Der TOPNEWS-Letter

Eine Frage der Würde

Abgängig: Die alten Klinikgebäude der MHH sind stark sanierungsbedürftig.

Die Medizinische Hochschule Hannover: Hier liegt seit Wochen das verstorbene Baby einer Hannoveranerin.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

es macht einen traurig, wenn man vom Tod eines Kindes erfährt. Das ist, glaube ich, allgemeingültig. Und ist sicher auch unabhängig davon, ob man eigene Kinder hat oder nicht. Nun gibt es einen Fall in Hannover, der Traurigkeit und Betroffenheit noch stärker werden lässt, wenn das möglich ist: Seit gut sieben Wochen liegt ein verstorbenes Baby in einem Kühlfach der Medizinischen Hochschule Hannover. Der Grund: Die Mutter kann die Beerdigung nicht bezahlen.

Allein die Beschreibung dieser Fakten löst bei mir Fassungslosigkeit aus. Die Mutter ist verzweifelt, weil sie über den Tod ihres zu früh geborenen Mädchens nicht hinweg kommen kann. Sie sieht keine Möglichkeit, nach vorne zu blicken, so lange ihr Kind nicht beerdigt ist. Das ist mehr als nachvollziehbar.

In der Regel springt in solchen Fällen der Staat ein. Und auch diese Seite muss man fair beleuchten. Ja, es ist verständlich, dass die Vermögensverhältnisse der Mutter und noch einige andere Punkte vom Sozialamt geprüft werden müssen. Es müssen Nachweise erbracht werden, alles dauert. Man ahnt, dass das stimmt, was Bestatter beklagen: „Oft dauert es Wochen, bis Kostenzusagen da sind. Das ist eine riesige Belastung für die Trauernden.“

In diesem Zusammenhang müssen wir uns klar machen, worum es geht: Es geht um Menschen. Es geht um Trauer, Betroffenheit und großes menschliches Leid. Es geht um das Ende des Lebens. Und das hat eine angemessene Würde verdient. Denn: Die Würde des Menschen ist unantastbar. So steht es in Artikel 1 unseres Grundgesetzes.

Deshalb darf es bei aller Bürokratie nicht dazu kommen, dass ein Kind sieben Wochen und wahrscheinlich noch länger in einem Kühlfach liegt, wenn es keine nennenswerten Gründe gibt, die die Beerdigungsabläufe betreffen, wie Obduktionen, Verzögerungen bei Einäscherungen oder Vergleichbares. Das ist würdelos.

Die Medizinische Hochschule Hannover: Hier liegt seit Wochen das verstorbene Baby einer Hannoveranerin.

Die Medizinische Hochschule Hannover: Hier liegt seit Wochen das verstorbene Baby einer Hannoveranerin.

 

Die Topnews aus Hannover und Welt

 

Das Zitat des Tages

Die Offenhaltung von Schulen und Kitas muss oberste Priorität haben. Besonders aus diesem Grund schauen wir mit Sorge auf den Umstand, dass das Infektionsschutzgesetz deutlich hinter unseren Erwartungen zurückbleibt.

Udo Beckmann

Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE)

den Artikel dazu finden Sie hier

 

Der Tipp des Abends

Sie ahnen es: Wir können Ihnen heute nicht guten Gewissens empfehlen, etwas draußen zu unternehmen. Das Wetter ist einfach zu wechselhaft und zu oft kommt es nass von oben. Schauen Sie sich deshalb lieber einen Film an: Im Kino am Raschplatz (Raschplatz 5) läuft um 20.15 Uhr „Mittagsstunde“, eine Verfilmung des Bestsellers von Dörte Hansen. In der Hauptrolle ist Charly Hübner als Sohn pflegebedürftiger Eltern zu sehen. Absolut norddeutsch.

Bleiben Sie dran!

Sönke Lill

Chef vom Dienst

 

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