Zigeunersauce

Namensstreit: Diese Sauce ist einigen zu pikant

FORDERN DIE UMBENENNUNG: Regardo Rose (Zweiter von rechts)und Leonhard Oehle (links daneben) vom „Forum für Sinti und Roma“ sowie die AnwälteDündar Kelloglu (rechts) undKerstin Rauls-Ndiaye.Foto: Wilde

FORDERN DIE UMBENENNUNG: Regardo Rose (Zweiter von rechts) und Leonhard Oehle (links daneben) vom „Forum für Sinti und Roma“ sowie die Anwälte Dündar Kelloglu (rechts) und Kerstin Rauls-Ndiaye.

Hannover. Damit hatten sie wohl in ihren kühnsten Träumen nicht gerechnet: Mehrere Fernseh- und Radiosender meldeten sich gestern nach der Berichterstattung der NP beim hannoverschen Verein „Forum für Sinti- und Roma“. Dessen Forderung, die Zigeunersauce umzubenennen, sorgte bundesweit für Aufmerksamkeit. „Wir hoffen, dass das den einen oder anderen zum Nachdenken bringt und in den Köpfen etwas auslöst. Wir möchten, dass die Leute merken, dass das für uns diskriminierend ist“, sagt Regardo Rose, der Vorsitzende des Vereins.

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Immerhin: Der Verband der Hersteller kulinarischer Lebensmittel, dem auch die großen Saucen-Fabrikanten angehören, hat angekündigt, das Thema mit den betroffenen Unternehmen zu diskutieren.

Allerdings will man nur ungern die Zigeunersauce umbenennen. „Bei Zigeunersauce wissen die Leute sehr genau, was gemeint ist. Es wäre eine große Herausforderung, sich etwas Neues zu überlegen“, sagt Markus Weck, Geschäftsführer des Verbandes. Er glaubt, dass der Begriff „nur sehr schwer zu ersetzen wäre. Das würde man nicht ohne sehr gewichtigen Grund einfach ändern“, so Weck.

Aber wie könnte die Zigeunersauce stattdessen heißen? Der Zentralrat der Sinti und Roma warnt vor einer dogmatischen Sprachregelung und rief zu einem kritischen, reflektierten Sprachgebrauch auf. Bei Begriffen wie Zigeunersauce oder Zigeunerschnitzel sei es unsinnig, den Begriff „Zigeuner“ durch die Eigenbezeichnung „Sinti und Roma“ zu ersetzen. Das ziehe das eigentliche Anliegen der Sinti und Roma ins Lächerliche.

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„Aber das will doch auch niemand“, betont Regardo Rose. Er kann sich vorstellen, dass die Zigeunersauce in Zukunft „Scharfe Sauce“, oder „Paprika-Zwiebel-Sauce“ heißt. Auch „Puszta-Sauce“ sei eine Möglichkeit - ein Begriff, der tatsächlich auch heute schon für Zigeunersauce verwendet wird und auf einen Landstrich im Zentrum Ungarns zurückgeht. In „Pinkenburgs Steak- und Schnitzelhaus“ in Groß-Buchholz wird zum Beispiel bereits das Schnitzel nach „Puszta-Art“ statt des Zigeunerschnitzels angeboten. „Und wir wollen ja auch niemandem seine Sauce wegnehmen. Wir möchten nur, dass sie einen neuen Namen bekommt“, sagt Regardo Rose, dessen Verein den Saucen-Herstellern auch bereits seine Hilfe bei der Namenssuche angeboten hat.

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