Folgetag als Veganer erwacht?

Ja, aber komplett unvorbereitet. Ich aß am Frühstücksbüfett ein Brötchen mit Marmelade und dachte, mein kulinarisches Leben ist ab sofort vorbei. Für die Tiere war es mir das aber wert.

War Ihr kulinarisches Leben denn vorbei?

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Ganz im Gegenteil. Ich habe mich immer mehr mit dem Thema beschäftigt und auch die gesundheitlichen Vorteile entdeckt. Ich wurde zum militaristischen Hardcoreveganer, echt peinlich im Nachhinein (lacht). Vorher hat immer meine Frau gekocht, dann habe ich meine neue Leidenschaft darin gefunden und eine ganz neue Beziehung zum Essen und zur Ernährung aufgebaut. Heute koche ich meistens bei uns zu Hause.

Sie sind also irgendwann auf den Trichter gekommen, dass vegane Ernährung nicht nur für die Tiere gut ist, sondern auch für den Menschen.

Und vor allem auch für Sportler. Der menschliche Verdauungstrakt kann pflanzliche Nahrung viel besser verwerten als Fleisch. Der Darm von Fleischfressern ist weitaus kürzer als unserer, damit das Fleisch schneller ausgeschieden wird. Bei uns vergammelt es sozusagen im Verdauungstrakt. Beim Verdauen von Fleisch ist unser Körper sehr gefordert – das ist wichtige Energie, die dem Sportler verloren geht. Das ist alles kein Ammenmärchen mehr, es gibt mittlerweile genug wissenschaftliche Abhandlungen. Die WHO hat rotes Fleisch als gefährlich eingestuft.

Vegan bedeutet nicht nur Fleischverzicht. Wie stehen Sie zu Milchprodukten?

Die bringen nachweislich unseren Säurehaushalt durcheinander, und bis der Körper die Milchprodukte verwerten kann, muss er extrem viel Energie aufbringen. Dazu kommen die Entzündungshormone, die in Milchprodukten stecken. Nicht umsonst empfiehlt man Patienten, die Entzündungen in Gelenken haben, sich vegan zu ernähren.

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Haben Sie denn selbst Verbesserungen gespürt, als Sie Ihre Ernährung auf vegan umgestellt haben?

Sofort. Abgesehen davon, dass ich wie ein Junkie auf Entzug an der Supermarkt-Käsetheke vorbeigegangen bin (lacht). Aber nach zwei Wochen habe ich mich viel klarer im Kopf gefühlt, meine Sinne waren irgendwie geschärft. Und nach einem Vierteljahr ging es mir richtig gut. Früher waren meine Blutwerte normal, jetzt sind sie für mein Alter überdurchschnittlich gut.

Ralf Blume: Steckbrief

* 6. September 1967 in Gehrden. Ralf Blume wächst in Barsinghausen auf, wo er bis heute lebt. Nach dem Schulabschluss macht er eine Ausbildung und Examen als Physiotherapeut. Danach arbeitet er in der Praxis Korallus in Garbsen, die viele Sportler behandelt. Anfang der 90er übernimmt er mit dem TSV Northen-Lenthe seine erste Fußballmannschaft, danach TSV Havelese. Ende 1995 bekommt er einen Anruf von Mirko Slomka, ob er seine 96-A-Jugend behandeln möchte, was Blume zwölf Jahre macht. 2007 bietet ihm der damalige Profitrainer Dieter Hecking den Posten als Chef-Physiotherapeut der 1. Herren von Hannover 96 an. Diesen Job macht er weitere zwölf Jahre. 2019 kündigt er und widmet sich wieder mehr seiner eigenen Praxis in Barsinghausen, die er 1996 eröffnet hat und macht eine Weiterbildung zum Heilpraktiker. Vor sieben Jahren entwickelt er nach eigenen Schulterleiden das Therapietool Medical Flossing. Seit 2020 hat Blume einen Youtube-Kanal „Schmerz beiseite“, auf dem er Tipps aus Bundesliga und Praxis gibt.

Deshalb empfehlen Sie Ihre Ernährungsweise jedem Leistungssportler.

Wir kratzen im Profisport leistungstechnisch immer an der 100-Prozent-Marke. Es sind so viele Stellschrauben, an denen gedreht wird, um noch mehr rauszuholen. Die Stellschraube hat noch sehr viel Potenzial – das haben viele schon gemerkt, und in den nächsten Jahren werden es noch viele weitere für sich erkennen. Vorreiter waren unter anderem Arnold Schwarzenegger, Novak Djokovic, Ralph Möller und Patrik Baboumian.

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Sie sind seit zehn Jahren Veganer. Was hat sich seitdem im Sport getan, was die Einstellung zur veganen Ernährung betrifft?

Sie ist salonfähig geworden. Früher dachte man noch, so wie ich auch, vegane Ernährung im Sport funktioniert nicht.

Warum eigentlich?

Das Stichwort lautet: Eiweiß. Man dachte, Sportler brauchen Unmengen an Protein. Heute ist das überholt. Ja, mit veganer Ernährung nimmt man meistens weniger Eiweiß zu sich – aber vorher war es meistens schlichtweg mehr als nötig!

Wie sieht es mit den anderen Nährstoffen aus? Es heißt, Veganer müssen viel supplementieren, also Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen.

Vitamin B12: ohne Wenn und Aber! Was alles andere betrifft, sollte der vegane wie nicht vegane Mensch und Sportler regelmäßig seine Blutwerte nach Mangeln checken lassen. Ein Fleischesser kann genauso Mangelerscheinungen haben, das hat nichts mit veganer Ernährung zu tun. Außer mit Vitamin B12 kann man sich vegan optimal versorgen – aber auch kann man sich ungesund ernähren. Alle müssen auf Ausgewogenheit achten.

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Handballer (Recken) Jannes Krone: Vegan mit Teamkollege Joshua Thiele

Recken-Spieler Jannes Krone ist in der Handball-Bundesliga am Ball, die körperliche Performance muss immer stimmen. Der 24-Jährige aus Springe ist überzeugt: Die beste Leistung kann er mit einer rein pflanzlichen Ernährung bringen.

Vor zwei Jahren hat er seine Ernährung „von einen Tag auf den anderen“ auf vegan umgestellt. Damals wohnte er mit seinem Teamkollegen Joshua Thiele zusammen, dessen Freundin war Veganerin. „Dann wollten wir es auch mal ausprobieren“, erzählt Krone. „Uns ist aufgefallen, wie einfach es ist – und sind dabei geblieben.“ Schnell sind ihm körperliche Verbesserungen aufgefallen: „Ich war weniger müde, meine Regeneration war schneller, und ich hatte mehr Ausdauer.“

Vegan kochen in der WG: Jannes Krone (rechts) mit Joshua Thiele.

Vegan kochen in der WG: Jannes Krone (rechts) mit Joshua Thiele.

Anfangs habe er noch Spott im Sportbereich bekommen, heute sei die Akzeptanz groß. „Die Kollegen achten auch immer mehr darauf, Fleisch und tierische Lebensmittel zu reduzieren oder versuchen es ganz ohne.“ Recken-Kollege Vincent Büchner ist Vegetarier.

Auch Krones Freundin, die Reitsportlerin Tanina Schuldt (24) ist mittlerweile vegan, allerdings noch eine Stufe strenger: „Sie ernährt sich vor allem roh-vegan“– das bedeutet: kein gekochtes Essen, nur Rohkost.

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American Footballer (Hannover Grizzlies) Kai Ruhe: Veganer seit 2019

"In diesem Sport kannst du nicht vegan sein", bekam Grizzlies-Runningback Kai Ruhe (30) zu hören, als er Ende 2019 Veganer wurde. Doch der American Footballer, der nebenbei sechsmal wöchentlich Crossfit macht, bewies: es funktioniert. "Zu dieser Zeit kam immer mehr das Thema auf, dass vegane Ernährung im Sport leistungsunterstützend ist", erinnert er sich. "Ich wollte es einfach mal ausprobieren – so lange, bis ich an meine Grenzen stoße."

Doch die kamen nicht, im Gegenteil: „Es lief super, ich hatte gar keine Einbußen, war fit wie noch nie, auch der Kraftaufbau war möglich.“ Also blieb Ruhe dabei. „Es ist ein Irrglaube, dass Veganer zu wenig Protein bekommen und ständig Eiweißshakes trinken müssen – das funktioniert wunderbar über Hülsenfrüchte und Tofu“, so der Hannoveraner. „Und den Vitamin-B12-Status sollten auch Fleischesser checken lassen – die Tiere leben halt nicht mehr in der Natur, das Fleisch hat nicht mehr so viele Nährstoffe.“

Auch sein bester Freund ist mittlerweile Veganer, Ruhes Freundin isst mit ihm vegan – am liebsten Bolognese aus Soja. „Nur meine Mama findet es nicht so gut, dass ich vegan bin“, gibt der 30-Jährige zu und lacht.

Rugyspieler (Hannover 78) Damien Lewis: Vegan seit „The Game Changers“

Damien Lewis (32), Personaltrainer und Rugby-Spieler in der 2. Herren-Mannschaft von Hannover 78 (2. Bundesliga), schaute Ende 2019 den Dokumentarfilm "Game Changers", der sich um vegane Sportler dreht. Danach wurde er zum Veganer. "Vorher war ich Flexitarier, habe immer weniger Fleisch gegessen. Ich habe Sport studiert und mich viel mit Ernährung befasst, viele meiner Kommilitonen waren Vegetarier."

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Er ist sich sicher: Gesunde Ernährung hängt viel mit Bildung zusammen. „Wer sich mit dem Thema befasst, wird schnell merken, was am gesündesten ist“, sagt der 32-Jährige. „Wobei es in den Köpfen noch immer verankert ist, dass man für den Muskelaufbau Fleisch braucht.“

Im Rugby sei fleischfreie Ernährung noch exotisch. Im Surfsport, in dem Lewis als Lehrer arbeitet, gebe es viele Veganer. Durch die Ernährungsumstellung habe sich seine Ausdauerleistung verbessert. Durch den Mangel an Vitamin B12 habe er hingegen mit Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und einer schlechteren körperlichen Leistung zu kämpfen gehabt. „Ich habe mich lange dagegen gewehrt, etwas zu supplementieren. Aber B12 in Kapselform muss einfach sein!“

Von Josina Kelz

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