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Expertengespräch

Reaktionen auf Chicos Tod: Grenze überschritten?

Hund Chico: Am Montag wurde der Stafforshire-Terrier eingeschläfert.

Hund Chico: Am Montag wurde der Stafforshire-Terrier eingeschläfert.

Hannover.Chico ist tot. Und Wut, Hass und Entrüstung der selbsternannten Tierschützer scheint keine Grenzen mehr zu kennen. Doch haben die Racherufe nach der Einschläferung des Staffordshire-Mischlings überhaupt noch etwas mit Tierliebe zu tun oder ist die Grenze zum Wahn längst überschritten? Die NP suchte Antworten bei Experten.

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Die Tierethikerin Ursula Wolf erklärt sich die immer größer werdende Aufmerksamkeit, die Tieren heute zuteil wird, mit einem schlechten Gewissen. Dieses könne bei einigen durch tierisches Elend, etwa in Massentierhaltung, ausgelöst werden. Und das werde durch die Vermenschlichung einzelner Exemplare wettgemacht, so Wolf. Darin zeige sich zudem die immer größer werdende Entfremdung von Mensch und Natur. Es münde in der völlig falschen Annahme, Mensch und Tier seien gleichwertig.

Dass das auch juristisch eine Fehleinschätzung ist, zeigt ein Blick in den Gesetzestext des Bürgerlichen Rechts. Dort ist in Paragraf 90a geregelt, dass Tiere zwar keine Sache sind. Allerdings sind die für Sachen geltenden Vorschriften auf Tiere anzuwenden. Die Vorwürfe einzelner Tierschützer, Chico habe die Todesstrafe erhalten, ist daher juristisch schlichter Unfug.

Ursula Wolf hat zunehmend das Gefühl, dass die Zahl überreagierender Tierschützer seit der Jahrtausendwende immer größer werde. Interessant dabei: Die Zahl der Haushalte in Deutschland, in denen ein Hund lebt, ist in diesem Zeitraum nicht gestiegen, liegt laut Statistiken weiter kontinuierlich bei etwa acht Millionen.

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Auch Psychologe Christian Lüdke kann die Haltung der Tierschützer im Fall Chico in keiner Weise nachvollziehen: „Diese Menschen blenden völlig aus, dass zwei Menschen ums Leben gekommen sind, es gibt kein Mitgefühl für die Opfer. Das ist nicht zu fassen!“ Hund und Mensch auf eine Ebene zu stellen, sei absurd, ebenso die nicht enden wollende Diskussion, ob das Tier eine zweite Chance verdient hätte. Lüdke: „Ein Menschenleben ist immer mehr wert als ein Hund.“ Der Psychologe glaubt aber, dass es den vermeintlichen Tierschützern auch gar nicht um Chico selbst ging: „Sie missbrauchen das Thema für ihre eigenen niederen Zwecke. Um von anderen Themen, sehr wahrscheinlich auch von eigenen Unzulänglichkeiten, abzulenken, vielleicht auch um zu provozieren.“ Mit ihrer Wut und Entrüstung bauen diese Menschen Spannungen ab, so Lüdke: „Chico und auch alle anderen Tiere, zu deren Rettern sie sich aufschwingen, dienen nur als Ventilfunktion. Das ist die schlichte Wahrheit.“

Von Britta Lüers

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