Hoteldirektor, Gastronom, Buchautor

Sven Oliver Neitzel ist von Beruf Genussmensch – und kennt das Geheimnis der Pizzavariante Pinsa

Gastronomischer Allrounder: Sven Oliver Neitzel im „Pier 51“, das er mit Kollegen im Jahr 1999 eröffnet hatte.

Gastronomischer Allrounder: Sven Oliver Neitzel im „Pier 51“, das er mit Kollegen im Jahr 1999 eröffnet hatte.

Hannover. Wenn jemand nach so vielen Jahren in seinem Business immer noch für seine Branche brennt, hat er seine Berufung gefunden. „Ich empfinde es als Privileg, in einem Berufsfeld zu arbeiten, das so viel Spaß macht und so erfüllend ist“, sagt Sven Oliver Neitzel (58).

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Es ist bloß gar nicht so einfach zu sagen, was der Hannoveraner von Beruf ist. Neitzel studierte Betriebswirtschaft in Paderborn, machte eine Ausbildung zum Hotelfachmann in Düsseldorf, schloss das Studium des Hotelmanagements in den USA an. Er eröffnete in Hannover das Seidler Hotel Pelikan (heute Sheraton Pelikan) und Locations wie das „Pier 51“ oder die „Havanna Lounge“.

Alte Freunde: Peter Dührkoop (links) war in den 1990er-Jahren Barchef in „Harry’s New York Bar“, Sven Oliver Neitzel leitete das Seidler-Hotel Pelikan.

Alte Freunde: Peter Dührkoop (links) war in den 1990er-Jahren Barchef in „Harry’s New York Bar“, Sven Oliver Neitzel leitete das Seidler-Hotel Pelikan.

Der zweifache Vater war selbstständig mit einer Event- und Marketingagentur und leitet jetzt seit 2014 für die Edeka-Gruppe die Abteilung Gastronomie National. Und nun hat er auch noch ein Kochbuch über die Pizzavariation Pinsa geschrieben, das er am 25. November bei Leuenhagen & Paris vorstellt.

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„Wo ich bin, muss was los sein“

„Durch mein Leben ziehen sich alle Facetten von Essen, Trinken, Feiern und Veranstaltungen“, sagt er und lacht. „Wo ich bin, muss was los sein.“ So wie im Jahr 1994, als er das Angebot bekam, das Seidler Hotel Pelikan aufzubauen. „Das war für mich als Hannoveraner eine Ehre. Das ehemalige Pelikan-Gebäude war entkernt, es war ein so historisches und beeindruckendes Gebäude“, erinnert sich der 58-Jährige an den Umbau der legendären Farben- und Tintenfabrik im Nordosten Hannovers.

1995 wurde das Seidler-Hotel als erstes registriertes Designhotel Deutschlands eröffnet, drei Jahre sollte Neitzel Direktor der noblen Adresse sein. „Die Kombination aus alter Geschichte und dem modernen Konzept war legendär.“ Gleiches galt für die Partys, die in der angesagten „Harry’s New York Bar“ in dem Hotel stiegen, und die Prominenz, die in Hannover abstieg. „Fünf Jahre lang waren wir das ATP-Players-Hotel“, sagt Sven Oliver Neitzel.

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Wenn sich in den 1990er-Jahren die Elite des Tennissports in Hannover versammelte, übernachteten Ikonen wie Pete Sampras (51) oder Andre Agassi (52) im heutigen Sheraton Hannover Pelikan. Nur einer nicht: „Boris Becker bevorzugte als Einziger das Maritim Grand Hotel am Rathaus“, sagt Neitzel mit einem Grinsen: „Er war hochnäsig und ein Outsider.“ Nach einer „Wetten, dass“-Show in Hannover im Jahr 1996 ließen sich auch Hollywoodstar Arnold Schwarzenegger (75) und Musiker Phil Collins (71) an der Hotelbar blicken – anstatt auf der ZDF-Aftershow mitzufeiern.

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Prominenter Gast im Sheraton: Im Jahr 1996 besucht Hollywoodstar Arnold Schwarzenegger (links) „Harry’s New York Bar“ – Sven Oliver Neitzel freut es.

Prominenter Gast im Sheraton: Im Jahr 1996 besucht Hollywoodstar Arnold Schwarzenegger (links) „Harry’s New York Bar“ – Sven Oliver Neitzel freut es.

Auch das gastronomische Konzept des Hotels war ein Novum. Mit dem „Edo“ eröffnete ein japanisches Restaurant mit Grillplatten auf den Tischen, auf denen die japanischen Köche vor den Gästen die Speisen zubereiteten. „Wir hatten 14 festangestellte japanische Arbeitskräfte“, erinnert sich der Hotelexperte, für den die interkulturellen Begegnungen weniger fremdartig waren als für andere im Team.

Seine ersten zehn Jahre lebte er in Mexiko-City

Neitzel wurde zwar in Hannover geboren, seine ersten zehn Lebensjahre verbrachte er aber in Mexiko-City. „Mein Vater arbeitete dort als Manager eines internationalen Metallkonzerns.“ Der kleine Sven Oliver wuchs zweisprachig auf, besuchte die internationale Alexander-von-Humboldtschule und hatte nur wenig Kontakt zur Heimat. „Ich dachte“, sagt er und muss lachen, „dass die Kinder in Deutschland mit dem Schlitten zur Schule fahren“.

1998 machte sich der umtriebige Mann („Ich muss regelmäßig was Neues machen“) mit der Event- und Marketingagentur Vision & Concept selbstständig, beriet Hotels, Gastronomen und Medien. Mit neun Partnern eröffnete Neitzel die legendäre „Havanna Lounge“ an der Georgstraße und 1999 das „Pier 51“ – mit seinem guten Freund Peter Dührkoop (52), mit Gastronom Frank Ochotta (58) und den damaligen Hannover-Concerts-Chefs Michael Lohmann (70) und Wolfgang Besemer (†61).

Bei der Eröffnung des „Pier 51“: (von links) Sven Oliver Neitzel, Alex Grabowski von der Agentur Next Generation, Frank Ochotta und DJ Wolf Kolster feiern am Maschsee.

Bei der Eröffnung des „Pier 51“: (von links) Sven Oliver Neitzel, Alex Grabowski von der Agentur Next Generation, Frank Ochotta und DJ Wolf Kolster feiern am Maschsee.

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2004 zog es ihn wieder in das Hotelfach. Für den Bundesverband der Betriebskrankenkassen möbelte Neitzel drei Hotels in Hessen, Berlin und der Schwäbischen Alb auf, die vorher bessere Jugendherbergen gewesen waren. „Das war mal wieder etwas ganz Neues, das riesigen Spaß gemacht hat.“ Er integrierte Kochschulen, veranstaltete Caterings und Weinfeste – Kulinarik und Genuss als roter Faden.

Er lebt mit Mutter und Sohn in Kleefeld

Der 58-Jährige, der mit seiner Mutter Bärbel (86) und seinem Sohn Phillip (19) in Kleefeld lebt (Tochter Alexa, 17, absolviert ein Auslandsjahr in den USA), kocht auch privat leidenschaftlich gern und liebt es, auf Märkten einzukaufen. „Einmal bin ich mit dem Spitzenkoch Eckart Witzigmann zwei Stunden über den Viktualienmarkt in München gegangen – ein Highlight!“

Jetzt auch Kochbuchautor: Sven Oliver Neitzel mit seinem Pinsa-Rezeptbuch.

Jetzt auch Kochbuchautor: Sven Oliver Neitzel mit seinem Pinsa-Rezeptbuch.

Vor vier Jahren hörte der Genießer erstmals von dem Gericht Pinsa, das sich seither zum Trendfood mausert. „Die Pinsa ist einer Pizza ähnlich, aber der Teig aus verschiedenen hochwertigen Mehlsorten ruht bis zu 72 Stunden und ist viel bekömmlicher als eine Pizza.“ Bei seiner Recherche stieß er auf die Italienerin und Pinsaexpertin Daniela Taglialegne, die in Süddeutschland lebt. Er nahm Kontakt auf – und das Duo beschloss, ein Pinsabuch herauszubringen (Daniela Taglialegne, Sven Oliver Neitzel: „Pinsa“. AT-Verlag, 216 Seiten, 25 Euro).

Das stellt Neitzel nun am Freitag, 25. November, ab 19.30 Uhr in der Buchhandlung Leuenhagen & Paris vor (Lister Meile 39, 15 Euro). Dort spricht er über den Trend und bereitet einige belegte Fladen zu, die das Publikum probieren kann. Er ist nun also auch unter die Autoren gegangen – wieder mal etwas Neues im weiten und stets genussreichen Berufsfeld von Sven Oliver Neitzel. „Ich denke schon über das nächste Buchprojekt nach“, sagt er mit einem Schmunzeln.

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