Newsletter „Gastro-Szene“

Abschiede und Neuanfänge in Hannovers Club-Gaststätten

Lässt laufen: Niclas Debecker übernimmt die traditionsreiche Vereinsgaststätte des SC Elite.

(Foto/Tobias Wölki)

Lässt laufen: Niclas Debecker übernimmt die traditionsreiche Vereinsgaststätte des SC Elite. (Foto/Tobias Wölki)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der Frühling ist eine Zeit des Neuanfangs - auch in Hannovers Gastro-Szene. In der Vereinsgaststätte SC Elite an der Stadionbrücke weht ein frischer Wind. Maria Debecker-Nuñez (49) hat das Lokal übernommen, nachdem ihre Schwiegermutter Anneliese Debecker (75) nach 45 Jahren in den Ruhestand verabschiedet wurde. Ein Neuanfang für die Vereinsgaststätte und ein Neuanfang für die Kult-Sportgastronomin.

„Es ist mir sehr, sehr schwergefallen, loszulassen“, erzählt sie uns. „Diese Gaststätte ist mein viertes Kind.“ 1980 hat sie den Gastrobetrieb mit ihrem Mann Alfons Debecker übernommen, nebenbei „die drei leiblichen Kinder großgezogen“. 2016 verstarb der Ehemann ganz plötzlich, Anneliese Debecker machte alleine weiter. Aber es war der erste von zwei großen Rückschlägen: Vergangenes Jahr musste sich die quirlige Dame einer schweren Herz-OP in der MHH unterziehen, bekam drei Bypässe.„Meine Kinder haben mich extrem unterstützt“, sagt Debecker voller Dankbarkeit – und ist überglücklich, dass ihre Schwiegertochter übernimmt und das „vierte Kind“ in der Familie bleibt.

Familiensache: Anneliese Debecker übergibt ihre Vereinsgaststätte an Sohn Niclas Debecker und dessen Frau Heidi Nuñez-Debecker.

Familiensache: Anneliese Debecker übergibt ihre Vereinsgaststätte an Sohn Niclas Debecker und dessen Frau Heidi Nuñez-Debecker.

Was die 75-Jährige nach 45 Jahren mit ihrer neuen Freizeit anfängt? „Was ich vorher auch gemacht habe: Ich koche jeden Tag - aber jetzt für mich selber. Und ich gehe weiter täglich in die Gaststätte. Aber statt hinter dem Tresen sitze ich jetzt davor und habe Zeit, mich mit den Gästen zu unterhalten.“ Bei ihrer Verabschiedung am 13. März kamen sie alle: von Fußballkollegen aus den 80ern bis zu Ex-96-Spieler Carsten Linke.

Ein besonderer Partygast war Jürgen Becker (57). „Der Mann ist so krank und ist trotzdem gekommen - das hat mich besonders gerührt“, sagt Debecker. Becker ist ihr Kollege von Arminia Hannover. Der 57-Jährige ist als Arminia-Clubwirt in der Szene bekannt wie ein bunter Hund. Sein Schicksal im vergangenen Jahr hatte viele bestürzt: Beim Rasenmähen des Fußballplatzes stach ihn ein Insekt. Daraufhin erlitt er eine Meningokokken-Sepsis und das Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, das zu 90 Prozent tödlich verläuft. Wochenlang lag Becker in der MHH im Koma, musste drei-mal wiederbelebt werden, verlor beide Beine und ein Teil seines rechten Ohres. Sogar im 96-Stadion gab es von den Fans Solidaritätsbekundungen.

Gutes Team: Jürgen Becker mit Lebensretterin Marion Schneemann.

Gutes Team: Jürgen Becker mit Lebensretterin Marion Schneemann.


Bewusstlos aufgefunden hatte ihn seine Mitarbeiterin Marion Schneemann (56). Die hat nicht nur Beckers Leben gerettet, sondern auch seine Vereinsgaststätte. Als Becker erkrankte, kündigte sie von einen Tag auf den anderen ihren Hauptjob als Altenpflegerin und übernahm die Gaststätte. Dank ihr läuft der Betrieb der Arminia-Clubgaststätte wie gewohnt weiter.

Doch die Mitarbeitenden und Gäste vermissen Becker. „Sie fragen ständig nach ihm“, erzählt Schneemann. Aktuell macht Becker eine Reha in Bad Eilsen und große Fortschritte - wortwörtlich: Inzwischen ist er auf Beinprothesen mobil, zeigt er uns stolz. „Dieser Mann lässt sich nicht unterkriegen. Die Verantwortung für meine Mitarbeitenden treibt mich an.“ Und wenn er zurückkommt und Hilfe braucht, bleibt Schneemann an seiner Seite, hat sie uns versichert.

Mein Tipp: Am Montag gibt es bei Arminia gratis Livemusik von Southside Jam und leckeres Essen. Marion Schneemann freut sich auf Sie - und empfiehlt, zu reservieren.

Und wenn Sie etwas von gastronomischen Neuanfängen, außergewöhnlichen Konzepten, frischen Ideen oder auch Schließungen gehört haben, schicken Sie uns gerne eine Mail an gastro@neuepresse.de.

Genießen Sie den Rest der Woche!

Josina Kelz

 

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Das Gastro-Zitat

Wir ergänzen uns sehr gut – er ist eher der kreative Kopf und ich die Strukturierte.

Sonja Hammann

über ihren Mann Jörg und die gemeinsame Arbeit in der ehemaligen Vereinsgaststätte des Hannoverschen Ruder-Clubs

Das ganze Interview lesen Sie hier.

 

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