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Konzert in der Orangerie

Diesen Lebenstraum erfüllt sich Wolfgang Stute

Ein Könner an der Gitarre: Wolfgang Stute spielt mit seiner Band Marea am 14. Dezember in der Orangerie.

Ein Könner an der Gitarre: Wolfgang Stute spielt mit seiner Band Marea am 14. Dezember in der Orangerie.

Hannover.Er ist der Mann der leisen Töne: Wenn Wolfgang Stute (70) Gitarre spielt, dann perlen die Töne nur so von den Seiten und scheinen durch den Raum zu schweben. Zurzeit kann man den Ausnahmegitarristen fast jeden Abend in Herrenhausen hören, in der Orangerie begleitet er live die Künstler und Artisten bei der Wintervarieté-Show Sombra.

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Jetzt will sich Stute einen besonderen Traum erfüllen: „Einmal will ich mit meiner eigenen Band Marea diesen Saal füllen.“ Das Konzert findet am Dienstag, 14. Dezember, statt, als Moderator konnte Stute dafür seinen guten Freund, den Kabarettisten Matthias Brodowy (49), gewinnen. Schon seit über einem Jahrzehnt stehen sie immer mal wieder gemeinsam auf der Bühne, 2013 wurden sie zusammen mit dem „Deutschen Kleinkunstpreis“ ausgezeichnet.

Kollegen und Freunde: Wolfgang Stute und der Kabarettist Matthias Brodowy.

Kollegen und Freunde: Wolfgang Stute und der Kabarettist Matthias Brodowy.

Für Stute wird der Abend etwas ganz Besonderes sein – in diesem Jahr hat er seinen 70. Geburtstag gefeiert. Ein guter Anlass zu bilanzieren, was man im Leben geschafft hat, sich noch wünscht und was man noch erwartet. Denn es gibt ein weiteres Jubiläum: „Seit genau 50 Jahren steht ich auf der Bühne und lebe von der Musik.“

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So setzte er sich gegen seinen Nazi-Vater durch

Dabei hatte Wolfgang Stute erst mit 15 Jahren mit dem Gitarrenspielen angefangen – gegen den Widerstand seines erzkonservativen Vaters, der auch nach dem Krieg ein unverbesserlicher Nazi war und Stutes älteren, 1948 geborenen Bruder, Adolf nannte. Nach dem Abi machte Stute eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann, aber dann schaffte er es, sich gegen den Willen des Vaters durchzusetzen und Musik zu studieren. Auch die Haare wurden als Zeichen des Protestes in diesen Jahren immer länger – und blieben es bis heute.

Im Studium wechselte er nach Hannover, hier wurde er musikalischer Leiter des Hannoverschen Theater der Jugend, später außerdem musikalischer Leiter vom E.T.A.-Hoffmann-Theater in Bamberg. Er hatte einen Lehrauftrag für ästhetische Kommunikation an der Evangelischen Fachhochschule Hannover.

Tierra: So hieß die Flamenco-Band von Jorge la Guardia und Wolfgang Stute – und auch ihre gemeinsame Kneipe in der Nordstadt.

Tierra: So hieß die Flamenco-Band von Jorge la Guardia und Wolfgang Stute – und auch ihre gemeinsame Kneipe in der Nordstadt.

Mit dem Künstler und Gitarristen Jorge de la Guardia (84) gründete Stute die Flamenco-Band Tierra – "so hieß auch die Kneipe, die wir gemeinsam am Engelbosteler Damm betrieben." Bei dem "Sommernachtstraum" von Heinz-Rudolf Kunze (65) und Heiner Lürig (67) in den Herrenhäuser Gärten wurde er musikalischer Leiter, einige Zeit managte Stute den Deutsch-Rockmusiker.

In den vergangenen Jahren freundete sich Stute, der verheiratet ist und eine Tochter (36) und eine eine Enkeltochter (5) hat, mit den Schriftstellern Paul Maar (83,„Das Sams“) und Bernhard Schlink (77, „Der Vorleser“) an. Mit beiden ist er immer wieder auf Lesereise unterwegs, begleitet sie dann auf der Gitarre, pflegt aber auch privat engen Kontakt. „Ich habe über die Musik wunderbare Menschen kennengelernt und wirklich tiefe Freundschaft geknüpft“, resümiert Stute: „Dazu empfinde ich es als großes Geschenk, dass ich von meiner Kunst immer leben konnte.“

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Kultur-Trio: (von links) Musiker Konrad Haas, Schriftsteller Paul Maar und Wolfgang Stute.

Kultur-Trio: (von links) Musiker Konrad Haas, Schriftsteller Paul Maar und Wolfgang Stute.

Bis heute könne er sich nichts Schöneres vorstellen. „Es ist nie so gewesen, dass ich keine Lust hatte zu spielen oder mich die Auftritte ermüdet haben. Auf der Bühne zu sein und mit meiner Musik zu begeistern, das ist für mich das Leben pur!“ Und so denkt er auch nicht ans Aufhören: „Ich weiß nicht, wie lange ich so musizieren kann. Aber: Solange es geht, werde ich spielen.“

Und so will Stute, der elf Gitarren und vier Meistergitarren besitzt, den Marea-Abend beim Spielen richtig genießen. Die Band, deren Name so etwas wie Ebbe und Flut bedeutet, hat er vor 15 Jahren gegründet, damals noch mit dem inzwischen verstorbenen Jazzmusiker Hajo Hoffmann.

Dachkonzert: Marea gaben im Lockdown ein Konzert auf einem Dach in Herrenhausen.

Dachkonzert: Marea gaben im Lockdown ein Konzert auf einem Dach in Herrenhausen.

Die Band, die heute neben Stute aus den Musikern Hilko Schomerus, Jens Bernewitz und Konrad Haas besteht, bietet eine weltoffene Mischung bewegender, akustischer Musik mit Elementen aus Klassik, Latin, Flamenco und Jazz. In der Corona-Zeit landete Marea einen kleinen Youtube-Hit: Um auf die Bedeutung von Kunst und Musik hinzuweisen, gaben die Musiker im Lockdown 2020 ein Konzert in luftiger Höhe, gefilmt von einer Drohne, auf einem Hausdach in Herrenhausen. „Die Beatles haben uns mit ihrem Rooftop Concert 1969 dazu inspiriert“, schmunzelt Stute.

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Zwei CDs hat Stute mit Marea herausgebracht, auch an neuen Songs arbeitet er immer wieder. Jetzt freut er sich auf den Auftritt in Herrenhausen. „Mit Marea in so einem großen Saal zu spielen, ist mein Lebenswunsch“, sagt der Gitarrist, der es im neuen Jahr etwas ruhiger angehen lassen will, bevor er wieder mit Konzerten durchstartet. Denn aufhören will er noch lange nicht: „Mein Job ist wie eine große Urlaubsreise! Ich brauche die Musik auch für mich, sie baut mich auf und gibt mir immer wieder Kraft.“

Beginn ist 19.30 Uhr, Karten (30 Euro) gibt es an der Theaterkasse im GOP-Varieté und auf www.variete.de

Von Maike Jacobs

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