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Abschied

Nach 28 Jahren: Werner Buss verlässt GOP-Varieté

Er steht für das GOP: Werner Buss leitete 15 Jahre das Haus in Hannover, ist Künstlerischer Direktor der GOP Entertainment Group.

Er steht für das GOP: Werner Buss leitete 15 Jahre das Haus in Hannover, ist Künstlerischer Direktor der GOP Entertainment Group.

Hannover.Das erste Mal kam ihm der Gedanke im Jahr 2014. Doch er schob ihn weg, ließ sich überzeugen, weiterzumachen. Denn als künstlerischer Direktor der GOP Entertainment Group ist Werner Buss (feiert am 11. November seinen 58.), der das Varieté an der Georgstraße 15 Jahre lang leitete, heute zuständig für sieben Häuser, 1000 Mitarbeiter, Dutzende Shows. "Ich denke in Sieben-Jahres-Schritten", sagt der Mann, der von sich behaupten kann, das Varieté in Deutschland mit neu erfunden zu haben. Nach 28 Jahren ist Schluss. "Die Premiere des Wintervarietés am 19. November wird mein letzter Hannover-Auftritt."

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Das letzte Kapitel ist es aber noch nicht ganz: Die Pandemie durchkreuzte auch Buss’ Pläne. Wegen des monatelangen Lockdowns gab es einen Stau an Uraufführungen – zwei Shows, die der 58-Jährige konzipiert hat, gehen erst Mitte Januar in Essen und Bonn über die Bühne. Und dann? „Ich mache eine Pause“, sagt Buss und meint damit vier Wochen Ayurveda-Kur auf Sri Lanka („Ich will körperlich und geistig detoxen“).

Das Tempo der vergangenen 28 Jahre geht nicht mehr

Und auch danach das Tempo runterfahren. „So wie in den vergangenen 28 Jahren geht das nicht mehr“, sagt er mit Blick auf sein Alter, das man ihm nicht wirklich ansieht. Kein Nikotin, kaum Alkohol, viel Sport – „aber meine Regenerationsphasen werden länger“, hat er festgestellt. Bis zu 200 Tage im Jahr war er für das GOP unterwegs. Regiebesprechungen bis nachts um zwei, im Zug zum nächsten Theater um sechs Uhr morgens – das war normal.

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Immer unterwegs: Werner Buss reiste als Kreativ-Direktor nach dem Termin in Hannover weiter zu anderen Häusern der Varieté-Gruppe.

Immer unterwegs: Werner Buss reiste als Kreativ-Direktor nach dem Termin in Hannover weiter zu anderen Häusern der Varieté-Gruppe.

Bis Corona kam. Buss weiß um die fatalen Folgen der Pandemie für Gesundheitswesen und Kulturbetrieb. Für ihn fühlten sich zwei Lockdowns und viel Homeoffice aber auch ein bisschen wie eine Auszeit an. „Ich bin daheim angekommen“, sagt er über München, wo er seit 2009 mit seiner Lebensgefährtin Nicola Wucher (48, Vize-Direktorin des GOP München) lebt. „Und konnte schon mal Erfahrungen sammeln für die Zeit danach“, scherzt er.

Seit 2008 ein Paar: Werner Buss und Nicola Wucher, Vize-Direktorin des GOP in München.

Seit 2008 ein Paar: Werner Buss und Nicola Wucher, Vize-Direktorin des GOP in München.

Sein Ausstieg kam nicht über Nacht. "Obwohl es schon ein Schlüsselerlebnis gab", sagt er mit nachdenklicher Stimme über den plötzlichen Tod von Wolfgang Besemer (†61) Ende 2014. Er habe den Hannover-Concerts-Chef nicht gut gekannt, der Todesfall habe ihn trotzdem aufgerüttelt – "ich habe angefangen, über das Loslassen nachzudenken."

Das sollte ein langer Prozess werden, Ende 2018 stand sein Entschluss fest. Der Countdown lief drei Jahre: „Unsere Shows werden lange im Voraus konzipiert, es ist für mich eine Herzensverpflichtung, alles zu Ende zu führen.“ Und dem Arbeitgeber die Chance zu geben, neue Strukturen und Zuständigkeiten zu installieren.

Und was kommt danach? „Ich bin neugierig“, sagt Buss und man sieht das enthusiastische Glitzern in seinen Augen. „Es gibt noch so viel, was ich noch nie gemacht habe.“ Er habe Lust, Kulturprojekte von Anfang bis zum Ende zu begleiten, er schwärmt vom „neuen Zirkus“, der Symbiose verschiedener Kunstformen, kann sich aber auch unternehmerische Aufgaben vorstellen. „Ich habe Erfahrungen aus 40 Jahren Hotellerie, Tourismus und Veranstaltungsmanagement.“ Als Jungspund war er (damals noch langhaarig) Animateur in Ferienressorts. Ein drittes Standbein hat er auch noch im Auge: „Ich halte gerne Vorträge.“

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Entertainer mit Herz: Werner Buss fing als Animateur in Ferienressorts an (links), im GOP war er Kreativ-Direktor für alle Häuser.

Entertainer mit Herz: Werner Buss fing als Animateur in Ferienressorts an (links), im GOP war er Kreativ-Direktor für alle Häuser.

Und dann ist da noch die Oparolle. Vor zehn Monaten kam Enkel Oskar zur Welt, „das sind ganz große Gefühle“, sagt der 58-Jährige, dessen Sohn Jannik (32) mit seiner Familie in Mittenwald in der Nähe von Garmisch lebt. „Als ich das GOP in Hannover übernahm, war er vier Jahre alt“, blickt Buss zurück auf die 90er Jahre, als er und sein Team rund um die Uhr ackerten, um Varieté in Hannover – und später in vielen anderen deutschen Städten – wieder salonfähig zu machen.

Buss hat Wegbegleiter und Freunde in Hannover

Heute blickt er zurück auf eine GOP-Erfolgsgeschichte, an der er großen Anteil hatte. "Ich spüre eine große und tiefe Dankbarkeit", sagt er über Erlebnisse und Freundschaften die in den Hannover-Jahren entstanden. Erwin Schütterle (77) habe ihn unter seine Fittiche genommen, vom damaligen Mövenpick-Chef Dietmar Althof (70) habe er gelernt, das "Qualität und Herzlichkeit immer zusammengehören". Erkenntnisse, die auch Buss weitergegeben hat: Der heutige Direktor Dennis Bohnecke (43) war einst Buss' Azubi. "Viele Kollegen bleiben Freunde, ich liebe Menschen", sagt der 58-Jährige.

Gute Freunde: Werner Buss (links) stellte Dennis Bohnecke als Azubi ein, übergab später das Direktorenamt für das Varieté in Hannover an ihn.

Gute Freunde: Werner Buss (links) stellte Dennis Bohnecke als Azubi ein, übergab später das Direktorenamt für das Varieté in Hannover an ihn.

Das

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Wintervarieté „Sombra“

und die

aktuelle GOP-Show „Sailors“

bezeichnet er als „meine Abschiedsgeschenke für die Stadt. Hannover ist meine Heimat.“ Was die Zukunft bringe, müsse er jetzt noch nicht wissen – „das ist eine Wahnsinns-Errungenschaft“, sagt er stolz. Ahnt aber auch, dass es vermutlich die Ruhe vor dem Sturm ist. „Ich bin ein Getriebener, ein Vulkan, ein Wirbelwind“, sagt er über sich selber. „Ich stand immer für das Morgen.“ Wir sind gespannt, was es bringen wird!

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Von Andrea Tratner

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