Justiz

Mobbing in Firma: Angestellte bekommt Schmerzensgeld

hannover. Die Hürden für Mobbing-Klagen liegen hoch. Mitarbeiter müssen systematisch ohne dienstlichen Zusammenhang und vorsätzlich benachteiligt werden. Dieser Nachweis ist sehr schwierig. Anna Loos (25, Name geändert) hat ihren Arbeitgeber, eine Baufirma, jetzt erfolgreich verklagt. Das Arbeitsgericht sprach der Frau Schmerzensgeld in Höhe eines halben Bruttomonatsgehalts (1800 Euro) zu.

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„Ich empfinde das als Genugtuung“, sagte die Frau nach dem Prozess. Seit 2015 arbeitete die attraktive Frau für die Firma als technische Angestellte. Bis zum April 2017 war auf der Arbeit alles in Ordnung. Dann kam eine neue Geschäftsführerin ins Haus.

Neues Büro ohne PC und Telefon

Fortan habe es Schikanen gegeben, sagte Anwalt Michael Timpf am Donnerstag. Anna Loos wurde in ein anderes Büro versetzt, fernab von ihren Kollegen. In dem Büro gab es weder PC noch Telefon. Erst mit anwaltlicher Hilfe konnte die Frau durchsetzen, wieder an die normale technische Kommunikation angeschlossen zu werden. E-Mail und Datenbank der Firma blieben aber weiterhin für die Angestellte gesperrt.

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Doch nicht genug der Schikane: Im Juli 2017 musste die Mitarbeiterin ihre Schlüssel abgeben. Fortan musste sie wie in Pizzabote nach jeder Pause klingeln, um wieder ins Büro zu gelangen. Ein Zwischenzeugnis wurde der Klägerin verweigert. In der Güteverhandlung im August 2017 wies das Gericht den Arbeitgeber darauf hin, dass die Mitarbeiterin das Recht auf ein Zwischenzeugnis hat.

Schlechtes Arbeitszeugnis überzeugt Gericht

Letztendlich war das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Kurz vor dem Kammertermin lag dann das Arbeitszeugnis vor. „Es war das schlechteste Arbeitszeugnis, das ich in den letzten 20 Jahren gelesen habe“, sagt Anwalt Timpf. Darin standen Passagen wie „man konnte ihr in der Regel vertrauen“. Übersetzt heißt das: Häufig konnte man der Mitarbeiterin nicht vertrauen. Ein anderes Beispiel: Das Verhalten gegenüber Kunden und Kollegen war in Ordnung. Es fehlt der Begriff „Vorgesetzte“. Soll heißen: Das Betragen der Kollegin gegenüber Vorgesetzten war alles andere als in Ordnung.

„So etwas schreibt man, wenn man die Zukunft eines Menschen versauen will“, erklärt Timpf. Das Arbeitsgericht hat es ähnlich gesehen. Die junge Frau hat sich mittlerweile einen anderen Arbeitsplatz gesucht. Und woher rührt das Motiv für das Mobbing. Der Anwalt hat nur eine Erklärung: „Meine Mandantin ist attraktiver als die Geschäftsführerin.“

Von Thomas Nagel

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