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Vorband für Sarah Connor

So freut sich Ela Steinmetz auf ihre Konzerte in Hannover

Starke Persönlichkeit: Ela Steinmetz kämpft nicht nur musikalisch für Gleichberechtigung und das Gute in der Welt.

Starke Persönlichkeit: Ela Steinmetz kämpft nicht nur musikalisch für Gleichberechtigung und das Gute in der Welt.

Hannover. 2014 wurde sie als Teil der Band Elaiza weltweit bekannt, das Trio hat Deutschland beim ESC in Kopenhagen vertreten. Aktuell ist Ela Steinmetz (29) als Support von Sarah Connor (41) auf Tour – und spielt im November sogar solo in Hannover.

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Frau Steinmetz, Ihre Tour hieß ursprünglich „Liebe & Krieg“ – von dem militärischen Ukraine-Russland-Konflikt war da noch keine Rede. Warum haben Sie den Namen in „Zusammen“-Tour geändert?

Der Grund ist eigentlich ganz einfach: Mein erstes Album hieß „Liebe & Krieg“, den Song, eine Klavierballade, habe ich meinen Eltern gewidmet. Sie haben immer zusammengehalten, egal, wie schwer sie es hatten. Aufgrund von Corona musste ich die Tour zweimal verschieben, habe parallel aber schon an neuen Songs gearbeitet und unter anderem den Song „Zusammen“ veröffentlicht. So kam es zu dem neuen Namen.

Sie haben ukrainische Wurzeln, was macht dieser Krieg mit Ihnen?

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Ich bin ein Drittel Ukrainerin, bin mit siebeneinhalb Jahren nach Deutschland gekommen. Ich bin ein Drittel Polin, weil meine Mama aus Polen stammt. Und ich würde sagen, dass ich ein Drittel Deutsche bin, weil mein lieber Stiefpapa Deutscher ist, ich einen deutschen Pass habe. Was den Krieg betrifft: Mein Herz blutet. Es ist schrecklich, dass das passiert und es jetzt nach vier Wochen fast schon normal ist, zu sehen, dass Menschen flüchten. Als es losging, haben wir ständig versucht, Kontakt zu Freunden aufzunehmen. Ich kenne Kiew aus Kindertagen und plötzlich sieht man Leute in der Stadt im Luftschutzbunker um ihr Leben bangen. Wie absurd – wir sind im Jahr 2022!

Mag Mode und Musik: Ela Steinmetz ist 2002 bei der Berliner Fashion Week zu Gast.

Mag Mode und Musik: Ela Steinmetz ist 2002 bei der Berliner Fashion Week zu Gast.

Wie geht es Ihren Freunden?

Ein paar konnten das Land schon eher verlassen, sind heute auf der Welt verteilt. Ein guter Freund, mit dem ich aufgewachsen bin, studiert in Kiew Ballett und kommt dort gerade einfach nicht weg. Weil er im richtigen Alter ist, um Soldat zu sein. Das ist so bitter. Es ist schwer zu sagen, was die Lösung ist. Ich wünsche mir von ganzem Herzen einfach nur Frieden.

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Sie haben gleich eine Hilfsaktion auf die Beine gestellt.

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Eine Freundin ist Weißrussin, eine andere Russin – wir haben Sachspenden organisiert. Außerdem habe ich Kontakt zur Aline-Reimer-Stiftung, die sich um krebskranke Kinder und Jugendliche kümmert. Über einen Arzt haben wir Kontakt zu einer Kinderonkologie vor Ort. Dort sterben gerade Kinder, weil sie nicht an Medizin kommen (kämpft mit den Tränen). Wir haben bei einem Benefizkonzert 35.000 Euro gesammelt und einen Lastwagen mit Medizin vollgeladen. Es war schön zu sehen, dass jeder so hilft, wie er kann. Genauso irre ist, es zu sehen, dass ein paar Grenzen weiter Menschen unnötig ums Leben kommen.

Elżbieta „Ela“ Steinmetz

*11. Oktober 1992 in Smila (Ukraine). Sie ist Tochter einer polnischen Mutter, die Opern- und Jazzsängerin ist, ihr ukrainischer Vater war Gitarrist in einer Rockband. Nach seinem Tod siedeln Mutter und Tochter nach Polen über, später nach Deutschland – ins Saarland, da ist sie acht Jahre alt. Als sie 2011 ihr Abitur macht, ist sie schon als Singer-Songwriterin tätig. 2014 tritt sie mit ihrer Band Elaiza und dem Song „It is right“ beim European Song Contest in Kopenhagen an, die Band belegt den 18. Platz von 26 Teilnehmern. 2020 veröffentlicht Ela ihr Debütalbum „Liebe & Krieg“. Sie lebt in Berlin. www.elasmusik.de

Wie sehr hilft Ihnen die Musik in dieser schlimmen Zeit?

Als der Krieg losging, saßen wir da und haben uns angestarrt, so paralysiert waren wir. Musik hilft mir sehr. Sie spiegelt den Zeitgeist wider. Seitdem ich klein war, habe ich über Musik Dinge, die um mich herum passieren, verarbeitet. Corona hat schon viele Kreative in ein Loch gestürzt, aber die Not hat auch erfinderisch gemacht: Wir haben zum Beispiel zeitzonenübergreifend über Zoom Musik gemacht und festgestellt, es geht. Diese neue Arbeitsweise hat motiviert. In der Zeit ein Album zu machen, war trotzdem schwer. Meine Mutter hat mir immer gesagt, dass Musiker Sonnenkinder sind und ihre Musik anderen Menschen in den schwersten Situationen helfen kann. Ein wunderschöner Gedanke.

Auf dem Roten Teppich: Kurt Krömer und Ela Steinmetz posieren bei der Verleihung des Deutschen Musikautorenpreis 2017 in Berlin.

Auf dem Roten Teppich: Kurt Krömer und Ela Steinmetz posieren bei der Verleihung des Deutschen Musikautorenpreis 2017 in Berlin.

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Sie schreiben Songs für Helene Fischer, Culcha Candela, Michael Patrick Kelly und Adel Tawil. Was ist anders, wenn Sie für andere Stars Lieder erschaffen?

Es ist eine Ehrensache, dass mich Künstlerinnen und Künstler aller Art anrufen, und fragen, ob ich nicht Bock hätte, mit ihnen ins Studio zu gehen. Als Künstler rührt man oft in seiner Suppe und ich habe die Ehre, Dinge aufzugreifen und in richtige Bahnen zu bringen. Man ist zusammen im Raum, und auch wenn man sich nie zuvor begegnet ist, entsteht eine besondere Energie und am Ende kommen Songs dabei heraus. Das ist nicht nur faszinierend und macht glücklich, sondern es ist auch ein Ausgleich, bei dem ich extrem viel dazulerne. Es ist schön, mal nicht die Künstlerin zu sein, sondern die Dinge von außen zu betrachten.

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„Wenn ich Nein sag, mein‘ ich Nein“ ist Ihr Song und Statement zum Thema Gleichberechtigung, veröffentlicht am Weltfrauentag.

Ich habe zwei Jahre an dem Song gearbeitet und nicht nur während dieser Zeit festgestellt, wie wenige Frauen wir in der Branche doch sind. Seit ich 16 bin, bin ich Musikerin und hatte rückblickend fast nur Männer um mich herum. Mit der Zeit habe ich mein Team immer bunter aufgestellt und immer mehr Frauen um mich geschart. Und es war nicht wirklich leicht, welche zu finden. Das macht mich traurig. In Statistiken bin ich darauf gestoßen, dass der Anteil an Produzentinnen nur 2,6 Prozent beträgt! Man weiß es zwar, aber wenn man die Zahlen schwarz auf weiß sieht, ist es echt erschreckend.

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Der Titel würde auch in die #Me-too-Bewegung passen.

Für mich ist das ein Satz, den viele Frauen kennen und der auf vielen Ebenen passt: ob es sexualisierte Gewalt ist, man ernstgenommen werden will, verfolgt wurde. Jede meiner Freundinnen hat den Satz schon einmal gesagt.

Was ist Ihnen häufiger untergekommen: Benachteiligung oder Belästigung?

Belästigung weniger, weil mich so etwas nicht einschüchtert. Benachteiligung dagegen kennt jede Frau. Ich bleibe mal in der Musik: Bei Radiosendern werden bei deutschsprachigen Popsongs drei Künstler und dagegen nur eine Künstlerin gespielt. Das Line-up auf Festivals muss ich gar nicht erst erwähnen.

Singen für Deutschland: (von links) Yvonne Grünwald, Ela Steinmetz und Natalie Plöger treten als Elaiza im Jahr 2014 beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen an.

Singen für Deutschland: (von links) Yvonne Grünwald, Ela Steinmetz und Natalie Plöger treten als Elaiza im Jahr 2014 beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen an.

Mit Ihrer Band Elaiza singen Sie auf Englisch, solo drücken Sie sich auf Deutsch aus.

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Das war ein Prozess. Nach unserem Auftritt beim ESC haben sich viele Türen geöffnet und irgendwann wurde ich gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, auch deutsche Songs zu schreiben. Nicht unbedingt einfach, weil es im Deutschen superdirekt und superehrlich ist und die Sprache härter ist als die englische. Es war eine Überwindung. Aber je mehr ich für andere auf Deutsch geschrieben habe, desto mehr habe ich zu mir gefunden und festgestellt, wie cool das ist. Dann wollte ich ein deutsches Album.

Das Sie in Eigenregie veröffentlicht haben.

Ich hatte weder mit der Band noch als Solistin ein richtiges Management. Aber durch das Songwriting kannte ich diese ganzen Label-Menschen. Plötzlich meldeten sich viele und wollten, dass ich besser so oder so klinge, eine andere Richtung einschlage oder besser aussehen sollte, wie Der- oder Diejenige. Ich habe gesagt, das Album bleibt so, wie es ist – oder es gibt keins. Ich habe nicht eingesehen, mich zu verbiegen. Ich wusste, dass es so genau so ist, wie ich nun mal bin.

Musikerinnen unter sich: Ela Steinmetz mit Sarah Connor (rechts).

Musikerinnen unter sich: Ela Steinmetz mit Sarah Connor (rechts).

Und dann?

Hat es Sarah Connor geteilt! Wir sind uns nie vorher begegnet, durch einen Fan ist sie an meinen Song „Fahrtwind“ gekommen. Am selben Tag rief die Plattenfirma Sony an (lacht). So hat sich auch eine Freundschaft zu ihr entwickelt.

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Nicht nur das.

Ich bin auf ihrer Tour der Support und finde das total schön. 2019 habe ich sie schon einmal begleitet. Diese Frau ist einfach krass: eine unglaubliche Sängerin, eine unglaubliche Songwriterin, ein toller Mensch und eine richtig starke Mama. Sie ist der bodenständigste Mensch überhaupt. Ich habe viel von ihr gelernt.

2014 in Hannover: Ela Steinmetz (Mitte) mit ihrer Band Elaiza (links Yvonne Grünwald , rechts Natalie Plöger) bei der NDR-Talk-Show zu Gast auf dem Messegelände.

2014 in Hannover: Ela Steinmetz (Mitte) mit ihrer Band Elaiza (links Yvonne Grünwald , rechts Natalie Plöger) bei der NDR-Talk-Show zu Gast auf dem Messegelände.

Im November kommen Sie nochmal nach Hannover, spielen dann im Lux am Schwarzen Bären. Wie gut kennen Sie die Stadt?

Mein Tonmann kommt aus Hannover! Im Lux habe ich bereits als Support gespielt, mich in den Laden verliebt und mir immer gesagt: Hier musst du auch mal auftreten. Ich habe dort so viel Herzlichkeit und Liebe erfahren, dass es unumgänglich war, nach Hannover zu kommen.

Ela Steinmetz tritt als Support von Sarah Connor am 27. März in der ZAG-Arena auf. Beginn ist um 20 Uhr. Tickets kosten zwischen 60,40 und 90,40 Euro und sind in den NP-Ticketshops (etwa Lange Laube 10) erhältlich oder online unter neuepresse.de/tickets

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