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Film-Premiere im Astor

Menschenrechtsaktivistin Tekkal stellt Doku in Heimatstadt Hannover vor

Kämpft unermüdlich: Düzen Tekkal setzt sich für verfolgte Menschen ein.

Kämpft unermüdlich: Düzen Tekkal setzt sich für verfolgte Menschen ein.

Hannover.Wer in diesen Tagen ins Kino geht, tut dies, um sich zu amüsieren. Das, was Düzen Tekkal (43) kürzlich im Astor an der Nikolaistraße im Gepäck hatte, war allerdings alles andere als amüsant: Hannovers Menschenrechtsaktivistin und Filmemacherin präsentierte erstmals vor heimischem Publikum ihre aktuelle Doku "Jiyan".

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„Es ist sehr besonders für mich, den Film in meiner Heimatstadt zu zeigen“, so die 43-Jährige vor Filmbeginn. Mit gemischten Gefühlen würde sie ihr Werk präsentieren, wohl wissend, „dass ich das Glück hatte, als Jesidin in Frieden geboren worden zu sein“. Das Schicksal ihrer Glaubensgemeinschaft hat Tekkal in dem Film aufgegriffen. Darin erzählt sie die Geschichte von Najlaa Matto (35), die mit Beginn des Genozids an ihrem Volk im Jahr 2014 von IS-Terroristen verschleppt, versklavt und vergewaltigt und in ihrer Gefangenschaft dreimal verheiratet worden ist. Nach ihrer Befreiung wollte Matto nur eins: ihr Heimatdorf im Norden des Irak besuchen, Düzen Tekkal begleitete sie.

IS-Überlebende Matto kämpft für Frauen mit ähnlichem Schicksal

Auch an dem Abend im Astor war die 35-Jährige, die mittlerweile in Hannover lebt, dabei: „Ich habe schreckliche Dinge erlebt, ich dachte, ich muss sterben“, sagte sie. „Aber ich lebe noch.“ Und ihr neues Leben will sie nun als Aktivistin den Frauen widmen, die ein ähnlichen Schicksal hatten und haben, „im Irak, im Kongo, in Syrien und in Mali. Für diese Frauen stehe ich hier und spreche darüber, obwohl es wehtut“.

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Während des Films verließen einige Zuschauer den Saal, zu heftig war das, was über die Leinwand flimmerte. „Es ist schwer, nach so einem Film ein politisches Statement abzugeben. Das Schicksal der Menschen ist unsäglich“, sagte Maria Flachsbarth (58), die bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit auf der Bühne saß. Die Politikerin ist Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der Düzen Tekkal und ihren Verein „Háwar“ unterstützt. „Wir haben die Verantwortung zu versuchen, dass diese Frauen einen Weg dort hinaus finden“. Aktuell befinden sich noch etwa 3000 Frauen und Kinder in IS-Gefangenschaft.

Im Gespräch: Filmemacherin Düzen Tekkal (links), die IS-Überlebende Najla Matto, und Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay im Astor.

Im Gespräch: Filmemacherin Düzen Tekkal (links), die IS-Überlebende Najla Matto, und Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay im Astor.

Auch Oberbürgermeister Belit Onay (40) nahm sich für die Hannover-Premiere von „Jiyan“ etwas Zeit, tauschte sich mit Tekkal und Matto aus. „Ich habe wahnsinnigen Respekt vor dem, was diesen Menschen widerfahren ist. Da bleibt einem ein Kloß im Hals stecken“, so der OB. Er wolle handeln und helfen. Im Hinblick auf Düzen Tekkal sagte er der NP: „Wenn Menschen heute wissen, was dem Volk der Jesiden passiert ist, was insbesondere den Frauen angetan worden ist, hat sie einen sehr großen Beitrag geleistet. Auch unter der Gefährdung ihres eigenen Lebens. Und dafür zolle ich ihr Respekt.“ Täter wie Taten dürften nicht unentdeckt bleiben.

Von Mirjana Cvjetkovic

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