Architektur

Kampf gegen Schottergärten: Stadt oft selbst kein Vorbild

Oft kritisiert: Der Goseriede-Platz. Sein Bild bestimmen vor allem Steine.

Oft kritisiert: Der Goseriede-Platz. Sein Bild bestimmen vor allem Steine.

Hannover. Für Tier- und Pflanzenwelt seien sie eine "Katastrophe". Deshalb will die Stadt künftig verstärkt gegen Schotter- und Steingärten vorgehen, die sich auch in Hannover zunehmend ausbreiten (NP berichtete). Doch nicht immer geht die Verwaltung bei eigenen Projekten mit gutem Beispiel voran. Wer sich am neu gestalteten Marstall umschaut, entdeckt zwar große Beete, die um die Bäume auf dem Platz herum angelegt wurden. Die allerdings wurden mit Steinen aufgefüllt. Vor dem neuen Servicecenter der Stadt am Schützenplatz, in dem Dienststellen des Fachbereichs Ordnung untergekommen sind, sucht man Beete und Bäume vergeblich. Und am vor einigen Jahren neu gestalteten Goseriedeplatz gibt es schon lange Kritik, weil auch dort der nackte Stein dominiert.

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Flächen „volldurchlässig und versickerungsfähig“

Aus Sicht der Stadt hat sich jedoch der ökologische Wert des Marstalls verbessert. Die Baumscheiben seien „zugunsten größerer, versickerbarer Flächen ausgeweitet“ worden, sagt Sprecher Dennis Dix. Blühende Stauden seien gepflanzt worden. „Auch für Insekten ist hier nun ein Angebot vorhanden“, betont Dix. Als Abdeckung sei lediglich eine dünne Schicht Split aufgetragen worden. Deshalb könne man auch nicht von Schottergärten sprechen. Die Flächen seien „volldurchlässig und versickerungsfähig“ – anders als bei Schottergärten, bei denen oft Folien unterlegt werden.

Wenig grün

Wenig grün: In den neuen Beeten am Marstall gibt es mehr Steine als Pflanzen. Laut Stadt ist der Platz allerdings ökologisch wertvoller als vor seinem Umbau.

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Mehr Grünflächen durch Rückbau von Fahrspuren

Auch bei der Umgestaltung des Goseriedeplatzes und des Klagesmarktkreisels seien durch den Rückbau von Fahrspuren und Verkehrskreisel "große, zusätzliche Grünflächen" geschaffen worden. Der Goseriedeplatz sei aber als "Veranstaltungsort und Stadtplatz befestigt worden". Weil der benachbarte Steintorplatz nach der Bürgerbeteiligung grüner werden soll, würden auch vermehrt Veranstaltungen auf den Goseriedeplatz verlagert. Dafür biete dieser "hervorragende Voraussetzungen", so Dix.

Laut Niedersächsischer Bauordnung – so sieht es die Stadt – sind Schottergärten gar nicht erlaubt. Nur Zugänge, Zufahrten, Parkplätze, Gartenwege oder Lagerplätze dürfen mit Steinen oder Schotter versiegelt werden. Alle anderen Bereiche müssten mit Rasen oder Gras, Bäumen, Sträuchern, Zier- oder Nutzpflanzen bedeckt sein.

Bau- und Umweltdezernat haben sich jedoch schon getroffen, um zu besprechen, ob die Stadt noch mehr gegen die Steingärten tun kann, die auch in Hannover den Lebensraum von Insekten und anderen Tieren zunehmend einschränken.

Deshalb prüfe die Verwaltung, „ob nicht generell in neuen Bebauungsplänen Schottergärten auf nicht überbaubaren Grundstücken ausgeschlossen werden können“, erklärt Stadtsprecher Dennis Dix. Das käme einem Verbot von Schottergärten in Neubaugebieten gleich.

Keine Einflussmöglichkeiten am Schützenplatz

Bei der Gestaltung der Flächen rund um den neuen Verwaltungsbau am Schützenplatz sieht sich die Stadt nicht in der Pflicht. Sie sei nur Mieterin der Immobilie. Man habe „keine Einflussmöglichkeiten auf die Außengestaltung“, sagt Sprecher Dix.Eine Aussage, über die man sich zumindest wundern darf. Denn Vermieterin ist die städtische Wohnungsgesellschaft Hanova. Deren Chef Karsten Klaus erklärt gegenüber der NP, dass es rund um das Gebäude „fast keine Außenanlagen“ gebe. Wegen der vielen Leitungen im Untergrund sei es auch nicht möglich gewesen, Bäume oder Beete zu pflanzen. Das allerdings sei „nicht die grundsätzliche Haltung der Hanova“, sagt Klaus.

Auch am Schützenplatz dominiert Beton

Auch am Schützenplatz dominiert Beton.

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BUND lobt Vorgehen der Stadt

Der Naturschutzbund BUND begrüßt, dass die Stadt gegen Schottergärten vorgehen will. "Sie hat aber auch eine Vorbildfunktion und muss das bei eigenen Projekten vorleben", sagt Vorstandsmitglied Gerd Wach. Wo immer das möglich sei, müsse sie Grünflächen erhalten oder Flächen entsiegeln.Dass das häufig nicht gelingt, liegt nach Ansicht von Wach daran, dass sich bei der Stadt das Umweltdezernat von Sabine Tegtmeyer-Dette und das Baudezernat von Uwe Bodemann oft nicht einig seien. "Man müsste Tegtmeyer-Dette den Rücken stärken", fordert der BUND-Mann. Er setzt sich auch dafür ein, dass die Stadt stärker kontrollieren sollte, wo in Hannover Schottergärten entstehen, die laut Niedersächsischer Bauordnung verboten seien.

Von Christian Bohnenkamp

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