Gastro-Typen

Warum haben Sie keine Hobbys, Frau Machledt?

Wirtin aus Leidenschaft: Tanja Machledt leitet die „Alte Hahnenburg“.

Wirtin aus Leidenschaft: Tanja Machledt leitet die „Alte Hahnenburg“.

Hannover. Die „Alte Hahnenburg“ wurde 2017 von einem Brand heimgesucht. Auch Corona setzte Wirtin Tanja Machledt (45) zu. Jetzt blüht das Restaurant dank seiner Betreiberin wieder auf.

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Wie sind Sie in die Gastronomie gekommen?

Ich habe ein Schulpraktikum im Maritim-Hotel gemacht. Das fand ich so gut, dass ich am Ende einen Ausbildungsvertrag unterschrieben habe – und völlig vergessen habe, meinen Eltern davon zu erzählen (lacht). Meine Mutter wollte dann für die elfte Klasse Schulbücher bestellen, und ich musste ihr klarmachen, dass das nicht mehr nötig ist.

Sie waren viele Jahre mit dem „Schützenheim“ in Bemerode selbstständig. Wieso übernahmen Sie die „Alte Hahnenburg“?

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Ich sollte hier nur als Restaurantleitung arbeiten. Dann hörte ich, dass der Holzkohlegrill weggerissen werden sollte. Den gibt es in keiner anderen Küche mehr, bei uns auch nur noch wegen Bestandsschutz. Unser Fleisch schmeckt deswegen so sensationell und hat dieses besondere Aroma. Also habe ich gesagt: „Hätte ich das geahnt, hätte ich das Lokal gemietet.“ Gefühlt zwei Stunden später hatte ich den Vertrag vorliegen.

Traditions-Gaststätte: Die „Alte Hahnenburg“ in Bemerode hat eine lange Geschichte.

Traditions-Gaststätte: Die „Alte Hahnenburg“ in Bemerode hat eine lange Geschichte.

Was steht aktuell auf Ihrer Saisonkarte?

Bauernente, Forelle und Kalbsleber. Sehr beliebt das ganze Jahr über sind die Rippchen. Dafür kommen Gäste von weit her.

Tanja Machledt

*23. März 1976 in Hannover. Machledt absolviert eine Ausbildung im Maritimhotel an der Hildesheimer Straße. Mit dem Vater ihrer Kinder macht sie sich mit dem „Jason’s“ in Döhren selbstständig. Nach der Trennung übernimmt Machledt das „Schützenhaus“ in Bemerode. 2017 unterschreibt sie den Mietvertrag für die „Alte Hahnenburg“. Im gleichen Jahr bricht in dem Restaurant ein Feuer aus, das von einem Mader und einem Kabelbrand in der Decke ausgelöst wird. Trotzdem kämpft sich die Wirtin durch und hält Corona und dem Neuaufbau finanziell stand. Seit 2018 betreibt sie außerdem das „Café Korthaus“. Machledt lebt mit ihrem Freund David, dem Chefkoch der „Alten Hahnenburg“ zusammen.

Haben Sie ein Lieblingsgericht der Kindheit?

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Grünkohl. Ich liebe deftiges Essen und mag Grünkohl mit Bregenwurst unglaublich gern.

Ihr Freund David ist der Chefkoch in der „Alten Hahnenburg“. Kocht er zu Hause auch für Sie?

Da er hier den ganzen Tag kocht, hat er zu Hause keine Lust mehr. Wenn wir montags Zeit finden, gehen wir gern ins „Blockhouse“, weil das Fleisch dort sehr gut schmeckt. In der „Hahnenburg“ liebe ich Davids Sambalsauce. Manchmal macht er mir ein Töpfchen zurecht, und ich nasche sie über den ganzen Tag hinweg.

Beim Eindecken: Tanja Machledt liebt es, Feiern vorzubereiten.

Beim Eindecken: Tanja Machledt liebt es, Feiern vorzubereiten.

Wie haben Sie Corona erlebt?

Es war eine Katastrophe, vom ersten Tag an. Wir waren schon nach dem Brand finanziell stark angeschlagen. Ich wäre Mitte April 2020 endlich schuldenfrei gewesen, aber im März folgte der erste Lockdown. Alles, was wir uns bis dahin aufgebaut hatten, ging den Bach runter. Wir haben es mit Außer-Haus-Essen probiert, hier herumgesessen und das Telefon bewacht in der Hoffnung, dass jemand anruft. Auch heute traue ich dem Frieden noch nicht. Ich bin skeptisch geworden. Außerdem sind einige unserer Stammgäste an Corona gestorben. Das war einfach nur grausam.

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Was machen Sie als Ausgleich zu Ihrer Arbeit?

Arbeiten (lacht). Ich arbeite einfach gern. Als das Restaurant abgebrannt war, habe ich mit dem „Café Korthaus“ gleich das nächste Lokal übernommen. Ich habe keine Hobbys. Ich kann nicht gut herumsitzen, auch deswegen war Corona für mich die Hölle.

Frühlingshaft: Die Deko für das Restaurant wird liebevoll ausgewählt.

Frühlingshaft: Die Deko für das Restaurant wird liebevoll ausgewählt.

Haben Sie nie darüber nachgedacht, den Namen „Alte Hahnenburg“ gegen etwas Jüngeres zu tauschen?

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Um Gottes Willen, niemals! Die „Alte Hahnenburg“ hat eine lange Tradition und in Teilen auch eine tragische Geschichte. Nach dem Krieg war sie Anlaufstelle für einsame Witwen, die sich hier getroffen haben, um Männer kennenzulernen. Im Krieg beherbergte sie Soldaten. Im Landesmuseum hängt sogar ein Bild der „Alten Hahnenburg“.

Könnten Sie sich vorstellen, beruflich jemals etwas anderes zu machen?

Niemals. Seit dem ersten Tag nicht. Ich kann nichts anderes. Ich bin sehr gerne Gastgeberin und liebe es, Feiern auszurichten. Wenn die Gäste hier glücklich rausgehen, dann bin ich glücklich. Bei uns werden die Gäste auch mit Namen angesprochen. Das ist eine Form von Respekt. Es gibt keinen Tisch drei, es gibt Herrn und Frau Sowieso. Ich wollte immer das schönste und gemütlichste Restaurant mit dem leckersten Essen und dem besten Service der Stadt haben. Das ist jeden Tag mein Anspruch.

Von Luisa Verfürth

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