Debütroman „Gaußberg“

Mario Bekeschus schreibt Krimi über Rivalität zwischen Hannover und Braunschweig

Brückenschlag: Mit „Gaußberg“ ist Mario Bekeschus ein Krimi über die Rivalität zwischen Braunschweig und Hannover gelungen.

Brückenschlag: Mit „Gaußberg“ ist Mario Bekeschus ein Krimi über die Rivalität zwischen Braunschweig und Hannover gelungen.

Hannover. „Es war eine bahnbrechende Entscheidung“, sagt Mario Bekeschus (43) über den Umzug im Jahr 2002, der leicht ironische Unterton in seiner Stimme ist dabei nicht zu überhören. Denn er verließ seine Geburtsstadt Braunschweig und zog – ausgerechnet nach Hannover! „Im Freundeskreis gab es doofe Sprüche und viele Frotzeleien“, erinnert er sich. Zwei Städte im Spannungsfeld einer gewissen Rivalität. Dass daraus sein Krimidebüt „Gaußberg“ (Gmeiner-Verlag, 350 Seiten, 14 Euro) entstehen könnte, hätte Bekeschus damals allerdings nicht gedacht...

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Die Wurzeln gehen weit zurück: Heinrich der Löwe machte Braunschweig einst zur mächtigen Handelsmetropole – doch die Neuordnung durch die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg nahm der ehemaligen Hansestadt den Einfluss. Hannover wurde Landeshauptstadt, Sitz vieler Behörden. Fußballfans von Hannover 96 und Eintracht Braunschweig pflegen bis heute eine innige Ablehnung. Bekeschus weiß, dass er aus Sicht vieler Hannover-Freunde und -Kollegen aus „Peine Ost“ kommt.

Mario Bekeschus: „Gaußberg", Gmeiner-Verlag, 350 Seiten, 14 Euro.

Mario Bekeschus: „Gaußberg", Gmeiner-Verlag, 350 Seiten, 14 Euro.

Doch der Weg war logisch: Der 43-Jährige, der nach dem Abitur eigentlich Journalist werden wollte, schlug die „klassische Beamtenlaufbahn“ ein. Nach dem Studium an der Verwaltungshochschule in Hildesheim bekam er den ersten Job an der Leibniz-Uni. „Kurze Wege sind wichtig für die Lebensqualität“, war seine pragmatische Erklärung für die Wohnungssuche in Hannovers Südstadt, wo er heute noch lebt. „In der Fußballtipprunde bin ich erstmal angeeckt“, erinnert sich der Tennisspieler, „aber heute kann ich Spiele von beiden Mannschaften verfolgen.“

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„Mein Beitrag zur Völkerverständigung“

Bekeschus hat seinen Frieden mit der vermeintlichen Städtefeindschaft gemacht. Seit 2012 arbeitet er im Ministerium für Wissenschaft und Kultur – „ich habe schon zweimal Betriebsausflüge nach Braunschweig organisiert. Mit Floßfahrt auf der Oker, da hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt.“ Er sieht das als „meinen Beitrag zur Völkerverständigung“.

Fußball-Feindschaft: Fans beim Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig im Oktober 2020.

Fußball-Feindschaft: Fans beim Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig im Oktober 2020.

Der nächste könnte sein Buch „Gaußberg“ werden, das am 9. Februar erscheint. Eine Tote wird aus dem Mittellandkanal gefischt, ein Tattoo zeigt das Logo von Eintracht Braunschweig. Der eigenbrötlerische Kommissar Wim Schneider soll für die Polizei Hannover ermitteln, denn er stammt aus Braunschweig – bei der Spurensuche trifft er auf einen alten Rivalen, eine geheimnisvolle Villa auf dem Gaußberg und eine schrullige alte Dame, die im Gartenhaus lebt. Und um jeden Preis verhindern will, dass die Immobilie verkauft wird.

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Ein spannender Plot, der mit der Rivalität zwischen beiden Städten ein luftig-leichtes Spiel treibt. „Die Idee hatte ich schon 2013“, erinnert sich Mario Bekeschus, der damals in einem Rutsch alle Bücher des dänischen Star-Autors Jussi Adler-Olsen (71) gelesen hatte. Beruflich hat der 43-Jährige im Bereich Forschungsförderung und Innovation sein Feld („das geht von der Fraunhofergesellschaft bis zur Vogelwarte auf Helgoland“), schreibt unter anderem fachliche Stellungnahmen, auch Reden und Grußworte. „Diese Texte sind Teil der politischen Meinungsbildung“, sagt er stolz. „Aber mein heimlicher Wunsch war es immer, ein Buch zu schreiben.“

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Wahrzeichen: Burg Dankwarderode in Braunschweig (links) und das Neue Rathaus in Hannover.

Wahrzeichen: Burg Dankwarderode in Braunschweig (links) und das Neue Rathaus in Hannover.

2020 kam Corona – und Bekeschus zog einen Datenstick mit 80 halbfertigen Seiten wieder aus der Schublade. „Ich habe alles generalüberholt, ging in den Endspurt. Nach drei Monaten war ich fertig.“ Im Herbst ließ er das Manuskript binden, gab es seinen Eltern, der besten Freundin und seinem Lebenspartner zum Lesen. Und suchte einen Verlag.

„An die Branchengrößen habe ich mich nicht rangetraut“, gesteht er. Aber den Regionalkrimis habe die Pandemie großen Vorschub geleistet – „die Leute wollen die eigene Heimat und Deutschland kennenlernen.“ Trotzdem stellte er sich auf eine lange Wartezeit ein. „Aber nach einer Woche hatte ich zwei Zusagen.“

Ein Buch für „zwei Märkte“ in Braunschweig und Hannover

Weil er mit dem Stoff den Nerv trifft – und betriebswirtschaftliche Vorteile hat. „Der Verlag sieht zwei Märkte: Hannover und Braunschweig.“ Damit sich „Gaußberg“ (Bekeschus ist in der Nähe des gleichnamigen Stadtparks aufgewachsen) verkauft, hat der Autor viel Engagement an den Tag gelegt: Nicht nur „Klinkenputzen“ bei Buchhandlungen in beiden Städten gehörte dazu, auch Pressearbeit und eine Kooperation mit einem Verein für Stadtführungen in Braunschweig – das Buch wird Teil einer „Gaußberg“-Tour.

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„Ich habe versucht, mich als Marke aufzubauen“, sagt er über seine Instagramseite. Unter

@mario_schreibt

lässt er inzwischen 1250 Abonnenten auf seinem „Weg zum ersten Buch“ teilhaben, teilt Erfolge und Rückschläge mit der Autoren-Community und alle sechs Wochen im Podcast „Debütant*innen-Talk“. Wie schreibe ich einen Klappentext? Wie strukturiere ich die Suche nach einem Verlag? Was lernt man im Lektorat? „Viel“, ist die Erkenntnis von Bekeschus, der zum Beispiel das Wort „Querdenker“ zur Charakterisierung von Kommissar Wim Schneider lieber wieder strich.

Der große Blondschopf wird emotional, wenn er über diese zentrale Figur spricht. „Da ist viel von Omma Inge drin“, erzählt er. „Prost, Gemeinde! Ich trinke für euch alle“, sagt der Kommissar, bevor er seinen geliebten Ouzo kippt. „Das war der Trinkspruch meiner Großmutter, ihr Ritual.“ Mit 91 Jahren sei sie im Mai 2021 gestorben, sie hatte nur die letzten Wochen ihres Lebens im Altenheim verbracht. „Und hat zum Glück noch mitbekommen, dass ich einen Verlag für das Buch gefunden habe.“

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Das zweite Buch kommt bald: Mario Bekeschus schreibt weiter.

Das zweite Buch kommt bald: Mario Bekeschus schreibt weiter.

„Gaußberg“ soll nicht das einzige bleiben. In den vergangenen neun Monaten hat Bekeschus schon den Nachfolger geschrieben – der prostatageplagte Kommissar Wim Schneider fährt zu Reha in den Harz, stolpert auch da in einen aufregenden Fall. Seinem Stil bleibt Bekeschus treu: In seinen Krimis tauchen junge und alte Menschen auf, queere Charaktere, Figuren mit Migrationshintergrund. „Mir geht es um Diversität, das ist eine Herzensangelegenheit“, betont er. So wie der Brückenschlag zwischen Hannover und Braunschweig.

Von Andrea Tratner

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