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„Drei ???“ im Wilhelm-Busch-Museum

Matthias Bogucki besitzt den Nachlass der „Drei ???“-Künstlerin Aiga Rasch

Verwaltet den Nachlass: Matthias Bogucki war mit der „Drei ???“-Illustratorin Aiga Rasch befreundet.

Verwaltet den Nachlass: Matthias Bogucki war mit der „Drei ???“-Illustratorin Aiga Rasch befreundet.

Hannover.Eigentlich wollte er nur ein paar Autogramme haben, als er im Jahr 2000 die Stuttgarter Künstlerin Aiga Rasch (†68) kontaktierte. Sie war die Illustratorin der „Drei ???“-Bücher und hatte der Serie mit ihren farbenprächtigen, schwarz umrahmten Covern zum Erfolg verholfen. Aus seiner Anfrage wurde eine lebenslange Freundschaft.

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Seit der Grundschule war Matthias Bogucki großer Fan der Serie. Als Neunjähriger hatte er in einem Zeltlager am Bodensee in einer Bücherkiste ein „Drei-???“-Buch entdeckt und zu lesen begonnen. „Ich erinnere mich noch genau – es hieß ,Die drei ??? und der seltsame Wecker’. Ich habe es verschlungen“, sagt Matthias Bogucki und schmunzelt.

Er graste als Kind jeden Flohmarkt ab

„Unsere Betreuerin las abends immer ,Das Sams’ vor, das war ja okay, aber ,Die drei ???’ fand ich unfassbar spannend.“ So spannend, dass er nach den Ferien sofort in die Bücherei ging, um nach weiteren Bänden zu forschen. „Da entdeckte ich, dass es die Bücher auch gebunden gibt, mit wunderschönen Covern, die alle diesen schwarzen Rand hatten. Und dass es auch Kassetten gab.“

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Buchautor: Matthias Bogucki hat den Bildband „Im Schatten des Ruhms“ über Aiga Rasch verfasst.

Buchautor: Matthias Bogucki hat den Bildband „Im Schatten des Ruhms“ über Aiga Rasch verfasst.

Von da an war es um Matthias Bogucki geschehen. Er las nicht nur alle Bücher und hörte die Kassetten, sondern er sammelte alles rund um die Serie. „Ich habe jeden Flohmarkt abgegrast!“ Sammeln war sowieso sein Hobby. „Ich habe Muscheln, Murmeln, Trolle, Schnuller, Aufkleber gesammelt, aber schließlich habe ich mich auf die ,Drei ???’ konzentriert. Der Platz in meinem Zimmer war ja auch begrenzt.“ Er lacht – bei den über 2000 „Drei-???“-Büchern, Hörspielen und Merchandisingartikeln, die er heute besitzt, ist das kein Wunder.

Autogrammadressen fand er im Internet

Während seines Zivildienstes begann er, Grafiker, Autoren, Sprecher und alle, die mit der Serie über die drei Kult-Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews etwas zu tun hatten, im In- und Ausland anzuschreiben, um seine Exponate mit Autogrammen zu bestücken. Auch Aiga Rasch, die bei Stuttgart wohnte. „Es war die Jahrtausendwende, das Internet war neu und die Menschen hatten noch keine Angst wegen Datenschutz“ – private Adressen und Telefonnummern fand er im Netz. „Ich habe Aiga Rasch einfach kontaktiert und ihr mehrmals Bücher zum Signieren geschickt.“

Die Künstlerin: Aiga Rasch im Jahr 1968. Sie kam aus einer Künstlerfamilie, statt mit Spielzeug wuchs sie mit Pinseln auf.

Die Künstlerin: Aiga Rasch im Jahr 1968. Sie kam aus einer Künstlerfamilie, statt mit Spielzeug wuchs sie mit Pinseln auf.

Aus dem ersten Kontakt entstand ein Briefwechsel, dann telefonierten der Fan und die 40 Jahre ältere Künstlerin. Als Bogucki ein Jahr später für sein Lehramtsstudium nach Stuttgart zog, verabredeten sie sich – und waren sich sofort sympathisch. „Ihre Bilder hatten meine Kindheit und Jugend geprägt, Aiga Rasch wirkte so vertraut“, berichtet er. „Einerseits war sie die große Künstlerin und es war eine Ehre, sie zu treffen, andererseits waren wir sofort auf einer Wellenlänge und konnten bis in die Nacht reden.“

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Sie besprachen die verschiedenen Cover der Abenteuer im fiktiven Rocky Beach, verglichen sie mit ausländischen Ausgaben, später begannen sie, das Werk zu ordnen und zu digitalisieren. „Je länger wir uns kannten, desto privater wurde es. Wir haben uns oft abends getroffen und wurde es zu spät, habe ich im Gästezimmer übernachtet. Wenn Aiga ins Krankenhaus musste – sie hatte aufgrund des Kettenrauchens die Lungenkrankheit COPD – habe ich auf ihre Katzen und ihren Hund aufgepasst.“

Neben den „Drei ???“ hat Aiga Rasch auch viele andere Bücher illustriert. Hier ist die Künstlerin 58 Jahre alt – zehn Jahre später stirbt sie an der Lungenkrankheit COPD.

Neben den „Drei ???“ hat Aiga Rasch auch viele andere Bücher illustriert. Hier ist die Künstlerin 58 Jahre alt – zehn Jahre später stirbt sie an der Lungenkrankheit COPD.

So lernte er immer mehr den Menschen Aiga Rasch kennen. „Sie war eine echte Nachteule. Oft haben wir erst um 20 Uhr gekocht, um 22 Uhr gegessen, um Mitternacht gab’s Nachtisch. Gefrühstückt wurde um 14 Uhr.“ Als sie ihre Cover in den späteren Jahren auch digital erstellte, hätten auf den Ausdrucken nicht selten Uhrzeiten wie 1.20 Uhr oder 3.40 Uhr gestanden.

Mehr Freundschaft als Mutter-Sohn-Verhältnis

Trotz der Intensität ihrer Freundschaft war für Bogucki immer klar, dass er nicht in das künstlerische Fach wechseln wollte: „In meiner Familie sind wir seit vier Generationen Lehrer.“ Bogucki unterrichtet heute Englisch, Gemeinschaftskunde und Wirtschaft an einem Gymnasium. Die Beziehung zu Rasch empfand er nicht als Mutter-Sohn-Verhältnis, eher als eine Freundschaft zwischen Sammler und Künstlerin, die beide Seiten sehr genossen haben. „Aiga Rasch war schon aufgrund ihres besonderen Lebensrhythmus eher zurückgezogen. Aber sie sagte von sich, dass sie zwar oft allein, aber nicht einsam sei.“

Der Sammler und die Künstlerin: Matthias Bogucki und Aiga Rasch in ihrem Privathaus. Nach ihrem Tod vermachte die Künstlerin dem jungen Studenten ihren gesamten künstlerischen Nachlass.

Der Sammler und die Künstlerin: Matthias Bogucki und Aiga Rasch in ihrem Privathaus. Nach ihrem Tod vermachte die Künstlerin dem jungen Studenten ihren gesamten künstlerischen Nachlass.

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In ihren letzten Lebensjahren – Aiga Rasch starb am 24. Dezember 2009 – haben sie auch offen über den Tod gesprochen. „Wir haben noch versucht, eine Stiftung zu gründen, aber uns ist die Zeit weggelaufen. Und am Ende fehlte ihr auch die Power“, erinnert er sich. „Es war ein offenes Geheimnis, dass sie mir die Bilder zu den ,Drei ???’ hinterlassen würde. Aber als sie starb und mir ihren kompletten künstlerischen Nachlass vermachte, war das schon überraschend.“

An mehr als 600 Büchern hat sie mitgewirkt, über 5000 Illustrationen hat sie hinterlassen. Vier Jahre habe Matthias Bogucki nach ihrem Tod gebraucht, um die Werke zu sichten und zu ordnen. Seine Frau, mit der er seit zehn Jahren zusammen ist, hat ihm dabei geholfen und ist bis heute eine große Unterstützung.

2013 wurden Aiga Raschs Bilder zum ersten Mal nach ihrem Tod öffentlich ausgestellt, seitdem hat Bogucki es sich zur Mission gemacht, die Arbeiten der „wohl erfolgreichsten unbekannten Künstlerin Deutschlands“, wie sie jüngst das „art“-Kunstmagazin bezeichnete, der Öffentlichkeit zu zeigen. „Sicher sind die ,Drei ???’-Bilder das Zugpferd, aber Aiga hat so viele grafisch hochwertige Bilder hinterlassen. Bei Ausstellungen bestehe ich darauf, dass auch diese Werke ihren Raum bekommen“, sagt Bogucki, der seine Arbeit ehrenamtlich macht.

Ein Buch, sieben Entwürfe: Aiga Rasch gestaltete „Drei ??? und der Super-Papagei“.

Ein Buch, sieben Entwürfe: Aiga Rasch gestaltete „Drei ??? und der Super-Papagei“.

Die Bilder werden nur in öffentlichen Museen und Galerien gezeigt und nicht zum Verkauf angeboten. "Das ist alles non-profit", betont der 40-Jährige, der im September den Bildband "Aiga Rasch – im Schatten des Ruhms" mit mehr als 400 Illustrationen herausgebracht hat. So bleibt die Künstlerin unvergessen. Das Bundesfinanzministerium hat angekündigt, Anfang Dezember in der Reihe "Helden unserer Kindheit" eine Sonderbriefmarke zu "Die drei ???" herauszugeben. Mit "Gespensterschloss" und "Super-Papagei" zählen zwei Coverbilder von Aiga Rasch zu den Motiven.

Das Wilhelm-Busch-Museum zeigt bis 23. Januar 2022 die Schau "Aiga Rasch: Die drei ???". Am 5. November ab 15 Uhr führt Matthias Bogucki durch die Ausstellung und erzählt von seiner Freundschaft zu der Künstlerin. Anmeldung unter Telefon 0511/16999911. Kosten: sechs Euro Museumseintritt plus fünf Euro für die Führung.

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Von Maike Jacobs

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