Prozess

Hannover: Krieg unter Bordell-Chefinnen

Hannover. Mitangeklagt ist eine frühere Wirtschafterin (41). Laut Anklage soll Ahrens einer Prostituierten, die im „Yes Sir“ gearbeitet hat, bei einem Streit 410 Euro geraubt und ihr dabei einen Fingernagel abgerissen haben. Schwerer wiegen jedoch andere Vorwürfe, die diese Frau, inzwischen selbst Bordellchefin, erhoben hat.

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Mindestens fünf Frauen unter 21 Jahren soll Ahrens zur Prostitution überredet und genötigt haben zu unterschreiben, dass sie zuvor schon Prostituierte waren. Die 57-Jährige bestreitet das. Außerdem wirft ihr die Anklage vor, sie habe von Prostituierten verlangt, länger als zwölf Stunden zu arbeiten, und Strafgelder für Zuspätkommen kassiert. Ferner habe sie verboten, Männer oder deren Wünsche abzulehnen, habe Frauen auch bei Krankheit oder gar nach einer Abtreibung zum Arbeiten genötigt und Psychoterror ausgeübt, wenn Anweisungen nicht befolgt wurden. Was daran stimmt, muss der Prozess zeigen. Die „Kronzeugin“ erschien gestern nicht zur Aussage, was Zweifel am Wahrheitsgehalt aufkommen lässt.

Ahrens ist eine schillernde Figur. In den 80er Jahren betrieb sie eine Partnervermittlung und stieg dann ins Bordellgeschäft ein. Ihre Aussage trug 1999 wesentlich dazu bei, dass ein Bordellkunde, der seine Frau durch Killer hatte ermorden lassen, lebenslang hinter Gittern landete. Ahrens war Informantin von Staatsanwälten, bis Vorgesetzte den Kontakt stoppten. Nicht, weil sie gelogen hätte, sondern weil Ankläger in Verdacht gerieten, ihr während einer Haft Ausgänge verschafft zu haben, damit sie ihr Bordell weiterführen konnte.

Die Angeklagte erklärte gestern, die Frau, die sie beschuldige, habe vor zwei Jahren versucht, das „Yes Sir“ zu übernehmen. Zu einer Zeit, als sie sich von einer schweren Operation erholen musste. Sie habe die Frau hinausgeworfen, sie dabei aber weder beraubt noch verletzt. Die Anzeigeerstatterin habe ein Bordell in Hildesheim eröffnet und Frauen aus dem „Yes Sir“ abgeworben. Drei seien aber schon zu ihr zurückgekehrt.

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