Justiz

Im Schlaf missbraucht: Bewährung für Vergewaltiger

VERURTEILT: Christian B. bleibt das Gefängnis erspart. (re. Anwalt Benjamin Pethö).

VERURTEILT: Christian B. bleibt das Gefängnis erspart. (re. Anwalt Benjamin Pethö).

HANNOVER. Sein Glück nahm Christian B. (36) genauso reglos hin, wie zuvor den schlimmen Vorwurf. Vergewaltigung. In der ersten Instanz vor dem Amtsgericht Hannover wurde der Maurer noch zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Am Donnerstag wurde dieser Justizirrtum geheilt. Am Landgericht bekam der Angeklagte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten.

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Richter Martin Grote sprach von einem sehr ungewöhnlichen Fall. Christian B. lebte in Gehrden mit seiner Freundin (31) in einer erfüllten Beziehung. Doch nachts überkam ihn hin und wieder das Bedürfnis, seine Frau im Schlaf zu überrumpeln. Ende 2015 kam es zum ersten Sex mit der Schlafenden. Am nächsten Morgen sagte sie mit aller Deutlichkeit, das sie das entsetzlich finde. Es kam aber zu drei weiteren Zwischenfällen, darunter auch eine Vergewaltigung. Nach dem letzten Sex mit einer „widerstandsunfähigen Person“ im August 2016 trennte sich die Frau von Christian B.

Richter Grote sagte deutlich: „Das war keine missglückte Anbahnung, sondern der Vollzug des Beischlafs mit einer Partnerin, die nicht ihre Zustimmung gegeben hatte.“ Doch der Richter erkannte bei der Vergewaltigung auf einen minderschweren Fall. „Das Opfer hatte kein Strafbedürfnis“, meinte Grote. Und da die Partner ein befriedigendes Eheleben führten, fehle der Vergewaltigung der erniedrigende Charakter. Da der Angeklagte einen Beruf habe und keine Vorstrafen, könne man die Strafe zur Bewährung aussetzen. Außerdem bestehe keine Wiederholungsgefahr.

Verteidiger Benjamin Pethö verwies darauf, dass sein Mandant keinerlei Gewalt gegen seine Frau angewandt habe. „Wenn sie ihn wegschubste, hat er von ihr abgelassen.“ Der Angeklagte zahlt 2500 Euro Schmerzensgeld an seine Ex. Er hatte kurz vor dem Urteil ein Geständnis abgelegt.

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Genau dieses Verhalten regte Opfer-Anwalt Matthias Waldraff enorm auf. „Meine Mandantin hat nicht verstanden, dass keine Entschuldigung von Ihnen während des Verfahrens kam“, sagte er zu Christian B. Das hätte ihr gut getan. Vor der Anzeige hatte sich der Angeklagte in Whatsapp-Nachrichten für sein Verhalten entschuldigt. Während der Prozesse hatte er bis zum Donnerstag geschwiegen.

Von Thomas Nagel

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